Arnd, Johann – Passionspredigten – Siebente Predigt.

2. Mose am 4. lesen wir, daß der Mann Gottes Moses aus Gottes Befehl, aus dem Lande Midian, dahin er geflohen und daselbst Weib und Kind erlanget, habe wieder in Egypten ziehen müssen, die Kinder Israel auszuführen, und habe sein Weib und seine Söhne mit sich genommen. Es sei ihm aber der Herr unterwegs in der Herberge entgegen gekommen und habe ihn tödten wollen, weil er seines Weibes halber seine Söhne nicht hatte beschneiden dürfen, weil sie nicht eine Jüdin, sondern eine Midianitin war. Weil aber das Weib gesehen, daß sie ihren Herrn darüber verlieren sollte, habe sie ihren Sohn genommen und beschnitten und ihrem Manne seine Füße eingerühret mit dem Blute. Da habe der Herr von ihm abgelassen. Und sie habe zu Mose gesagt: du bist mir ein Blutbräutigam um der Beschneidung willen.

Einen solchen Blutbräutigam haben wir an unserm Herrn Jesu Christo, welcher sich aus brünstiger, unaussprechlicher Liebe mit uns also vermählet hat, daß er sich nicht gescheuet sein Blut uns zum Pfande seiner herzlichen Liebe zu geben, sich mit seinem Blute mit uns zu verbinden und zu vermählen, ja sich für uns über seinen ganzen Leib geißeln zu lassen, daß wir ja diesen unsern Blutbräutigam anschauen sollten, wozu ihn seine Liebe bewogen, wie groß seine Liebe gegen uns, was er um unsrer Liebe willen gelitten, auf daß er uns zur herzlichen Gegenliebe bewege und unsre getreue Liebe gegen ihn durch sein Blut, Wunden und Striemen erwecke, anzünde und gleichsam in Herz und Seele schreibe und drücke.

Siehe ihn nun an, wie schön ist er, dein Blutbräutigam, nicht zwar auswendig, sondern inwendig wegen seiner großen getreuen Liebe, und laß dir seine blutigen Striemen das Herz bewegen und ein Spiegel seiner Liebe sein, ja, daß du durch das Anschauen seiner Liebe aus seinen Wunden durch den Glauben saugest und trinkest und in seiner Liebe trunken werdest, wie er voll ist deiner Liebe, wie St. Augustinus sagt: durch diese Wunden kann ich schmecken, wie freundlich der Herr ist. Wir wollen auf diesmal fünf folgende Stücke handeln:

  1. Von der Geißelung des Herrn.
  2. Vom Purpurkleid des Herrn.
  3. Von der Krone des Herrn.
  4. Von der Darstellung des Herrn.
  5. Von der Verdammung des Herrn.

I. Von der Geißelung des Herrn.

5. Mose im 25. Kap. wird geboten, daß die Gottlosen vor Gericht, und ungehorsame Knechte gegeißelt werden sollten. Dahin auch unser lieber Herr stehet Lucä im 12. Kap.: Ein Knecht, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen gethan, der wird viel Streiche leiden müssen. Ach, lieber Gott, wir sind nun die ungehorsamen Knechte und wissen Gottes Willen wohl, thun aber denselben nicht allein nicht, sondern thun über das Gute, das wir unterlassen, noch viel Böses und widerstreben dem heiligen Willen Gottes ganz freventlich. Daher sind wir doppelter Schläge werth. Darum hat auch der Herr so viel Schläge erleiden müssen in seiner Geißelung, zur Bezahlung unsers Ungehorsams, und was wir über den Ungehorsam noch für Frevel wider Gott thun.

Darum durfte es dabei nicht bleiben, daß man nach jüdischer Geißelung, da den Verbrechern nach dem Gesetz nur Vierzig Streiche gegeben wurden, auf daß sie nicht scheußlich aussähen, sondern nach römischer Geißelung den Herrn geißelte, welche an einer Säule geschah, ohne alle Barmherzigkeit, da man die Streiche nicht zählete, sondern den ganzen Leib voller Striemen schlug. Nach derselben ist der Herr gegeißelt worden, und nicht von einem oder zweien, sondern von der ganzen Rotte, da ein jeder auf’s greulichste, bis er müde worden, den Herrn gegeißelt hat, bis sein ganzer Leib voller Wunden und Striemen geschlagen war.

Komm nur her, mein lieber Christ, und siehe diese schreckliche greuliche Geißelung an. Ist er nicht um deines Ungehorsams willen also gegeißelt? Dein Ungehorsam hat ihn also gegeißelt. Da stehest du also mitten unter der gottlosen Rotte und hilfest peitschen auf den unschuldigen Herrn. Er leidet’s aber geduldig, auf daß er deinen Ungehorsam büße, und dich von der höllischen Geißel erlöse, da die böse Rotte der leidigen Teufel alle Verdammten nicht mit Peitschen, sondern mit Schlangen und Scorpionen, ja mit Feuerflammen peitschen und geißeln werden.

