Arnd, Johann – Passionspredigten – Neunundzwanzigste Predigt.

Portrait Arnd

Johann. am 12. Cap. spricht der Herr: Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibet es alleine, wo es aber erstirbet, so bring es viel Früchte. Mit diesem schönen Gleichniß, so aus der Natur genommen, beweiset der Herr erstlich die fröhliche und wunderbarliche Auferstehung der Todten, welche uns Gott der Herr durch jedes kleine geringe Sämlein vor die Augen stellet, welches nach seiner Verwesung und Verfallung seines ersten Leibes nicht allein wieder grünt, sondern überdies viel Früchte mit sich bringet und sich nach Absterben seines ersten Leibes vermehret. Thut nun dasselbe Gott der Herr an einem kleinen Sämlein, sollte er’s nicht vielmehr an einem Menschen thun?

2. Ist wohl zu merken, daß sich der Herr einem Weizenkörnlein vergleichet, ohne Zweifel aus sonderbaren Ursachen, weil er durch sein Leiden und Sterben unser rechtes Brot des Lebens werden sollte. Wie er sich selbst nennet Johann. am 6. Cap. Denn gleichwie unser natürlicher Leib durch’s Brot gestärket und erhalten wird in’s natürliche Leben, also unsere Seele durch Christum in’s, ewige Leben. Darum nennt er sich das Brot des Lebens und das lebendige Brot, in welchem das ewige Leben ist. Wie er spricht: Mein Fleisch giebt der Welt das Leben.

3. Deutet uns der Herr mit diesem Gleichniß die Frucht und Kraft seiner fröhlichen Auferstehung an, daß er nicht allein für sich selbst auferstehen werde, sondern seine Auferstehung werde so kräftig und fruchtbar sein, daß durch dieselbe alle Menschen am jüngsten Tage werden lebendig werden. Und die Gläubigen werden als ein reiner Weizen mit ihm in die himmlische Scheuer gesammelt, die Gottlosen aber als Unkraut und Spreu von dem reinen Weizen abgesondert mit ewigem Feuer verbrannt werden. Von diesen herrlichen Früchten der fröhlichen Auferstehung Christi unsers Herrn weissaget der Prophet ferner und erzählet fünferlei Früchte.

1. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer geben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben, da die Gläubigen genennet werden ein Same des Todes und der Auferstehung des Herrn.

2. Und des Herrn Vornehmen wird durch seine Hand fortgehen. Das ist das Werk der Erlösung und der Sammlung der Kirche.

3. Darum, daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben. Der Herr wird an seinen gläubigen Kindern seinen Wohlgefallen haben.

4. Und durch sein Erkenntniß wird er, mein Knecht, der Gerechte, viel gerecht machen; denn er träger ihre Sünde. Die herrliche Frucht der Auferstehung Christi ist unsre Gerechtigkeit

5. Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben. Wie ein Siegesfürst nach gelieferter Schlacht und erhaltenem Sieg, so sollen ihm die Feinde zum Schemel seiner Füße geleget werden.

6. Den Beschluß, woher solch herrlicher Sieg und Wohlthaten kommen: Darum, daß er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Uebelthätern gleich gerechnet ist, so soll er nun herrlich werden nach seiner Auferstehung, weil er vieler Sünde getragen, soll er vieler Gerechtigkeit sein, aller Gläubigen nämlich. Und weil er für die Uebelthäter gebeten, soll er ein ewiger Hoherpriester sein und ein ewiges Hohenpriesterthum haben.

Von den Früchten der Auferstehung des Herrn.

