Arnd, Johann – Passionspredigten – Fünfunddreißigste Predigt.

Johann Arnd - Portrait

Am vierten Sonntage in der Fasten, Lätare. Joh. 6, 1-15.

Gleichwie ein getreuer und fleißiger Lehrmeister seinen Lehrkindern dasjenige am meisten vorhält und einbildet, darauf sie ihre ganze Kunst und Geschicklichkeit künftig bauen sollen, also hält uns unser himmlischer Lehrer und Meister, Jesus Christus, weil wir täglich zu ihm in die Schule gehen, das am allermeisten vor, darauf wir unser Christenthum und unsre Seligkeit bauen sollen, nämlich den Glauben. Zu dem Ende sind alle Wunderwerke im alten und neuen Testament geschehen. Gott hat alle seine Wunder um unsers Glaubens willen gethan. Darum hält uns auch dies heilige Evangelium abermal ein herrliches, großes, dank- und lobwürdiges Wunder vor, so der Herr Jesus, der himmlische Speisemeister an einer großen Menge hungrigen Volks, nämlich an fünftausend Mann, ohne Weiber und Kinder, gethan, so er mit fünf Broten und zween Fischen wunderlich, übernatürlich, aus göttlicher Allmacht gespeiset hat.

Wiewohl nun im alten Testament solcher Wunder viel geschehen sind, erstlich in der Wüste, da Gott die Kinder Israel mit Himmelsbrot und Wachteln gespeiset hat. Zum Andern am großen Propheten Elias, welchen Gott in der großen Theurung durch einen Engel, durch einen Raben und durch die Wittwe von Sarepta speisete. Zum Dritten zur Zeit Elisas, da Gott durch denselben in der Theurung hundert Mann mit zwanzig Broten speisete. Ferner, da Gott durch den Propheten Elisa eine arme Wittwe mit einer großen Menge Oels begabte, ihre Schuld zu bezahlen und sich vom Uebrigen zu nähren.

Desgleichen in der Theurung zu Samaria, da der ungläubige Ritter sprach: Und wenn Gott die Fenster des Himmels aufthäte und Brot regnen ließe, wäre es doch nicht möglich, daß eine solche große Menge Volk in so großem Hunger genug haben sollte, darüber er auch unter dem Thor, da solches geschah, zertreten ward. Wiewohl nun, sage ich, dies große Wunder sind, so übertrifft dennoch dies Wunderwerk dieselben alle; wie denn alle Wunderwerke des neuen Testaments größer, herrlicher, lieblicher und tröstlicher sind, denn die des alten Testaments. Wir wollen die Historie gegen dies Evangelium halten, so werden wir’s sehen.

1 Könige 17, In der großen Theurung zu Elias Zeiten, als es drei Jahre und drei Monate nicht regnete, befahl Gott dem Elias, er sollte von dannen weggehen gegen Morgen, und sich aufhalten am Bach Crith. Daselbst, sprach Gott, habe ich den Raben geboten, daß sie dich versorgen, und er ging hin, und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank des Baches. Es begab sich aber, daß auch derselbe Bach austrocknete, denn es war lange Zeit kein Regen im Lande. Da sprach der Herr: Mache dich auf und gehe gen Sarepta, daselbst habe ich einer Wittwe geboten, daß sie dich versorge. Und da der Prophet an das Thor desselben Städtleins kam, siehe, da ging eine Wittwe heraus, und las Holz aus. Und er rief ihr: Hole mir ein wenig Wasser, daß ich trinke, und bringe mir einen Bissen Brot mit. Sie sprach, so wahr der Herr, dein Gott, lebet, ich habe nichts Gebackenes in meinem Hause, ohne eine Hand voll Mehl im Fäßlein, und ein wenig Oel im Kruge, und siehe, ich habe ein Holz oder zwei aufgelesen, daß ich mir und meinem Sohne dasselbe backe und zurichte, daß wir noch einmal essen und dann sterben. Der Prophet sprach: Fürchte dich nicht, gehe hin und mache und bringe mir auch etwas davon. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl in dem Fäßlein soll nicht verzehret werden, und das Oel im Kruge soll nicht mangeln bis auf den Tag, da der Herr auf Erden regnen lassen wird. Sie ging hin und glaubte dem Worte des Propheten und machte, wie Elias geboten hatte, und er aß und sie auch, und ihr Haus, bis die Theurung aufhörte und der Herr regnen ließ. Und das Mehl im Fäßlein ward nicht verzehret, und dem Oel im Kruge mangelte nichts bis die Theurung aufhörte. Darnach aber ward Elias von der Isabel verfolgt, und er ging in die Wüste und setzte sich unter einen Wachholderbaum, und bat Gott, daß er seine Seele von ihm nehme, und legte sich unter dem Baume schlafen. Aber es kam ein Engel des Herrn, und weckte ihn auf, und sprach: Stehe auf und iß! Und da er sich umsah, sah er zu seinem Haupte ein geröstet Brot und eine Kanne mit Wasser, und er aß und trank und stand auf, und ging durch Kraft der Speise vierzig Tage und Nächte, dahin ihn Gott sendete.

