Arnd, Johann – Passionspredigten – Sechsundzwanzigste Predigt.

Apostelgesch. 8 lesen wir also: Der Engel des Herrn redete zu Philippo und sprach: Stehe auf und gehe gegen Mittag auf die Straßen; und er stand auf und ging hin und siehe, ein Mann aus Mohrenland, welcher war über alle ihre Schatzkammern, war kommen gen Jerusalem anzubeten, und zog wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaias. Der Geist aber sprach zu Philippo: Gehe hinzu bei diesen Wagen. Da lief Philippus hinzu und höret, daß er den Propheten Jesaias las und sprach: Verstehest du auch, was du liesest? Er sprach: Wie kann ich, so mich Niemand anleitet, und bat Philippum, daß er sich zu ihm auf den Wagen setzte. Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser: Er ist wie ein Schaf zur Schlachtbank geführet; und wie ein Lamm verstummet vor seinem Scheerer, also hat er seinen Mund nicht aufgethan. Wer wird aber seines Lebens Länge ausreden? Da sprach der Kämmerer zu Philippo: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet, von ihm selber oder von einem Andern? Philippus aber fing von dieser Schrift an und prediget ihm das Evangelium von Jesu Christo. Der Kämmerer sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist, und ließ sich taufen.

Aus dieser Historie lernen wir, daß dies 53. Capitel des Jesaias von Jesu Christo, dem wahren Messias und ewigen Sohn Gottes und von seinen Wohlthaten zu verstehen ist, wie denn auch die heiligen Evangelisten in der Historie der Passion solches anziehen, darum uns dasselbe als ein besonderes Kleinod und als eine sonderliche Stärkung und gewisser Grund unsers Glaubens lieb und werth sein soll. Denn es ist im ganzen alten Testament keine deutlichere und hellere Weissagung vom Leiden Christi, als der 22. Psalm und dies 53. Cap. im Jesaia.

2. Hören wir hier, daß durch dies Capitel ein heidnischer Mann, der Kämmerer der Königin aus Mohrenland zum christlichen Glauben bekehret worden ist, welches eine herrliche Frucht des Leidens Christi ist. Und ist erfüllet, was in diesem Capitel stehet, daß er viel Heiden besprengen und durch seine Erkenntniß Viele gerecht machen werde.

Darum wollen wir jetzo hören, wie der Prophet Jesaias das Leiden Christi uns vor die Augen unsers Herzens und Glaubens stellet.

Es begreift aber dies Capitel vier vornehme Hauptstücke. Das erste ist: Eine Beschreibung der Person und des Berufs, auch der kläglichen, traurigen und erbärmlichen Gestalt des gekreuzigten Christus, daran sich die Juden geärgert haben. Das andre ist: Eine Beschreibung der Ursachen, warum Christus unser Herr gelitten habe und wie geduldig. Fürwahr er trug unsre Krankheit.

Das dritte ist: Eine Beschreibung der Früchte seines Todes und seines Begräbnisses.

Das vierte ist: Eine Weissagung von seiner fröhlichen Auferstehung und den herrlichen Früchten derselben; um welcher herrlichen Früchte willen seine Seele gearbeitet hat.

Von der Person und dem Amte Jesu Christi. Die Beschreibung der Person und des Amtes unseres Erlösers stehet in vier Punkten:

Der erste Punkt.