I. Die erste Frucht.

Erstlich werden alle gläubigen Christen allhier ein Same Christi genennet, darum daß sie geistlicher Weise aus Christo geboren sind durch den Glauben. Wie St. Petrus 1. am 1. Cap. sagt, daß wir neu geboren sind zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi. Das giebt uns eine schöne Lehre von der neuen Geburt. Die neue Geburt aber ist, wenn wir durch den Glauben an Christum Vergebung der Sünden und die ewige Gerechtigkeit erlangen wider unsre Sünde und Ungerechtigkeit, und das ewige Leben wider den ewigen Tod, und mit dem heiligen Geist begabet werden, der uns erneuert und ein heilig Leben in uns wirket; denn der freilich ist neugeboren, der aus einem Sünder gerecht, und aus einem Verfluchten ein Gesegneter wird, aus dem ewigen Tode in’s ewige Leben versetzt ist, und diese neue Geburt rühret her aus dem Tode und der Auferstehung Christi. Dieser edle Same wäre nicht hervorkommen, wenn das Weizenkörnlein nicht erstorben, und wieder lebendig worden wäre. Hierbei muß es aber nicht bleiben, sondern wir müssen auch in der neuen Geburt leben in Christo und Christus in uns; wir müssen das alte adamische, fleischliche Leben fahren, und den neuen Adam, welcher ist Christus, in uns leben lassen, und das neue edle Leben Christi an uns nehmen, seine heilige Demuth und Sanftmut!), so sind wir ein rechter Same Christi, aus Christo geboren, wenn wir sein Leben an uns nehmen. Sonst wird er sagen, ich kenne euch nicht. Davon sagt der 22. Psalm: Er wird einen Samen haben, der ihm dienet. Eph. 4: Erneuert euch im Geiste eures Gemüths.

II. Die zweite Frucht.

Die andre Frucht der Auferstehung des Herrn ist: Des Herrn Vornehmen wird durch seine Hand fortgehen. Der Prophet nennet unsern Herrn einen Knecht Gottes. Wie nun eines Herrn Werk durch den Knecht, sonderlich durch einen getreuen und fleißigen Knecht, fortgehet, also auch hier. Gottes Werk und Vornehmen ist das Werk der Erlösung, daß Christus der Schlange den Kopf zertreten und des Teufels Reich zerstören, und uns aus dem Reiche des Teufels erlösen soll, und die Versammlung der Kirche zum Reich Gottes, zur ewigen Seligkeit, Das hat durch keines andern Menschen Hand und Arbeit geschehen können, denn durch Christi Tod und Auferstehung. Dadurch ist Sünde, Tod, Teufel und Hölle überwunden, welches freilich des Herrn Werk ist und keines Menschen Werk; und nach der Auferstehung Christi ist des Herrn Werk fortgegangen, nämlich die Bekehrung der Heiden durch’s Evangelium. Denn in aller Welt ist Buße und Vergebung der Sünden geprediget. 2. So ist die wahre Erkenntniß Gottes in alle Welt ausgebreitet durch die Auferstehung Christi, und dadurch des Teufels Reich zerstöret, welches er durch Lügen und Abgötterei gestiftet. Gleich als da Daniel aus der Löwengrube errettet, in aller Welt die Erkenntniß des Wortes Gottes ausgebreitet wurde, daß Daniels Gott der gerechte wäre, wie auch durch die drei Männer im feurigen Ofen Gottes Werk ausgebreitet ward, also durch die Auferstehung Christi unsers Herrn. Daraus haben wir zu lernen, wie Gott durch Christum beschlossen hat uns selig zu machen, aus lauter Gnade und Barmherzigkeit. Es ist des Herrn Werk und keines Menschen Werk, Psalm 22.: Man wird kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird, daß er’s thut. Jes. 9: Solches wird thun der Eifer des Herrn Zebaoth. Dafür sollen wir Gott in Ewigkeit danken, und ihm die Ehre allein geben.