Dies sind alles herrliche Wunder, darin wir als in einem Spiegel Gottes Allmacht und Barmherzigkeit sehen. Aber wahrlich in den Wunderwerken unsers Herrn Jesu Christi leuchtet Gottes Allmacht, Liebe und Barmherzigkeit viel herrlicher. Denn was im alten Testament an Elias geschehen ist, ist im neuen Testament an viel tausend Menschen geschehen. Dort hat es Gott durch einen Raben und durch einen Engel, hier hat er es durch seinen eingebornen Sohn gethan. In der Wüste war das figürliche Himmelsbrot. Hier war das Brot des Lebens, der Herr Jesus selbst. In der Wüste regnete das Manna vom Himmel und fiel mit dem Thau sichtbarlich, augenscheinlich, aber wo kommt dies Brot her, damit so viel tausend Menschen gespeiset worden, also daß zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Broten übrig bleiben? Der Wittwe Mehl ward zwar nicht verzehret, aber hier wird das Brot also unter den Händen Christi vermehret, daß man’s stehet und greifet und soviel überbleibt.

Das sollen wir nun erkennen, und aus dem 34. Psalm beten: Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen. Denn die den Herrn fürchten, haben keinen Mangel an irgend einem Gute. Denn die Augen des Herrn sehen aus die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Schreien, Dies, sagt der Psalm, soll man den Elenden predigen, daß sie es hören und sich freuen. Daher heißet dieser Sonntag Lätare, Jes. 66: Freuet euch Alle, die ihr Jerusalem lieb habt, das ist, die christliche Kirche. Ihr sollt saugen von den Brüsten ihres Trostes. Wie eine Mutter ihr Kind kein tröstet, so will ich euch trösten, spricht der Herr. Ps. 70: Es müssen sich freuen und fröhlich sein Alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, müssen sagen allewege: Der Herr sei hochgelobet. Denn ich bin arm und elend. Der Herr aber sorget für mich. Du bist mein Helfer und mein Erretter, mein Gott verzieh nicht.

Wollen zwei vornehme Hauptlehren handeln:

1. Die Vorbereitungen dieses Wunderwerks, welches alles Erweckungen und Stärkungen unsers Glaubens sind.

2. Von dem tröstlichen Wunder des Herrn, über und wider alle Vernunft und Gedanken, und was darauf erfolget, welches Alles dahin gerichtet ist, daß unser Glaube gestärkt und erhalten werde. Das ist die lebendige, thätige Uebung des Glaubens mit seinen Früchten.

I. Von den Vorbereitungen dieses Wunderwerks.

Die erste Stärkung und Erweckung des Glaubens ist: Die Zuversicht des Volks.

1. Die heiligen Evangelisten schreiben, der Herr sei übers galiläische Meer in eine Wüste gefahren, daselbst zu ruhen; denn er habe vor dem Volke nicht Frieden haben können, das Brot zu essen; nichts desto weniger aber habe ihn das Volk ausgeforschet, und sei ihm bis in die Wüste hinein nachgelaufen. Diese Leute stärken mit ihrem Exempel nicht wenig unsern Glauben, sie waren hungrig nach dem Brot des Lebens, nach dem Herrn Christo, nach seiner holdseligen Lehre und Trost. Wollte Gott, daß wir auch einen solchen Hunger und Durst nach ihm hätten und nach ihm seufzten und schrieen, wie der Hirsch nach frischem Wasser! Matth. 5: Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, sie sollen satt werden. Diese hungrigen Seelen achten mehr der Seelenspeise, denn der Leibesspeise, sind so begierig nach der Seelenspeise, daß sie der leiblichen Speise vergessen. Und weil sie die rechte Seelenspeise suchen, bekommen sie auch leibliche Speise. Dies sehen wir hier vor Augen. Darum ist’s eine herrliche Stärkung unsers Glaubens. Denn wo der Seele ihre geistliche Speise entzogen wird, muß sie ewig verschmachten, und ist schon todt, sie hat kein Leben in sich; denn Christus ist der Seele Leben. Darum treibet sie diese geistliche Noth zum Herrn, wie der Herr spricht: Das Reich Gottes leidet Gewalt, und die Gewaltigen reißen’s an sich, das ist, die bedrängten Herzen und hungrigen, Seelen dringen mit Gewalt zu Christo, und las, n sich kein leibliches Hinderniß aufhalten. Der Glaube hält sich an Christum wider alle Vernunft. Darum müssen wir hier lernen, daß wir die Seelenspeise zuerst suchen sollen, so wird Gott dem sterblichen Leibe seine Speise auch geben. Denn Gott ist’s, der Alles fröhlich machet, was da lebet und webet des Morgens und Abends, wie der 65, Ps. sagt: Du erhörest Gebet, darum kommt alles Fleisch zu dir, und Psalm 145: Er erfüllet Alles, was da lebet, mit Wohlgefallen. Dieweil es nun Gott thut und allein thun muß, so sollen wir ihn auch zuerst suchen. In Gott sollen wir reich sein, Luc. 12. Unsere Herrlichkeit wird uns nicht nachfahren, Ps. 49. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, Matth. 1,6. Silber und Gold kann nicht erretten am Tage des Zornes, Zeph. 1. Also ermahnen und erwecke„ diese Leute unsern Glauben, daß wir ihnen folgen sollen.

