Arnd, Johann – Passionspredigten – Achtzehnte Predigt.

Johann Arnd - Portrait

Gleichwie der unschuldige Joseph von einem unartigen, ehebrecherischen Weibe bei seinem Herrn verklaget ward, als hätte er ihr Unehre angemuthet, und darüber in’s Gefängniß mußte, wie wir lesen 1. Mose am 39. Capitel, also wird hier der himmlische, unschuldige Joseph, unser Herr Jesus Christus, von dem unartigen, heuchlerischen jüdischen Volke verklaget, welches eine rechte ehebrecherische Art war, wie sie der Herr selbst nennet, und bringen mit ihren Lügen und falschen Zeugen so viel zuwege, daß er von den Hohenpriestern zum Tode verdammet wird. Denn, sagte das ehebrecherische Weib zu ihrem Manne, der hebräische Knecht, den du hereingebracht hast, wollte uns zu Schanden machen. Ja freilich, dieser hebräische Knecht hat die Juden, das hebräische Volk zu Schanden gemacht, durch Offenbarung ihrer Heuchelei und falschen Gottesdienstes, indem sie ihn zu Schanden machen wollten. Dort ließ Joseph sein Kleid darüber fahren, und floh davon. Hier läßt der himmlische Joseph seinen heiligen Leib sich ausziehen und morden, und giebt denselben eine zeitlang in ihre Gewalt, doch er nimmt ihn bald wieder, läßt sich in’s Gefängniß werfen, aber Gott erlöset ihn, und das Alles darum, daß dieser himmlische Joseph nicht geistlich mit der jüdischen Synagoge buhlen, und sich zu ihrer falschen Lehre bekennen wollte.

Wir wollen für diesmal diese zwei Stücke handeln:

  1. Die Anklage vor dem geistlichen Gericht.
  2. Wie der Herr zum Tode verurtheilet wird von dem geistlichen Gericht als ein Gotteslästerer.

I. Das schmähliche Verhör.

Erstlich ist allhier zu bedenken das Verhör. Kaiphas fragt den Herrn um seine Jünger, und um seine Lehre. Warum er nämlich eine neue Lehre einführe, sonderliche Jünger angenommen, und hiermit unter dem Volke Trennung angerichtet habe. Diese Frage begreift in sich eine verborgene, verdeckte Klage und Beschuldigung, als ob er ein Zerrütter der Kirche und Gemeinde Gottes wäre, und ein Ketzer, Und diese Frage thut nun der Hohepriester Amt’s halben, stellet sich, als wollte er den Grund der Lehre des Herrn gerne wissen, da er doch allbereit im Herzen beschlossen, er sollte sterben. Wie er denn zuvor den Juden gerathen, man sollte ihn tödten; es wäre besser, es stürbe einer, denn daß das ganze Volk umkäme/ Johannes 11. Der Herr Christus aber giebt eine weise und beständige Antwort, als der eine gute Sache hat, und seiner Unschuld halben ein gut Gewissen, und spricht: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt. Ich habe allezeit gelehret in der Schule und im Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts im Winkel geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die es gehöret haben; siehe, dieselben wissen, was ich zu ihnen geredet habe. In dieser Antwort führet der Herr zween herrliche Gründe feiner Unschuld. Erstens, von seinen öffentlichen Predigten, die nicht im Winkel geschehen; und schließt daraus also, falsche Lehre und aufrührerische Händel fliehen das Licht und handeln im Winkel, bis sie Anhang bekommen. Ich habe öffentlich geprediget und das Licht nicht gescheuet, darum bin ich kein Ketzer und Aufrührer, sintemal ich an öffentlichen Oertern gelehret, da die gemeinen Versammlungen des Volk’s sind, in den Schulen und im Tempel. Zum Andern, will er von seiner Lehre jetzo nicht selbst zeugen, damit sie sein Zeugniß nicht verwürfen. So hat er auch genugsame Zeugen seiner Lehre, nämlich seine vielfältigen Wunderwerke, und das Volk. Hiermit will der Herr, daß seine Zuhörer, oder je etliche gefraget und gehöret werden, und so Jemand über ihn klagen würde, daß er falsche Lehre oder Aufruhr geprediget, so wolle er sich verantworten. Der Jünger halben giebt er keine Antwort, denn wenn die Lehre recht und wahrhaftig ist, so ist’s auch recht, daß man’s Leuten vorträgt, die dieselbe annehmen. So waren auch die Jünger des Herrn arme, elende Leute, die keinen Aufruhr anrichten würden.