III. Die dritte Frucht

Darum daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen, und die Fülle haben. Hier ist erstlich zu bedenken die Arbeit der Seele Christi für uns. Es war eine lautere, geistliche Seelennoth, darin wir staken, dazu keine leibliche Arbeit. Simson that leibliche Arbeit, da er die Philister schlug und müde ward, daß er schier vor Durstes gestorben; desgleichen David. Aber Christi Seele hat für uns arbeiten, mit dem Teufel kämpfen, mit dem Tode ringen, mit der Hölle streiten, mit aller Menschen Sünde kriegen, und zu Felde liegen müssen mit dem Zorn Gottes, und mit dem Fluch ringen; welche Seelenarbeit kein Mensch ausdenken kann, wie er Jes. 43. spricht: Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und Mühe mit deiner Missethat. Ich, ich tilge deine Sünde. Und am 63: Ich trete die Kelter des Zornes Gottes alleine, und ist Niemand bei mir, sondern meine Kraft erhält mich, mein Arm muß mich stärken. Wie hat Christi Seele für uns gearbeitet? Mit kräftigem Gebet in Erduldung der großen Schmach, mit großer Sanftmuth und Ueberwindung großer Verachtung durch so heilige Demuth, in Ausstehung solcher innerlichen und äußerlichen Schmerzen, durch so hohe Geduld. So hat seine Seele gearbeitet unsere arme Seele zu erlösen. Darum hat er seine arme Seele für unser aller Seelen gegeben, auf daß er unsere Seelen gläubig und selig machte. Darum wird er nun seine Lust sehen, und die Fülle haben. Und wie er zuvor sagte in seiner Seelenarbeit: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod, und fing an zu trauern, zu zittern und zu zagen, das war die Arbeit seiner Seele, also saget er nun in, 16. Psalm: Für die Heiligen, so auf Erden sind und für die Herrlichen; an denen habe ich all mein Wohlgefallen; für welche meine Seele gearbeitet hat, darum freuet sich mein Herz und meine Ehre ist fröhlich. Daß er auch hier spricht: Er wird die Fülle haben, damit stehet er aus das Füllopfer des alten Testaments, welches nicht allein die Vollkommenheit des Verdienstes Christi bedeutet, sondern die Fülle der Heiden, die an der Juden Statt angenommen sind. Dieweil sich das jüdische Volk an Christo geärgert, wird solcher Abfall durch die Fülle der Heiden erstattet werden, Jes. 60: Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret und die Macht der Heiden zu dir kommt,

IV. Die vierte Frucht.

Und durch sein Erkenntniß wird er, mein Knecht, der Gerechte, viel gerecht machen; denn er trägt ihre Sunde. Hier haben wir die schöne Frucht der Auferstehung Christi, welche heißet: Gerechtigkeit. Die folget nothwendig, wie der Prophet spricht, Jes. 11: Wenn dem Verderben gesteuert und die Sünden hinweggenommen wird, so kommt die Gerechtigkeit überschwenglich. Weil nun durch den Tod Christi die Sünde bezahlet und getilget ist, so muß durch die Auferstehung Christi überschwengliche Gerechtigkeit kommen, und viel mehr Gerechtigkeit, denn zuvor Sünden waren; denn Christi Tod und Auferstehung ist mächtiger und stärker, als die Sünde. Denn das Weizenkörnlein stirbet zwar allein, aber es stehet nicht allein wieder auf, sondern bringt hernach viel mehr Früchte.

Und wir haben hier zu lernen, worin unsere Gerechtigkeit stehe, nämlich darin, daß Christus unsere Sünde getragen hat. Denn es kann Niemand vor Gott gerecht werden, seine Sünden müssen zuvor hinweggenommen sein. Und das ist auch die wahre Erkenntniß Christi, darin unsre Gerechtigkeit stehet, daß Christus unsere Sünde getragen, hinweggenommen, und durch Wegnehmen unsrer Sünde uns gerecht gemacht hat, wie durch Wegnehmen der Krankheit einer gesund gemacht wird. Ach, das ist eine herrliche Erkenntniß Christi, davon Johannes am 17. stehet: Das ist das ewige Leben. Christus nimmt von uns, was unser ist, nämlich die Sünde, und schenkt uns was sein ist, nämlich die Gerechtigkeit, Philipp. 3. Nicht meine Gerechtigkeit, sondern, die dem Glauben zugerechnet wird.