Die andere Erweckung und Stärkung unsers Glaubens ist: Die göttliche Vorsehung

2. Der Herr hebt seine Augen auf und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt. Hier lerne, daß der Herr uns eher stehet, denn wir ihn sehen. Er siehet uns, und sorget für uns, ehe wir zu ihm kommen. Er siehet unsern Hunger zuvor und Alles, was uns mangelt. Denn unser himmlischer Vater weiß, daß wir das Alles bedürfen. Wie ist uns doch allezeit so bange, daß wir noch zeitlich Noth leiden müssen; aber für die ewige Hungersnoth sorgen wir nicht, wie der reiche Mann, der so arm ward, daß er nicht ein Tröpflein Wasser bekommen konnte. Für den elenden Leib, den die Würmer fressen, und für desselben zeitliche Nothdurft sorgen wir mehr, denn wie dort in Ewigkeit Leib und Seele erhalten und getröstet werden möchten. Lernet hier mit diesem Völklein zum Herrn kommen mit eurem Herzen, mit dem Gebet und mir wahrer Buße, so wird er seine Augen aufheben und euch ansehen. Lasset uns die Augen unsers Glaubens zu Gott aufheben, so hebt er die Augen seiner Barmherzigkeit auf zu uns, wie der 33. Psalm spricht: Siehe, des Herrn Auge siehet auf die, so ihn fürchten, daß er ihre Seele errette vom Tode, und ernähre sie in der Theurung. In diesem Spruch verheißt Gott der Seelen Errettung, und des Lebens Nahrung. Psalm 9: Er wird des Armen nicht so gar vergessen. Psalm 10: Du siehest ja, denn du schauest das Elend und Jammer, es stehet in deinen Händen; die Armen befehlen es dir, du bist der Waisen Helfer. Sacharj. 12: Ueber Jerusalem will ich meine Augen offen haben. Psalm 34: Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Schreien.

Die dritte Erweckung und Glaubensstärkung ist: Die Erbarmung Christi.

3. Als nun der Herr das Volk sahe, jammerte ihn desselben, sagen die Evangelisten. Marc. 5: Denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten hatten. Hier lernet 1. Daß der Herr allen menschlichen Jammer an seinem Leibe und an seinem heiligen Herzen fühlet. Darum ist Gott Mensch worden, ein Fleisch der Barmherzigkeit. 2. Daß der Herr noch ein solch barmherziges Herz gegen uns habe, wie die Epistel zu den Hebräern am 5. spricht: Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unsrer Schwachheit. Darum lasset uns Hinzutreten mit Freudigkeit, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen auf die Zeit, wenn uns Hülfe noth sein wird. Durch seine Barmherzigkeit, daß ihn unserer jammert, locket uns der Herr zu sich, und machet uns getrost, daß wir uns nicht vor ihm fürchten dürfen. Seine Barmherzigkeit ist eine Arznei unsrer Blödigkeit und Furcht.

Gleichwie ein kleines säugendes Kindlein an seiner Mutter Brüsten hänget und durch dieselben gestillet, ernähret und gestärket wird, also hänget unser Milchglaube an Gottes Allmacht und Barmherzigkeit und an seinem tröstlichen, holdseligen Munde und Worte, ohne welches unser Glaube nicht ernährt und gestärkt werden kann. Gleichwie eine Mutter, der die Milch wehe thut, also thut Gott dem Herrn die Milch seiner Barmherzigkeit wehe, bis wir zu ihm kommen und seine Wohlthaten empfahen, wie Jes. am 66. stehet: Freuet euch mit Jerusalem, und seid fröhlich über sie, Alle, die ihr sie lieb habt. Freuet euch mit ihr, Alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn dafür sollet ihr saugen und satt werden von den Brüsten ihres Trostes. Und gleichwie die Mutter an ein kleines und weinendes Kindlein viel größere Liebe wendet, wie denn die kleinsten immer die liebsten sind, also die gläubigen Kinder, die im Kreuz, in Armuth, Hunger und Elend sind, an dieselben wendet Gott viel größere Liebe; denn die Kleinsten sind die Liebsten. Die in ihrem Herzen klein sind im Kreuz, an denselben hat Gott Lust seine Barmherzigkeit zu beweisen, führet sie oft in die Wüste des Kreuzes, auf daß er seine Allmacht an ihnen beweise. Exempel ist die Belagerung Samarias 2 Kön. 6 und 7 Werde klein in deinem Herzen, denn es stehet geschrieben Matth. 18: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, se werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Die vierte Erweckung und Stärkung unsers Glaubens ist: Die Prüfung des Glaubens.