Mit dieser seiner Antwort hat nun der Herr Jesus die Schrift erfüllet. Denn so stehet vom Messias und von seiner Lehre Jesaia 45: Ich habe nicht in’s Verborgene geredet, im finstern Ort der Erde. Ich habe nicht zum Samen Jacob’s vergeblich gesagt: Suchet mich, denn ich bin der Herr, der von Gerechtigkeit redet, und verkündiget, das da recht ist. Dieser Spruch und Weissagung ist in Christo und seiner Lehre erfüllet. Wir sehen auch, daß Gottes Wort ein Licht ist, und nicht im Finstern bleiben kann. Der lichtscheuende Geist aber, der Teufel und die Kinder der Finsterniß, können’s und wollen’s nicht leiden. Daher entstehet Verfolgung.

II. Der schmachvolle Backenstreich.

Was antwortet die Versammlung und das Synedrium auf diese Verantwortung des Herrn? Nicht ein Wort. Sie sind in ihrem Gewissen überzeugt, daß der Herr unschuldig, und seine Lehre recht sei. Das verdrießt den Satan so sehr, daß er dem Herrn mit einem Backenstreich und Frevelschlag in’s Angesicht antwortet. Dazu spricht der Frevler: Sollst du dem Hohenpriester also antworten? Er schilt ihn hiermit, daß er nicht sein höflich geantwortet, und die ehrgeizigen Titel, so die heiligen Väter gerne hören, und ihnen wohl in den Ohren klingen, unterlassen, und einfältig von der Sache selbst geredet habe.

Bedenket diese große Gewalt und Tyrannei, einen vor Gericht schlagen, der unschuldig ist. Solchen Grimm übet der Satan wider Christum in seinen Werkzeugen. Dies ist vorgebildet 1. Sam. 22, da der König Saul den Priester Abimelech und alle Priester zu Nobe zu tödten befahl. Das wollte niemand thun, und wollte sich niemand an den Priestern vergreifen als Doeg, der erschlug dem Könige Saul zu Gefallen auf einen Tage 88 Priester. Und im 1. Buch der Könige im 22. Kapitel schlägt Zedekia den Propheten Micha auf den Backen vor dem Könige Ahab.

Solcher Backenstreiche weiden dem Herrn Christo viel durch Lügen, Lästerung und Verleumdung gegeben. Hiob ist auch ein Vorbild des Herrn gewesen. Er spricht im 16. Cap.: Sie haben ihren Mund aufgesperrt wider mich und haben mich schmählich auf meine Backen geschlagen; sie haben ihren Muth mit einander an mir gekühlet. Gott hat mich übergeben den Ungerechten und hat mich in der Gottlosen Hände lassen kommen.

Der Herr verantwortet sich sanftmüthig und kläglich: Habe ich übel geredet, so beweise es. Habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich? Es sind klägliche Worte. Der Herr will sagen, wenn ich unrecht hätte, wollte ich kein Wort dawider reden, nun ich aber unschuldig bin, so bedenke doch, welche große Gewalt du mir thust!

Dieser Handel mit Christo vor dem geistlichen Gericht ist ein Vorbild der gottlosen Versammlungen. Diese versammeln sich, nicht, daß sie die Lehre Christi erforschen, sondern daß sie Christum tödten wollen, und haben allbereit beschlossen, er solle sterben. Sie kommen zusammen Christum zu schlagen und zu tödten. Darum ist nicht auf solche Versammlungen zu hoffen, daß sie Christi Wort und Ehre retten werden. Es sehe ein jeder auf Gottes Wort, und gründe seinen Glauben nicht auf Versammlungen, sondern auf Gottes Wort. Die heilige Schrift ist die rechte Versammlung, da sind die heiligen Väter, Propheten und Apostel bei einander.