1. Siehe, mein Knecht wird weislich thun und wird erhöhet und sehr hoch erhaben sein. Diese Worte hat Gott der Vater durch den Mund des Propheten selbst geredet, darum redet der Prophet in der Person Gottes des himmlischen Vaters, und lehret uns hiermit, daß Christus unser Herr von Gott seinem himmlischen Vater zu diesem heiligen und hohen Amte der Erlösung des menschlichen Geschlechts verordnet sei. Denn er spricht: Siehe, mein Knecht. Da zeiget uns der Vater seinen Sohn mit Fingern, als wollte er sprechen: Dieser soll euer Erlöser sein, kein Andrer. In keinem Andern sollet ihr euer Heil suchen. Mein Knecht, spricht er, da beschreibet er die Person nach ihrer menschlichen Natur. Ob er wohl wahrer Gott war, saget St, Paulus, Philipp. am 2. nahm er doch Knechtes Gestalt an sich. Dies Wort: Mein Knecht, begreift erstlich in sich den heiligen Beruf Christi, und Gottes Verordnung und Rath. Wie St. Petrus sagt: Er ist aus göttlichem Rath dazu versehen. ‚Daraus haben wir diesen Trost zu fassen, daß unsre Erlösung Gottes Werk und Gottes Rath gewesen ist. 2. Begreift dies Wörtlein, Knecht, in sich den Stand der ganzen und allertiefsten Erniedrigung unsers Erlösers. Ich meine, ja, er ist im Stand seiner Niedrigung ein armer Knecht gewesen. Ich meine, ja, sein Vater hat ihm eine harte und saure Arbeit auferlegt. Darüber klaget er Jes. 43.: Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und Mühe in deiner Missethat. Sein Vorbild sind die leibeigenen Knechte gewesen, die man verkaufte und in der Arbeit schlug. Er ist verkauft, sagt der Prophet Sacharja 11: Der Gerechte, welchen sie kauften von den Kindern Israel um 30 Silberlinge. Dadurch ist er als ein Knecht zu dieser Arbeit erkauft und dazu in dieser Arbeit hart geschlagen worden. Im Gesetz Mosis hat Gott geboten: Wenn du deinen Knecht schlagest, sollst du ihn nicht bis auf’s Blut stäupen, daß er nicht scheußlich sehe vor dem Herrn. Ach, lieber Gott, wie ist dieser arme Knecht geschlagen und so scheußlich zugerichtet! Matth. 12 spricht dieser arme Knecht: Des Menschen Sohn ist nicht kommen, daß er sich dienen lasse.

Wie wird’s denn diesem armen Knecht ferner gehen? Er wird erhöhet und sehr erhaben sein. Wie denn, und auf welche Weise? Am hohen Kreuz, das wird seine Erhöhung auf Erden sein im Stande seiner Erniedrigung, wenn er seinem himmlischen Vater den höchsten Gehorsam leisten wird. Der vollkommenste Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes ist dieses armen Knechtes Erhöhung. Wäre die Erhöhung, oder vielmehr die Erniedrigung am Kreuz nicht geschehen, so wäre die Erhöhung im Himmel zur rechten Hand Gottes nicht geschehen. Was nützet uns denn diese Erhöhung am Kreuz? Joh. 12: Wenn ich nun erhöhet werde, so will ich sie Alle zu mir ziehen. Joh. 3: Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, u. s. w.

Was ist aber diese Erhöhung vor Gott? Ist es eine Thorheit, gleichwie vor der Welt? O nein, es ist die höchste Weisheit. Darum wird mein Knecht weislich thun, indem er also am Kreuz erhöhet wird. Dadurch wird Gott versöhnet, die Sünde bezahlet, und der Teufel überwunden; nämlich durch dies aufgerichtete Panier und Siegeszeichen des Kreuzes. Das ist die höchste Weisheit, durch’s Kreuz siegen und in die Herrlichkeit eingehen. Adam, der ungerechte Knecht Gottes that sehr unweislich, daß er durch seinen Ungehorsam Gottes Gebot übertrat, dadurch er viel Sünder gemacht und so großen Jammer angerichtet hat. Dieser gerechte Knecht Gottes hat sehr weislich gethan, daß er durch seinen Gehorsam viel Gerechte gemacht hat.

Der andre Punkt.