4. Der Herr sprach zu Philippo: Woher kaufen wir Brot hier in der Wüste? Das sagte er ihn zu versuchen. Dies ist ein Spiegel und Bild menschlicher Anfechtungen. Denn solche Gedanken steigen in unsern Herzen auf: Woher nehmen wir Brot und andere Nothdurft? Denn der Herr weiß aller Menschen Herz und stehet ihre Gedanken, Solche Gedanken sind als ein geistlich Ungewitter, welches aus dem tiefen Meer des Unglaubens aufsteiget, und sind die geistlichen, gefährlichen Sturmwinde des Zweifelmuths, so da immer größer werden durch Unglauben und Furcht, wofern wir das unruhige Meer unsers kleingläubigen Herzens nicht mit Gottes Wort stillen. Wenn man Gottes Wort aus den Augen setzet, so entstehen solche geistliche Sturmwinde und Anfechtungen. Dagegen sollen wir auf Gottes Verheißung Acht haben, und demselben glauben, der gesagt hat, Psalm 55: Wirf dein Anliegen auf den Herrn. Der wird dich versorgen, und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen. Wer dies nicht glaubt, der macht Gott zum Lügner, ihn den Allerwahrhaftigsten. Der Unglaube verläugnet Gottes Allmacht und Weisheit, der doch groß von Rath und mächtig von That ist, Jerem. 32. So dachten die ungläubigen Kinder in der Wüste auch, wie der 78. Psalm beschreibt: Ja, Gott sollte wohl können einen Tisch bereiten in der Wüste! Siehe, er hat wohl den Felsen geschlagen, daß Wasser flossen und Bäche sich ergossen; aber wie kann er Brot geben und seinem Volk Fleisch verschaffen? Ja, der allergrößeste und stark gläubigste Mann des alten Testaments, Moses, 4 Mose 11, wird mit solchen Anfechtungen in der Wüste geplagt. Da Gott sprach, er wolle dem murrenden Volk Fleisch zu essen geben, antwortete Moses: Sechsmal hundert tausend Mann sind hier, und du sprichst: Ich will euch Fleisch zu essen geben? Soll man alle Schafe und Rinder schlachten, oder werden sich alle Fische im Meer herzusammeln, daß ihnen genug sei? Der Herr sprach: Ist denn die Hand des Herrn verkürzet? Du sollst sehen, ob meine Worte etwas gelten oder nicht. Lernet nun, lieben Christen, Gott trauen, er kann zu dem, das nichts ist, sprechen, daß es etwas sei, Röm. 4. Hat Gott Himmel und Erde aus nichts gemacht, und erhält Alles, so wird er dich, das kleine Stäublein der Erde, auch erhalten können.

Die fünfte Stärkung unsers Glaubens ist: Christi Weisheit.

5. Darum spricht nun das Evangelium ferner: Der Herr habe wohl gewußt, was er thun wollte. Hier lernet des lieben Gottes Weisheit und unerforschlichen Rathschluß betrachten, wie wir Jes. 50 lesen: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn soviel höher der Himmel ist, denn die Erde, soviel sind auch meine Wege und meine Gedanken höher, denn eure Gedanken. Sehet das Exempel Josephs an, der in Egypten verkauft war. Das war Gottes Rath, und kein Mensch verstand diesen Rath Gottes, nämlich, daß Joseph des Landes Vater sein, und seine hungrigen Brüder speisen sollte. Wir haben noch einen himmlischen Joseph, der seine hungrigen Brüder speiset. Also weiß er noch, was er thun will, wenn er dich gleich in die Wüste führet, in Armuth, Elend, Verfolgung, Krankheit und Todesnoth, in Anfechtung, Gefängniß und Trübsal. Er weiß wohl, was er thun will. Was will er thun? Er hat Gedanken des Friedens, nicht des Zornes. l. Er will dich wunderlich erhalten über alle Vernunft. 2. Er will seine Allmacht, Weisheit und Barmherzigkeit an dir beweisen. 3, Er will deinen Glauben, deine Andacht und dein Gebet üben. 4. Er will Gottes Wort in dir lebendig und kräftig machen; denn die Anfechtung lehret auf’s Wort merken. 5. Er will dich zu wahrer Buße und Erkenntniß deiner Sünde, und Besserung deines Lebens bringen, daß du selig werdest. 6. Er will dein Herz vom Zeitlichen abwenden, daß du nicht darauf bauen und trauen lernest, und darüber zu Schanden werdest. Denn der ist von Gott verflucht, der auf’s Zeitliche trauet, Jerem. 17. 7. Er will dein Herz demüthigen, daß du dich nicht wider Gott erhebest, wie Israel, da er fett und satt war, Gott vergessen und den Fels seines Heils verlassen hat, 5 Mose 32. 8. Er will dich der Welt müde machen, daß du einmal gedenken sollst, wo dein rechtes Vaterland ist; denn wir haben hier keine bleibende Stätte. 9. Er will dich unter die Zahl der Heiligen bringen, auf daß du die Heiligung empfahest; er will dich durch’s Kreuz zum Himmelreich bereiten. 10. Er will dich herrlich machen, Röm. 8. Denn weil wir des Leidens viel haben, werden wir auch durch ihn reichlich getröstet werden. Sehet, das sind die Ursachen des heiligen heilsamen Kreuzes!