III. Falsche Zeugen.

Der Satan brauchet seine alte Kunst wider den unschuldigen Herrn, Lügen und falsch Zeugniß. Wie aber die Lüge sich allezeit selbst zu Schanden machet, weil unser lieber Herr Gott die Lügner umbringet, und Greuel hat an den Blutgierigen und Falschen, wie der 5. Psalm sagt, und Matth. 10: Es ist nichts Verborgenes, das nicht offenbar werde: also geschieht diesen falschen Zeugen auch, denn ihr Zeugniß stimmet nicht überein. Der Herr hatte gesagt, sie sollten den Tempel seines Leibes immerhin zerbrechen, und sie würden ihn zerbrechen, er wolle ihn aber in dreien Tagen wieder bauen, das ist, wieder aufwecken, Johan. 2. So sagen nun die Zeugen, er habe gesagt, er wolle den Tempel zu Jerusalem zerbrechen, und führen also ungleiche Rede. Darauf will nun der Herr Christus nicht antworten, denn er hat zween gewaltige Beistände, die ihn verantworten. Erstlich die Wahrheit, die leuchtet den Zeugen und dem ganzen geistlichen Gericht so stark unter Augen, daß auch die Zeugen darüber zu Schanden werden, und des Herrn Unschuld öffentlich an den Tag kommt. Darnach so weiß der Herr, daß es beides, den Zeugen und Allen, die im Gericht sitzen, ihr eigen Gewissen sagt, daß er unschuldig sei und sie ihm unrecht thun, darum will er nichts antworten. Und so leuchten hier zwei herrliche Tugenden an unserm Herrn Christo: l. Seine Unschuld, und 2. Seine Geduld.

Ein heilig, rein und unschuldiges Opfer sollte und mußte er sein, auf daß er uns versöhnen könnte, und nicht noth wäre für seine eigene Sünde ein Opfer zu thun, Hebräer 7; ein unbeflecktes Lämmlein mußte er sein. Und diese seine Unschuld ist in dem Naboth vorgebildet, 1 Kön. 21, wider welchen die Isabel falsche Zeugen aufstellete, die über ihn lügen mußten, er hätte Gott und den König gelästert. Er wird darauf hin gerissen und gepeiniget, daß er starb, und ward ihm damit sein Erbe genommen.

Geduldig mußte er sein, und nicht widerspenstig, auf daß sein Gehorsam vollkommen sei. Darum schweiget er stille. Und ist solches im 38. Psalm geweissaget: Ich aber muß sein wie ein Tauber, und nicht hören, und als der keine Widerrede in seinem Munde hat. Und abermal Psalm 39: Ich schweige der Freuden und muß mein Leid in mich fressen. Und Jesaia am 53.: Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführet wird, und wie ein Schaf, das verstummet vor seinem Scheerer, und seinen Mund nicht aufthut.

Da sehet ihr, wie Gott mit Fingern in der Schrift auf dies unschuldige und geduldige Lämmlein zeiget. Wie der heilige Täufer sagt: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.