Was hat nun diese Erlösung für ein Ansehen bei den Ungläubigen? Daß sich Viele an dir ärgern werden, weil seine Gestalt häßlicher ist denn andrer Leute, und sein Ansehen denn der Menschen Kinder. Ach, du Schönster unter den Menschenkindern, du bist darum der Schönste, weil du keine eigene Sünde hast, die dich ungestalt machet. Sind nicht deine Augen röthlicher denn Wein, deine Zähne weißer denn Milch, deine Gestalt röthlicher denn Korallen, wie der Erzvater Jacob und der Prophet Jeremias sagen? Wie ist denn deine Gestalt häßlicher denn andrer Leute? Ja, spricht er: Meine Gestalt ist verfallen vor Trauren und ist alt worden, denn ich allenthalben geängstet werde, inwendig und auswendig, vom Teufel und Menschen. Ach, wenn Gott einen züchtiget um der Sünde willen, so wird seine Gestalt verzehret wie von Motten. Unsre Sünden haben ihn so ungestalt gemacht. Sollte ich mich denn an seiner Gestalt ärgern? Ach nein, lieb soll ich den gekreuzigten, ungestalten Christum haben; denn dadurch hat er mir die schöne Gestalt des Bildes Gottes erworben und die himmlische Verklärung.

Der dritte Punkt.

Werden sich denn alle Menschen an ihm ärgern und ihn verwerfen? Nein. Aber also wird er viel Heiden besprengen, daß auch Könige werden ihren Mund gegen ihn zuhalten. Denn welchen nichts davon verkündiget ist, dieselben werden’s mit Lust sehen, und die nichts davon gehöret haben, die werden’s merken.

Weil sich die Juden an ihm ärgern werden, so wird er viel Heiden besprengen. Der Prophet stehet auf die jüdischen Ceremonien des Gesetzes, da Moses das Blut des Opfers in ein Becken nahm und das Volk mit einem Büschel Ysop besprengete und sprach: Dies ist das Blut des Bundes, so der Herr dein Gott mit dir gemacht hat. Christus ist das rechte Opfer am Kreuz, und sein Blut ist durch den Ysop des Evangelii über die Heiden gesprenget, wie die Epistel an die Hebräer am 12. spricht: Ihr seid kommen zur Besprengung des heiligen Blutes. Darum bittet David: Besprenge mich, Herr, mit Ysop, daß ich rein werde. Dies ist nun das Blut des Bundes und ewigen Testaments, das Gott mit uns gemacht hat, welches ewige Testament und Gnadenbund durch den Tod Christi bestätiget ist. Wird aber diese Besprengung der Heiden durch weltliche Gewalt verhindert werden können, daß das Evangelium nicht über alle Heiden gesprenget werden sollte? Nein, denn es werden Könige ihren Mund gegen ihn zuhalten, das ist, sie werden Christo nicht widersprechen dürfen; sie werden sich vor dem gekreuzigten Christus fürchten, vor ihm demüthigen, und seine Gewalt und Majestät anbeten, wie Kaiser Constantinus und andre mehr.

Daraus lernen wir, daß keine äußerliche Gewalt das Evangelium wird können ausrotten; verfolgen können sie es wohl, aber nicht ausrotten. So lasset euch nun weisen, ihr Könige, und lasset euch züchtigen, ihr Richter auf Erden, dienet dem Herrn mit Furcht.

So wird gleichwohl der gekreuzigte Christus noch Statt und Raum finden unter den Heiden? Oja. Denn, welchen nichts davon verkündiget ist, dieselben werden’s mit Luft sehen, und die nichts davon gehöret haben, die werdens merken.

Ach, die armen Heiden, die hatten ja noch nie vom Messias und Erlöser der Welt gehöret, wie die Juden, darum freueten sie sich dieser fröhlichen Botschaft. Mit welcher großen Freude die Heiden den armen gekreuzigten Christum angenommen haben, bezeuget die Apostelgeschichte und die Historien der Märtyrer, die meist bekehrte Heiden gewesen sind. Denen ist’s eine große Freude gewesen um Christi willen zu sterben, und ihn mit ihrem Blute zu bekennen. Ach, wollte Gott, daß wir auch unsre Lust und einige Freude am gekreuzigten Christus hätten!