Die sechste Erweckung und Stärkung unsers Glaubens ist: Die Rechnung des Glaubens und nicht der Vernunft.

6. Was aber antwortet Philippus? Zwei hundert Pfennige werth Brot’s ist nicht genug unter sie, daß ein jeder ein wenig nehme. In dem Griechischen steht Denarius oder Drachma, ist ein Quentlein Silber. Aber, was ist das, spricht er, unter so viele? Also redet die Vernunft und der Unglaube. Es ist diese Antwort Philipp! ein Spiegel des Unglaubens, und ist hierin unser aller Herz abgemalet. Philippus vergißt seines Katechismus, des Glaubens und des Vaterunsers, so geht’s uns leider auch. Zweierlei Rechnung hat ein jeder in seinem Hause: Eine, so aus der Vernunft gehet; da muß uns Gott oft eine Thorheit zu gut halten. Und eine Glaubensrechnung, die fehlet nicht, der Glaube gründet seine Rechnung auf drei Punkte und Fundamente: 1. Auf das Werk der Schöpfung, dadurch er alle Creaturen erhält. Wir wissen’s und haben’s erfahren, daß uns Gott vom Mutterleibe an ernähret hat, doch trauen wir ihm nicht, daß er uns ferner erhalten könne. Diese Rechnung des Glaubens hielt Jacob auf seinem Todtbette seinen Kindern vor 1 Mose 48, da er Joseph segnete und sprach: Gott, vor dem meine Väter, Abraham und Isaak gewandelt haben, Gott, der mich mein Leben lang ernähret hat bis auf diesen Tag, der Engel, der mich erlöst hat von allem Uebel, der segne die Knaben.

2. Das andre Stück der Rechnung des Glaubens: So Gott die unsterbliche Seele mit unsterblicher Speise erhält, sollte er nicht den sterblichen Leib erhalten können, der viel weniger ist, denn die Seele? Sollte sich Gott uns selbst geben, zur Speise unsrer Seele, wie sollte er unsern Leib nicht erhalten? Der Glaube ist’s, der Gott ergreifet und Alles mit ihm. Stirbt Jemand Hungers, so ist’s gewiß seines Unglaubens Schuld.

Der Glaube ist’s, der Leib und Seele erhält. Wenn die Seele still und ruhig in Gott ist, so ist der Leib mehr, denn halb gesättigt. Je größer der Unglaube, je mehr wird Leib und Seele gequält; denn der Unglaube und die Furcht hat Pein. Wenn der Seele in Gott wohl ist, so wird der Leib auch erquicket. Was aber der Gottlose fürchtet, das wird ihm widerfahren. Trauest du Gott nicht, und fürchtest dich immer, du wirst nicht genug haben, so wird dir Alles zu wenig werden, wie Psalm 34 sagt: Die Reichen müssen darben und hungern, verstehe an ihrer Seele durch den Unglauben, und werden nimmermehr weder an Leib noch Seele recht satt mit Wohlgefallen. Aber, die den Herrn suchen, habe“ keinen Mangel an irgend einem Gute. Die Hungrigen füllet er mit Gütern, verstehe die Gnadenhungrigen, und lasset die Reichen leer, das ist, ohne Gnade und Trost, ohne Ruhe und Friede. Wie solches der Prediger Salomo am 6. beschreibet: Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne, und ist gemein bei den Menschen. Einer, dem Gott Reichthum, Güter und Ehre gegeben hat, und ihm doch nicht Macht giebt desselben zu genießen; das ist eitel und eine böse Plage. Wenn er gleich hundert Kinder zeugte und hätte so langes Leben, daß er viele Jahre überlebte, und seine Seele sättigte sich des Guts nicht, und bliebe ohne Grab; von dem spreche ich, daß eine unzeitige Geburt besser sei, denn er. Denn in Finsterniß fähret er dahin, und sein Name bleibt in Finsterniß bedeckt, wird der Sonne nicht froh und weiß keine Ruhe, weder hier noch da.

3. Das dritte Stück der Rechnung des Glaubens ist Gottes Allmacht, Barmherzigkeit, Weisheit, Gerechtigkeit, und daß er unser Vater ist. Der Unglaube ist des Menschen größte Plage. Er weiß, daß Gott allmächtig ist, und trauet ihm doch nicht. Er weiß, daß Gott barmherzig ist, und fürchtet sich dennoch vor ihm. Er weiß, daß Gott wahrhaftig ist, und glaubet ihm doch nicht. Er weiß, daß Gott der Allermeistste ist, und denket doch, er wisse keinen Rath mehr. Er weiß, daß Gott gerecht ist, aber er trauet ihm nicht, daß er seine Sache ausführen könne, darum will er sich selbst rächen. Er nennet Gott seinen Vater, und liebet ihn doch nicht. Er weiß, daß Gott sein Herr ist, und fürchtet ihn doch nicht. Er weiß, daß in Christo das ewige Leben ist, und suchet ihn doch nicht. Ach, daß wir glaubten, im Glauben und in der Liebe wandelten, so würde es uns wohlgehen an Leib und Seele, wie Gott verheißen 5 Mose 28: Gesegnet wirst du sein, wenn du eingehst; gesegnet, wenn du ausgehst. Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes, die Frucht deines Landes, und die Frucht deines Viehes. Er würde uns geben Frühregen und Spätregen, wie der Prophet Joel am 2. spricht. Ja, der Herr würde den Himmel erhören, und der Himmel die Erde, daß sie Korn und Oel geben müßte, Hosea 2. Ja, der Herr würde die Fenster des Himmels aufthun, und Segen herabschütten die Fülle, und würde den Fresser schelten, daß er die Früchte nicht verderbe, das ist, Käfer, Raupen, Ungeziefer, Mehlthau, Mäuse, Geschmeiß, Brandkorn, welches der rechte Fresser ist, denn damit strafet Gott den Geiz und Unglauben.