IV. Die hinterlistige Beschwörung.

Weil nun der Herr Christus still schweiget, und die Wahrheit und seine Unschuld für sich antworten lässet, ja ihr eigen Gewissen, und sie gleichwohl gerne etwas von ihm gehabt hätten, das sie hätten aus seinen eigenen Worten richten können, wie es in den Gerichten zuzugehen pfleget, denn der Hohepriester hat aus dem Verhör, da er ihn um seine Jünger und um seine Lehre fragt, darnach aus der faschen Zeugen Widerwärtigkeit, des Herrn Unschuld befunden, da nimmt er die Sache auf einem andern Wege vor und braucht seine Amtsgewalt, stehet auf und spricht: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, das ist der Messias, der Sohn Gottes? Da ist nun die Frage recht formiret, das ist die Hauptfrage zwischen Juden, Christen und Heiden, ob der Jesus von Nazareth der Messias sei, und Gottes Sohn. Diese Frage hat der Hohepriester aus Gottes Versehung also formiret, denn hiermit werden die Juden öffentlich überzeuget, daß sie den Messias und den Sohn Gottes zum Tode verurtheilet und ihn gekreuziget haben. Merke aber die Arglist des Hohenpriesters. Denn er hat die Frage also gestellet, daß Christus nicht vorüber kann, er muß antworten. Denn sagt er Ja, er sei Messias und Gottes Sohn, so wird er für einen Gotteslästerer gehalten, wie sie denn sagen: Er hat Gott gelästert. Sagt er aber Nein, so fragen sie weiter, warum er sich dann für den Messias ausgegeben habe; und sie könnten auch sagen, er habe seine Wunderwerke nicht aus göttlicher Gewalt gethan. Sollte er aber still schweigen, so könnten sie sagen, er verachte Gott, dieweil er die hohe Betheuerung bei dem lebendigen Gott nicht achte. Also muß nun der Herr Ja oder Nein antworten. Wie listig aber diese Frage gestellet, so ist’s doch Gottes Rath und Vorsehung, daß der Herr Christus allhier vor dem geistlichen Gericht öffentlich bekennen soll, daß er der Messias wäre und Gottes Sohn. Darum spricht er: Du sagest es, ich bin’s. Und ob ihr’s gleich jetzo nicht glaubet, so werdet ihr’s doch sehen, denn ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes, und kommen in den Wolken des Himmels. Das ist, wie ihr jetzo mich sehet des Menschen Sohn, im Stand meiner Erniedrigung, so werdet ihr eben des Menschen Sohn, den ihr jetzo hier stehen sehet vor euch gefangen und gebunden, sitzen sehen zur rechten Hand der Kraft Gottes im Stande seiner Erhöhung, und kommen in den Wolken des Himmels. Wie solches der Prophet David zuvor verkündiget hatte im 110. Psalm: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten. Und Dan. 7 stehet der Prophet Daniel des Menschen Sohn kommen in den Wolken des Himmels. Jetzo, will der Herr sagen, stehe ich vor eurem Richterstuhl, es wird aber die Zeit kommen, daß ihr vor meinem Richterstuhl erscheinen müsset.

Das ist nun das herrliche Bekenntniß Christi von seiner Person und von seinem Amt. Er sagt öffentlich, er sei Gottes Sohn und sei auch des Menschen Sohn, doch in einer Person. Und sagt, des Menschen Sohn werde sitzen zur rechten Hand Gottes, und zu dieser Herrlichkeit erhoben werden, und kommen in den Wolken des Himmels, als ein Richter über Lebendige und Todte, und beweiset’s aus den Propheten und Psalmen.

Damit lehret uns der Herr, was wir von ihm bekennen sollen vor Gott und aller Welt, und daß wir uns dieses seines Bekenntnisses nicht schämen sollen, denn er spricht Mare, am 8. Cap.: Wer sich aber mein und meiner Worte schämet unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, deß wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters, mit seinen heiligen Engeln.

V. Die ungerechte Verdammung und die Schmähungen der Kriegsknechte.

Da zerreißt der Hohepriester seine Kleider und spricht: Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir weiter Zeugniß. Sie sagen Alle: Er ist des Todes schuldig, wir haben nun genug. Sie übergeben ihn nun nach dem Urtheil den Kriegsknechten, ihn zu schlagen und zu verspeien als einen Gotteslästerer und als einen Verdammten. Sie gehen nach Haus, als die nun die Sache wohl erforschet haben, kommen aber auf den Morgen frühe wieder zusammen, können nicht davor schlafen, fragen ihn noch einmal, ob er der gestrigen Rede geständig sein und auf dem vorigen Bekenntnis) bleiben wolle. Da bekennet der Herr noch einmal: Ja, Ich bin der, wie ihr mich fraget; ich bin Messias und Gottes Sohn, und ob ihr’s gleich jetzo nicht glauben wollet, so werdet ihr’s doch sehen, wenn des Menschen Sohn, der jetzo vor euch vor Gericht stehet, kommen wird in den Wolken des Himmels, wie die Propheten geweissaget haben, Da verdammen sie ihn zum andernmal zum Tode, und sagen Alle, er sei des Todes schuldig.