Der vierte Punkt.

Wie wird aber bei den Juden der gekreuzigte Christus willkommen sein? Aber, wer glaubet unsrer Predigt, und wem wird der Arm des Herrn offenbaret? Das ist eine Klage des heiligen Propheten über den Unglauben und die Verstockung der Juden; so ist’s den Aposteln auch gegangen zu ihrer Zeit. Die Juden haben die Predigt von dem gekreuzigten Christus nicht leiden, und nicht hören wollen, daß derselbe der Arm des Herrn sei, das ist, ein allmächtiger Gottes Sohn und ein wahrer Gott. Was, sagen sie, sollte der ein wahrer Gott sein, der am Kreuze stirbt? Er helfe ihm sei der und steige herab vom Kreuz, so wollen wir’s glauben; denn er hat gesagt, ich bin Gottes Sohn.

Ach Herr Gott, hätte uns der Arm des Herrn nicht erlöset, das ist, eine solche Person, die Gott und Mensch ist, so wären wir wohl unerlöset blieben in Ewigkeit.

Gottes Arm heißet in der Schrift, Gottes Gewalt, Stärke, Sieg und Kraft, und bedeutet hier den Herrn Jesum Christum, welcher im Fleisch gelitten und nach der ewigen Gottheit in der schwachen Menschheit Christi seine Stärke, Gewalt, Kraft und Sieg über Sünde, Tod, Teufel und Hölle bewiesen. Ach, selig ist der Mensch, welchem der Arm des Herrn geoffenbaret wird, daß er glaubet und erkennet, daß Christus in der Schwachheit am Kreuz die größte Stärke geübt hat über das mächtige Reich der Sünden und des Teufels, da Gott durch kein ander Mittel hat versöhnet werden wollen und können, denn durch den Gehorsam seines Sohnes. Ach, wer glaubet unsrer Predigt, und wem wird dieser Arm des Herrn geoffenbaret, daß Christus durch sein Leiden und Tod, Sünde, Tod, Teufel, Hölle und Welt überwunden? Und daß, wer ein Christ sein will, in Christo siegen muß, das ist, durch Christi Demuth, Sanftmuth, Geduld und Kreuz die Welt überwinden, die Welt und ihre Herrlichkeit verschmähen, der Welt absagen, in dem demüthigen Leben Christi wandeln, sich selbst verleugnen, sein eigen Leben hassen und vor der Welt Christi Schmach tragen? Aus welchen Ursachen aber hat sich das jüdische Volk also an ihm geärgert?

1. Denn er schießt auf vor ihm, vor dem jüdischen Volk, wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich, Das ist, er hat kein Ansehen vor dem jüdischen Volk wegen seiner Geburt und geringen Ankunft, wegen seiner leiblichen Eltern. Was ist doch die elende Magd Maria, die ihn geboren hat? Was ist doch Joseph, sein Pflegvater, der Zimmermann? Darum vergleichet der Prophet seine Geburt und Ankunft einem Reislein, welches aus einem dürren Erdreich aufschießet, und aus einer alten Wurzel ausschlägt. Solche Reiser pflegt man wegzuwerfen. Aber, o Gott, was ist der verachtete, gekreuzigte Christus für ein edles, gerechtes Gewächs Davids gewesen, für ein edles Sprößlein aus der Wurzel Jesse? Auf ihm hat geruhet der Geist des Herrn. Er ist der lebendige Weinstock, der am Kreuz geblühet und edle Weintrauben getragen hat und den edelsten rothen Wein, der unser Herz erquicket und erfreuet.

Wie kommt’s denn, daß die Juden das nicht erkannt? Ach, sie haben ihn nur mit leiblichen Augen angesehen und nicht mit den Augen des Glaubens; darum sprechen sie: Er hat keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

2. Das ist wegen seiner Armuth. Da doch der Prophet Sacharja am 9. saget: Er kommt arm; denn durch Gold und Silber hätte er uns nicht können erlösen.