II. Vom Wunderwerk Christi.

1. Der Gehorsam des Volks.

Als nun der Herr die Rechnung Philipp! und den klugen Rath der Vernunft gehöret hatte, spricht er: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Als wollte er sagen: Ihr seid Narren, wie ungläubig und närrisch seid ihr doch, denket ihr nicht, daß ich ohne Brot sättigen könne? Verstehet ihr noch nicht die Kraft Gottes? Wiewohl nun die Jünger noch nicht wissen, was der Herr thun will, so sind sie doch in diesem gehorsam, und heißen das Volk niedersitzen. Sie sehen als einfältige Kinder auf das gütige freundliche Wort des Herrn und auf seine milden Hände. Sie heißen das Volk niedersitzen zu essen, und sehen doch noch kein Brot. Da lernen wir, wie Gottes Wort das kleine Fünklein des Glaubens aufbläset. Das Volk ist dem Wort des Herrn gehorsam, und setzen sich zusammen, hier fünfzig und da fünfzig, wie St. Markus am 5. schreibt, und glauben, daß der sie hat geheißen niedersitzen, daß der sie auch speisen werde. Da hatte nun der Herr hundert Tische zu speisen, da über jedem Tische 50 Personen sitzen, sind nach unserer Art 500 Tische, das sind 5000 Personen, ohne Weiber und Kinder, und hat doch der Herr keine Küche oder Keller da. Er hat die Speisekammer in seiner Hand, in seiner Allmacht, und in seinem Wort. Da sehen wir, daß der Glaube ist eine gewisse Zuversicht deß, das man hoffet, und nicht zweifelt an dem, das man nicht stehet.

Also sahen die Kinder Israel in der Wüste kein Wasser, da Moses den Fels schlug, Gott brachte es aber aus dem verborgenen, unsichtbaren Schatz hervor. Hier lerne, daß eben der Gott, der diese Leute niedersitzen, und auf ihn hoffen heißet, auch dir befohlen hat auf ihn zu trauen, deines Berufs zu warten, so will er dich ernähren und segnen. Denn allemal bringt Gottes Befehl und Beruf, und der Gehorsam gegen Gott seinen Segen mit; wie im Gegentheil der Ungehorsam, Unglaube und Müßiggang seine Strafe und den Fluch mit sich bringt.

2. Der Segen Christi.

Der Herr nimmt die Brote, und danket, das ist, er betet und segnet dasselbe, und weil Mittel da sind, braucht sie der Herr. Wären sie nicht dagewesen, hätte der Herr ohne Brot sättigen können. Hier lerne abermal, daß du der verordneten Mittel deines Berufs und deiner Arbeit zur zeitlichen Nahrung brauchest, und der geistlichen Mittel, nämlich des Wortes Gottes und der Sacramente zur geistlichen Seelenspeise gebrauchest, und sei nicht klüger als Gott, der selbst Mittel gebraucht hat. Laß dich deine närrische, stolze Vernunft nicht so verblenden, daß du die Mittel Gottes verachtest, oder du wirst in den ewigen Seelenhunger gerathen, dein Dünkel und Klugheit wird deine Seele nicht sättigen, sondern wirst schändlich betrogen werden. Nehmet hier auch ein Exempel, wie der Herr das wenige Brot segnet, daß aus wenigem viel wird, und so viel, daß man davon jedem Haufen Brot und Fische vortragen kann. Denn je mehr er abbricht, je mehr es wird, durch ein viel größer Wunder, als der Wittwe zu Sarepta geschah. Denn ihr Mehl wird zwar nicht verzehret, und ward unsichtbar mehr, hier aber wird augenscheinlich mehr Brot, denn zuvor dagewesen. Gleichwie das Oel der Wittwe, je mehr sie ausgoß, je mehr es ward, also wird hier die Menge des Brotes augenscheinlich vermehrt; denn sie haben 12 Körbe voll Brocken von 5 Broten. Ist ein großes, treffliches Wunder.