Lasset uns nun diesen Handel besehen: 1. Das Aergerniß der Welt, daß sie sich so geärgert über dem Bekenntniß Jesu Christi, daß er Gottes Sohn sei und zur Rechten Gottes sitze. Der Hohepriester ärgert sich also darüber, daß er seine Kleider zerreißt. Es war doch ausdrücklich verboten 3. Mos. am 21. Cap., der Hohepriester sollte seine Kleider nicht zerreißen, noch sein Haupt entblößen, Heuchelei zu vermeiden. Aber dieser Heuchler hat da im Gericht gesessen mit einem zerrissenen Kleide, auf daß man sagen soll: Sehet, wie hat er geeifert über der Gotteslästerung, welch ein heiliger Mann! Das ist der Heuchler Art, die mit äußerlichem Schein und Geberden sich hervorthun und sehen lassen, und im Herzen Buben sind. Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider, sagt der Prophet Joel am 2. Capitel, und bekehret euch zum Herrn.

Es ist aber hierbei dies Geheimniß: Der Hohepriester hat sein Kleid zerrissen, bedeutet, daß sein Hohepriesteramt zerrissen und von ihm gerissen werden soll, denn der priesterliche Rock bedeutet das Amt. Denn da Saul den Propheten Samuel bei seinem Rock halten wollte, und der Rock zerriß, da sagte der Prophet: Dein Königreich wird zerrissen werden. Und da Elias gen Himmel fuhr, ließ er seinem Diener Elisa seinen Rock, das ist, sein Amt und seine Gaben. Des Herrn Christi Rock aber ist nicht zertheilet worden, darum wird er auch das Hohenpriesterthum behalten. Von Kaiphas, der sein Kleid zerrissen, und dem Herrn Christo das Urtheil im geistlichen Gericht gesprochen, wird auch geschrieben, er habe den Juden gerathen, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Das hat er nicht von sich selbst gesagt, sondern er hat geweissaget, weil er Hoherpriester gewesen. Das ist also zugegangen wie mit Bileam 4. Mose 23, der wollte auch fluchen, und siehe, er segnete. Also macht Gott aus dem Fluch einen Segen. Also macht Gott hier aus der Bosheit des Kaiphas eine Weissagung. Der liebe Gott kann aus dem Aergsten das Beste machen.

Gleichwie sich aber die Juden wegen des Bekenntnisses des Herrn nicht allein geärgert, sondern ihn auch darum zum Tode verurtheilet haben, also gehet’s auch jetzo mit dem Bekenntniß und der Predigt des heiligen Evangeliums. Davon sagt St. Paulus: Wir predigen den gekreuzigten Christum, den Juden ein Aergerniß, und den Heiden eine Thorheit; denen aber, so berufen sind, predigen wir Christum, göttliche Kraft und göttliche Weisheit.

Es ist aber hoch zu verwundern, Geliebte im Herrn, daß diese Lehre von unserm Herrn Jesu Christo, daß er unser Aller Erlöser und Heiland sei, in welches Blut, Tod und Verdienst allein unsre Gerechtigkeit und Seligkeit stehet, von Ansang der Welt in so vielen Verfolgungen erhalten worden ist, darinnen wir sonderlich Gottes Allmacht und Weisheit sehen. Denn wenn wir alle Historien lesen, so finden wir, daß der Heiden Abgötterei und falscher Glaube niemals mit gewappneter Hand angefochten ist; und es hat sich lassen ansehen, als wenn derselbe gleich ewig bestehen würde, dieweil er durch die ganze Welt hin und her gewurzelt, und sich alle Völker und Nationen mit dem falschen Glauben, und unter demselben wohl vertragen haben, aber ungeachtet deß Alles, ist das ganze Heidenthum durch die unansehnliche Predigt des heiligen Evangeliums dergestalt gestürzet, daß auch des ganzen römischen Reichs Gewalt und Macht dasselbe nicht hat beschützen können. Denn das Evangelium ist eine Kraft Gottes, und hat seine Kraft gewaltig erwiesen. Und zu unsrer Zeit ist die heidnische Religion so getilget, daß aller ihrer Abgötter vergessen. Ja, es wissen auch die Juden und Türken, daß es Alles ohne Grund der Wahrheit vom Teufel gestiftet gewesen ist. Dagegen sehen wir, daß der Glaube an Christum vom Ansang der Welt ohne Unterlaß verfolget worden ist bis auf den heutigen Tag, daß er aber nichts destoweniger ausgebreitet und erhalten ist; und es hat Gott auch allezeit an den Verfolgern sein Gericht und Urtheil sehen lassen. Darum wollen wir uns nicht daran ärgern, obgleich Christus um dieses Bekenntnisses willen zum Tode verurtheilet, und das Evangelium verfolget wird, sie werden’s nicht ausrotten; es wird wohl bleiben. Laßt uns nur eine kleine Zeit mit Christo leiden, es wird ewige Herrlichkeit darauf folgen.