Und die Weltkinder wollen auch jetzo noch einen stattlichen, prächtigen Christum haben, dem sie nachfolgen können in Pracht und Hoffart; aber dem demüthigen, niedrigen Christo will Niemand folgen. Ja, wenn man den Herrn Christum allein mit leiblichen, stolzen Augen anstehet, so ist er freilich arm; aber wenn wir ihn mit den Augen des Glaubens ansehen, so hat er die allerschönste Gestalt, auch am Kreuz. Denn siehe an seine Liebe, seinen Gehorsam und seine Geduld und Sanftmuth in seinem Leiden. Ist das nicht eine schöne Gestalt vor allen gläubigen Augen? Siehe an die Ursach, warum er leidet, so wird seine klägliche, häßliche Gestalt schön. Ach, Herr Jesu, wenn du nicht so eine klägliche, häßliche Gestalt um meiner Sünde willen an dich genommen hättest, so wärest du mir nicht schön in meinem Herzen. Diese deine traurige Gestalt ist meine höchste Schönheit.

Ei, sagen die Juden, was sollen wir mit einem so häßlichen Messias? Er war ja der Allerverachtetste und Unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit; er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg. Darum haben wir sein nichts geachtet. Sollte ein solcher der Messias sein? Ja, das ist wohl also vor den Augen der Welt und vor den stolzen Weltkindern, vor den Ungläubigen; aber sage mir, was ist die Ursach dieser äußersten Verachtung, dergleichen nie eine Creatur auf Erden getragen hat? Antwort: Der Fluch, den er getragen hat am Holz ist die Ursach, wie geschrieben steht: Verflucht sei, der am Holze stirbet.

Der Fluch bringet solche Verachtung mit sich, daß ein Mensch ein solcher Greuel wird, daß man die Augen davor zudecket und davor erschrickt. Voll Schmerzen und Krankheit ist er gewesen, daß Jedermann davor gegrauset, das ist der Fluch. Er ist über seinen ganzen Leib, vom Haupt bis auf die Fußsohlen blutig, zerrissen, gegeißelt, voller Striemen, voller Wehklagen. Auswendig peinigen ihn die Schmerzen, inwendig bricht ihm die Schmach sein Herz und kränket ihn. Wenn wir nun diesen verachteten Christus mit den Augen des Glaubens ansehen, so werden wir uns nicht an ihm ärgern, oder die Augen vor ihm zuhalten, wie die Juden, sondern ihn desto lieber haben, weil er den schrecklichen ewigen Fluch von uns auf sich genommen und denselben in einen ewigen Segen verwandelt hat. Wenn der Sohn Gottes diese äußerste Verachtung nicht erlitten hätte, so hätten wir in Ewigkeit allem Fleisch ein Greuel sein müssen. Darum hat Christus unsre Hoffart also büßen müssen, daß der Mensch Gott seine Ehre geraubet und Gott hat gleich sein wollen. Für diesen Ehrenraub hat Christus die äußerste Schmach und Verachtung leiden und ein Fluch werden müssen. Solch ein Greuel ist die Hoffart vor Gott. Siehe, lieber Mensch, du willst hoch, herrlich, prächtig und von Jedermann in der Welt geehret sein, und kannst nicht die geringste Verachtung leiden, und der Herr Christus hat müssen um deiner Hoffart willen ein Wurm werden, ein Spott der Leute, Verachtung des Volks, daß Alle, die ihn gesehen, das Maul aufgesperret und den Kopf geschüttelt haben. Wahrlich, du bist in deiner Hoffart vor Gott und allen heiligen Engeln ein Greuel. Wenn du die Schmach und Verachtung Christi und den elenden Wurm am Kreuz ansiehest, sollst du erschrecken vor aller Hoffart, und wenn du nun um Christi willen auch Verachtung leiden sollst, so sollst du mit Moses die Schmach Christi höher achten, denn alle Schätze Egyptens.

August 31, 2019

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