Dies ist nun das größte göttliche Wunder, welches unsre Vernunft nicht begreifen kann. Gott giebt mehr an einem Tage, denn ein ganzes Kaiserthum vermag, dennoch bleibet er ein reicher Gott, je mehr er giebt, je mehr er hat. Es ist ein großer Reichthum in dem Worte Gottes und ein großer Segen; denn der Segen Gottes ist die Vermehrung aller Kreaturen. Dies Wunderwerk geschieht noch täglich, daß der Herr einem jeden unter uns, so viel hundert tausend Menschen, die da leben und weben, ihren Bissen Brot täglich giebt. Eusebius sagt: Dies Wunderwerk ist zwar an erster Verrichtung zeitlich, aber an Kräften ewig. 1. Wer kann ausrechnen, daß sich ein Körnlein also unzählig vermehret? 2. Wieviel hundert tausend mal tausend Menschen sind von dem ersten Menschen gekommen? 3. Sehet einen Baum an, welcher aus einem kleinen Sämlein entspringt, kann man auch seine Frucht zählen, die er von seinem Anfang bis zu seinem Ende gegeben? 4. Sehet den Himmel an, der ist wie ein fruchtbarer Baum, die Sterne sind seine Zweige und Aeste, die Frucht des Himmels ist Thau, Regen, Schnee, Reif, Frost, Hitze, Wind, gut Wetter. Gott zählet die Sterne und nennet sie alle mit Namen. So wird er dich auch erkennen und erhalten. So wenig du die Sterne des Himmels und die Tropfen im Regen zählen, und die Tage der Welt aussprechen kannst, so wenig kannst du die Früchte eines einzigen Körnleins, oder Samens, oder Baumes zählen. Verstehen wir nun das nicht, so auf Erden ist, wie wollen wir verstehen, was im Himmel ist, wie Gott einem jeden Menschen seine Nahrung versehen hat, wie er ihn speisen und erhalten wolle. Der Gott, der die Tropfen im Regen und die Tage der Welt gezählet hat, wird für dich deine Nahrung versehen haben. Hat Gott den Sand am Meer gezählet, und die Tropfen im Regen, so wird er dich auch gezählet haben und für dich sorgen, du bist ja mehr, denn ein Sandkörnlein vor seinen Augen. Ja, wie wollen wir das verstehen und begreifen, wie Christus mit seinem Leibe und Blute soviel Menschen speisen könne? Darum ärgern sich viele Leute aus Unglauben an diesem hohen Geheimniß, und lassen sich in ihrem großen Unglauben und Blindheit noch klug dünken, und widersprechen Christo und seinem Testamente, da er sagt: Das ist mein Leib und Blut, sie sagen nein dazu.

3. Des Volkes Sättigung.

Sie aßen aber und wurden Alle satt. Das ist das Wort Gottes, davon der Mensch lebet, und nicht vom Brot allein; das ist das rechte Himmelsbrot und Engelsbrot. Denn Gottes Wort und Kraft ist eine Erhalterin aller Kreaturen, der Engel und der Menschen. Denn Gott hält und trägt Alles durch sein kräftiges Wort, Hebr. 1. Wo Gottes Kraft und Segen ist, da schmecket’s wohl, und sättiget mit Wohlgefallen. Wo der nicht ist, da hilft’s nichts, wenn man gleich noch soviel zu essen hat. Darum spricht der Herr Luc. 12: Niemand lebet davon, daß er viele Güter hat. Manchem ist sein Essen und sein Ueberfluß als ein Schauessen, kann’s nicht genießen. Selig ist der, der mit Danksagung, mit Gottes Lob, fröhlichem und gutem Gewissen sein Brot isset; das ist sein Theil in dieser Welt, mehr wird er nicht davon bringen. Darum, wollet ihr mit Güte und Wohlgefallen gesättiget werden, so vergesset des Betens und Dankens nicht; denn die Creaturen, so Gott zur Speise geschaffen, werden durch’s Wort Gottes und Gebet geheiliget und gesegnet, 1 Tim. 4, und dann sättigen sie mit Wohlgefallen. Wer ist nun hier der Speisemeister, der also sättigen kann? Wir wissen, daß Gott der Vater seinem lieben Sohne Jesu Christo Alles in seine Hände gegeben, und ihn zum Erben über Alles gesetzet hat, Hebr. l. Und wie der 8. Psalm spricht: Alles hast du unter seine Füße gethan. Schafe und Ochsen allzumal, dazu auch die wilden Thiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer. Und daß solches von dem Sohn Gottes zu verstehen sei, bezeuget die Epistel an die Hebräer 1. Darum sollen wir den, welchem der Vater Alles in seine Hände gegeben hat, demüthiglich anrufen; denn durch ihn ist Alles geschaffen, und es bestehet Alles in ihm. Wenn wir aber die Creaturen ohne Gebet und Danksagung gebrauchen, und den Herrn aller Creaturen nicht darum begrüßen, so stehlen wir sie ihm, mißbrauchen sie, und essen den Fluch in unsern Leib.

Denn, als die Kinder Israel sich niedersetzten zu essen und zu spielen aufstanden, und der Danksagung vergaßen, bekam’s ihnen nicht wohl, sondern sehr übel, und fielen auf einen Tag drei und zwanzig tausend.