V. Die fünfte Frucht.

Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, verstehe die Menge der Heiden, und er soll die Starken zum Raube haben, die mächtigen Könige und Völker, so er als einen Raub aus des Teufels Rachen gerissen hat, ja auch die Starken, als unsre Feinde, Tod und Teufel, sollen sein Raub sein, daß er sie im Triumph gefangen führen soll, Col. 2. Gleichwie Josua dir fünf Könige gefangen führet, also Christus Sünde, Tod, Teufel, Hölle und die Welt, Psalm 110. Daraus sollen wir diesen Trost fassen, daß dieser Sieg uns erworben sei. Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn, Jesum Christum. Amen. Also sieget Christus noch in uns, und überwindet noch täglich in uns diese mächtigen Feinde, Röm. 8: In dem Allen überwinden wir weit um des willen, der uns geliebet hat.

Woher kommt nun dieser herrliche Sieg? Daher, daß er sein Leben in den Tod gegeben hat. Dies ist die Stärke des Todes Christi, dadurch die Sünde bezahlet ist. Weil nun das Fundament und der Grund umgerissen ist, darauf Tod und Teufel ihre Macht gebauet hatten, nämlich die Sünde, so haben sie nun auch keine Macht, sondern sind kraftlos. 2. Weil er den Uebelthätern gleich gerechnet ist, so hat er alle Uebelthat des menschlichen Geschlechts ausgesöhnet, daß Allen, die solches glauben, die Missethat nicht zugerechnet wird, Psalm 32. – 3. Weil er vieler Sünde getragen als ein Fluch, auf welchen man die Sünde des ganzen Volkes leget, so hat auch der Fluch über alle Menschen keine Statt mehr. Weil er für die Uebelthäter gebeten, die ihn gekreuziget haben, so hat er durch diese hohe Sanftmuth den Zorn Gottes gestillet und von allen Menschen abgewandt; denn sie sind die Uebelthäter, die ihn gekreuziget haben. Und hat uns Alle durch seine vollkommene Liebe, damit er uns als seine Feinde und Mörder geliebet, Gott geheiliget und versöhnet als der rechte Hohepriester, welcher ein ewiges Priesterthum hat, Psalm 110: Du bist ein Priester ewiglich, darum bittet er für uns noch allezeit. Lernet nun allhier in einer Summa, daß des Herrn Christi Leiden und Tod zweierlei Früchte in euch Allen wirken soll: Den Glauben, daß ihr wider alle eure Sünde, Tod, Teufel und Hölle in Christo allein und in keinem Andern Hülfe, Rath, Trost und Arznei suchet, und ungezweifelt glaubet, daß ihr durch ihn Vergebung aller eurer Sünden habt, denn durch ihn seid ihr vollkömmlich gerecht und selig gemacht; und daß ihr ja eure Sünde nicht größer achtet, denn Christi Verdienst, und hinwieder Christi Verdienst ja nicht geringer achtet denn aller Welt Sünde. Es ist aller Welt Sünde durch ihn vollkömmlich bezahlet. Für’s Andre soll Christi Leiden und Sterben in euch ein neues Leben wirken. Denn hier saget der Prophet: Er hat sein Leben für uns in den Tod gegeben. O, der großen Liebe! Ach, laß doch diese Liebe Christi in dir die Liebe wirken. 3. Er ist den Uebelthätern gleich gerechnet. Ach, der großen Geduld! Ach, laß doch diese Geduld in dir auch Geduld wirken! 4. Er hat vieler Sünde getragen als ein Fluch und Fegeopfer aller Welt. O, des großen Gehorsams und Demuth! Ach, laß doch diesen unschuldigen, heiligen, Gehorsam und Demuth auch in dir Gehorsam und Demuth wirken! 5. Er hat für die Uebelthäter gebeten. O, der großen Sanftmuth! Christus hat für die gebeten, die ihn ermordet haben. O, der großen Sanftmuth! Ach, laß doch die Sanftmuth Christi in dir auch Sanftmuth wirken! Siehe, so wird das Leiden, Sterben und Auferstehung Christi in dir viel Frucht bringen, und das edle Weizenkörnlein in dir wachsen in die Frucht des ewigen Lebens. –

August 31, 2019

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