Fünferlei Schmach legen sie dem Herrn an: 1. Schlagen sie ihn. 2. Verspotten sie ihn. 3. Speien sie ihn an. 4. Verdecken sie ihm sein Angesicht. 5. Schlagen sie ihm mit Fäusten in’s Angesicht und sprechen: Weissage uns Messias, wer ist, der dich schlug?

Hier lasset uns erstlich besehen die Erfüllung der Schrift Jesaia am 50.: Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften; mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel; sondern hab’s dargeboten als einen Kieselstein; denn ich weiß, daß ich nicht zu Schanden werde. 5. Mose 25: Wenn der Gottlose Schläge verdienet hat, soll ihn der Richter heißen niederfallen, und sollen ihn vor dem Richter schlagen, nach Zahl und Maß seiner Missethat.

Dies Gesetz hat Christus für uns erfüllet. Wir hatten diese Schläge verdienet. Jesaia am 53.: Er ist um unsrer Missethat willen verwundet, und um unsrer Sünde willen zerschlagen.

Daß der Herr Christus angespeiet wird, das haben wir mit unserer Gotteslästerung verdienet. Denn 4. Mose 12 lesen wir, da Mirjam den Moses gelästert hatte, und Moses für sie bat, sprach Gott: Wenn ihr Vater ihr in’s Angesicht gespeiet hätte, sollte sie nicht sieben Tage sich schämen? Damit zeiget Gott an, wer den Vater lästert, dem soll man in’s Angesicht speien. Weil wir nun unsern Vater im Himmel gelästert haben, stellet sich unser Herr Christus ein, unsere Lästerung zu büßen, und läßt sich in’s Angesicht speien. So ist auch erfüllet der 22. Psalm: Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat sich um mich gemacht. Ebenso der 69. Psalm: Die Schmähungen derer, die dich schmähen, fallen auf mich.

Ach Herr Christe, sie hätten in Ewigkeit auf mich und alle Menschen fallen sollen, nämlich die ewige Schmach, so fället sie nun auf dich, auf daß ich zu Ehren komme.

Sehet aber auch hier die große Sünde, so die Schergen am Herrn begehen. Die ewige Weisheit wird verspottet, die ewige Heiligkeit verspeiet, der Gerechte verdammet, der Allmächtige geschlagen, der Stärkste gebunden, Gott wird von den sündigen Menschen angespeiet. O der großen Sünde! Im alten Testament verdorrete dem Jerobeam seine Hand, daß er nach dem Propheten griff, 1. Kön. 13. Usia ward mit Aussatz geschlagen, daß er die Lade des Bundes angriff, 2. Sam. 6. Dathan und Abiram verschlang die Erde, darum daß sie Mosen lästerten. Korah verzehrete das Feuer und die übrige Rotte zweihundertfünfzig Mann; und den andern, die dawider murreten hing eine Plage an und starben vierzehntausendsiebenhundert Mann. Ach, hier ist ja mehr denn Moses! Da Elisa von den Knaben verspottet ward, wurden sie von den Bären zerrissen. Ach, hier ist mehr denn Elisa!

Ach, lieben Christen, das haben wir Alle gethan! Unsere Gotteslästerung hat er gelitten. Wir haben ihn gelästert. Wir haben ihn verspottet und verspeiet und geschlagen, und Gott hat seinen Sohn für uns dahingegeben und dessen nicht verschonet. Hütet euch aber, Gott wird seinen Sohn von euch nicht so lassen gelästert werden! Alle Gotteslästerer verspotten und schlagen ihn jetzo noch. Ach, bedenket’s, thuet Buße, es ist hohe Zeit, daß euch die Erde nicht verschlinge, wie Korah, Dathan und Abiram, und das Feuer vom Himmel nicht verzehre! –

August 31, 2019

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