4. Das Verbot der Verschwendung.

Da sie nun satt sind, befiehlt der Herr die übrigen Brocken aufzuheben. Im Propheten Jes. 65 stehet: Wenn man ein Täublein findet, soll man sagen, verderbe es nicht, denn es ist noch ein Segen darin. Also soll man um des Segens Gottes willen rathsam mit den Creaturen Gottes umgehen.

Denn die Welt könnte mit all ihrer Weisheit und Kunst nicht einen Brosamen machen, wenn’s nicht aus dem innern verborgenen Segen Gottes heraus wüchse. Wie oft werden die Creaturen Gottes mißbraucht zu Uebermuth, zur Sünde, zur Hoffart, zu Gottes Unehre, wider Gott! Darüber ängsten sich die Creaturen, und wollten gern die Eitelkeit los sein, weil sie den Sünden wider Willen dienen müssen, Röm. 8.

Darum, lieber Christ, hebe auch ein übriges Bröcklein auf, damit du deinem Nächsten dienest, und dein Segen auch andern zu gute komme, und andere aus deinem Brunnen trinken, und lebe auch also, daß auch nach deinem Tode ein Segen und Bröcklein überbliebe, die dem Armen und dem Gottesdienst zu Nutz kommen. Es sollte billig kein Christ sterben, der den Armen nicht ein Brosamlein aushöbe, und überließe, und den Gottesdienst dadurch befördern hülfe. Denn, solltest du dem Gott, der dich dein Leben lang ernähret hat, nicht wieder ein heiliges Brosamlein aufheben und geben? Also kannst du nach deinem Tode leben. Sammlet aber auch die geistlichen Brosamlein des göttlichen Worts auf, und lasset nichts umkommen, so werdet ihr an der Seele nicht darben. Weil man jetzt das Himmelsbrot verachtet, und gar mit Füßen tritt, so entzieht auch Gott das natürliche Brot und Nahrung. Es wird einmal eine geistliche und leibliche Theurung in’s Land kommen, wie im Propheten Amos am 8. gedroht wird, daß man nach einem geistlichen Brosamlein laufen wird, und wird’s nicht finden.

Denn, gleichwie Gott 3 Mose 26 drohet, er wolle den Himmel wie Eisen, und die Erde wie Erz machen, also wird der geistliche Himmel auch einmal zugeschlossen werden, und der Trost und Gottes Wort wird uns entzogen werden, weil wir’s so gar müde sind.

5. Das Bekenntniß des Glaubens

Da nun die Leute das Zeichen sahen, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Das ist ihr Glaube, und das Bekenntniß ihres Glaubens, und Christi Erkenntniß aus Gottes Wort. Denn es war ihnen die Weissagung 5 Mose 18 bekannt: Einen Propheten wie mich wird der Herr aus euern Brüdern erwecken. Also sollen wir Christum aus seinen Werken erkennen, und auf die Schrift Acht haben, wie sie von ihm zeuget. Das ist unsers Glaubens Fundament und Grund, und darin stehet das ewige Leben, Joh. 17. Sie wollen ihn zum Könige machen; aber Christus sollte die weltliche Krone nicht tragen, als ein weltlicher König, sondern eine Dornenkrone, damit er uns die Krone der Ehre erwürbe, die er uns an jenem Tage geben und aufsetzen wird. Es sollen ihn auch nicht Menschen zum Könige machen, sondern Gott Hat ihn zum Könige gesalbet. Die Könige, so von Menschen erwählet werden, sind nicht ewige Könige; des Herrn Christi Krone ist keine vergängliche goldene Krone, sondern sie ist im 8. Psalm beschrieben: Mit Ehre und Schmuck hast du ihn gekrönet. Im 110. Psalm: Setze dich zu meiner Rechten; und Philipper 2 lesen wir, daß sein Name über alle Namen. Lernet auch hier, daß sich Niemand zum König machen soll durch unrechtmäßige Gewalt, oder das Regiment an sich reißen. Denn das Volk hat nicht Macht gehabt einen König zu wählen und zu salben. Ursach, sie hatten den Kaiser zum Herrn, wie ’sie selbst sagen: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Deswegen wäre es ein Aufruhr gewesen, wenn sie einen König erwählet hätten. Alle Gewalt ist nicht recht; denn Gewalt und Recht sind wider einander. Gewalt gehet über Recht, sagt der Prophet, darum gehen verkehrte Urtheile. Darum lasset uns den alten König behalten, das alte Regiment, und den alten Katechismus in der Auslegung des vierten Gebots und der vierten Bitte im Vaterunser. Bedenket, was St. Paulus spricht: Die der Obrigkeit widerstreben, die widerstreben Gottes Ordnung. Bedenkt dies Wort: Widerstreben, was es bedeutet, und was es in sich begreift! Und auf wievielerlei Weise das Widerstreben geschieht! Das ist eure Wunde, die muß man angreifen, soll man sie heilen. Werdet ihr die Wunde nicht durch Gottes Wort und den Gehorsam heilen lassen, so wird eine Zeit kommen, daß euch diese Wunde in euerm Gewissen und in eurer Seele wehe thun wird. Wir wollen schließen mit dem 146. Psalm: Der Herr ist König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für, Hallelujah! Amen. –

August 31, 2019

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