Siehe, warum sich der Herr also geißeln ließ, und wovon er dich erlöset. Danke ihm für seine Liebe und treue Erlösung. Aber wie man ihm danket, das höret man an dem Fluchen und Gotteslästerungen. Alle Flucher und Gotteslästerer, die geißeln den Herrn und peitschen ihn auf’s Neue, und da kann nichts denn der Fluch draus folgen. Verflucht, sagt Moses, sei, wer seinem Gott fluchet! Verflucht sei, wer Vater und Mutter schlägt! Sollte es nicht vielmehr so heißen: Verflucht sei, wer seinem Erlöser flucht, und ihn schlägt?

2. Die bußfertigen und reuigen Herzen aber haben allhier zu ihrem Trost zu merken, daß der Herr unsere Krankheit getragen, und unsere Schmerzen als eine große Last und Bürde auf sich geladen hat. Und weil an uns gar nichts Gutes ist, wie im Propheten Jesaia am 1. stehet: Vom Haupt bis auf die Fußsohle ist nichts Gesundes an uns, sondern Wunden, Striemen und Eiterbeulen, so nicht geheftet, noch verbunden, noch mit Oel gelindert sind, so hat Christus seinen ganzen Leib verwunden lassen, auf daß er die zahllosen Sündenwunden, die uns der Teufel geschlagen, heilete, und von uns die Rache des Grimmes und Zornes Gottes abwendete.

Kommet her, ihr wollüstigen Menschen, die ihr eure Glieder zur Ueppigkeit und fleischlichen Lust brauchet, und die Sünde in eurem sterblichen Leibe herrschen lasset, sehet, diese Geißel hättet ihr verdienet, und dieser heilige unschuldige Leib muß dieselbe leiden mit großen Schmerzen. Lernet durch den Geist Gottes die Lüste des Fleisches dämpfen, und tröstet euch der Geißelung Christi.

Ihr leidtragenden Kreuzbrüder, nehmet auch das väterliche Rüthlein Gottes, damit er euch in Gnaden züchtiget, geduldig auf, und danket eurem Erlöser, daß er Gottes Zornruthe auf sich genommen und von euch abgewandt hat, und betet: Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm! Sehet, das hat Christus für euch gelitten, und euch dafür ein gnädiges Vaterrüthlein gegeben.

II. Vom Purpurkleid des Herrn.

Dies Kleid ist dem Herrn zur Schmach angeleget, weil er sagte: er wäre ein König. Denn Purpur pflegen die Könige zu tragen. Unsre ersten Eltern hatten das rechte königliche Kleid der Unschuld und Gerechtigkeit verloren, darum muß Christus zu Hohn und Schmach gekleidet werden, nicht allein mit einem weißen Kleide, welches ein priesterlich Kleid war, sondern auch mit einem rothen Purpurkleide, welches ein königlich Kleid war, auf daß er uns das priesterliche und königliche Kleid wieder erwürbe. Also sind seine schmählichen Kleider unsre Ehrenkleider worden. Hohelied 5 singet die Braut Christi: Mein Freund ist weiß und roth, auserkoren unter viel Tausenden. Da ist nicht allein seine Unschuld durch die weiße Farbe angedeutet, und seine Heiligkeit, ebenso, daß er um unsertwillen blutrünstig gemacht und voll Wunden geschlagen ist, sondern es ist auch damit angedeutet, daß er ein Hoherpriester und König sei, und auch uns in diese seine Kleider verkleiden, und uns damit zieren werde, wie Jesaiä am 63. siehet.

Und gleichwie man den königlichen Purpur machet und färbet mit dem Blut des Purpurwürmleins, also hat Christus unser Herr, das rechte Blutwürmlein, wie er sich im 22. Psalm nennet, uns mit seinem Blute bekleiden, und den rechten königlichen Purpur schenken und anlegen wollen. Man sagt, daß die Purpurfarbe nicht befleckt werde, sondern immer schön bleibe, und daher der schönste Schmuck sei: also ist auch der rechte Purpur des Blutes Christi nicht allein ganz unbefleckt, sondern er reiniget uns auch von unsern blutrothen Sünden, Jesaia 1: Wenn eure Sünden gleich blutroth wären, sollen sie doch schneeweiß werden. Christi Blut ist unser rechter Purpur und königliches Ehrenkleid, damit wir über alle güldene Stück und Edelgestein geschmücket sind, wie solcher unser Brautschmuck im 45. Psalm beschrieben ist.

Der Gnadenstuhl mußte in Purpur eingewickelt werden, wenn die Kinder Israel reiseten. Ich meine ja dieser unser lebendiger Gnadenstuhl, Christus unser Herr, ist in dem rothen Purpur seines heiligen Blutes eingewickelt, wie St. Paulus sagt Röm. 3: Welchen uns Gott hat vorgestellet zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut.

Siehe zu, daß du deine Seele in diesen rothen Purpur einwickelst, wenn du nach dem ewigen Vaterland reisest!

III. Von der Krone des Herrn.

Welch einen greulichen Hohn und Spott erdenket der Teufel wider Christum mit der Dornenkrone, damit dem Herrn nicht allein sein Königreich auf das allerspöttlichste aufgerückt wird, sondern auch sein gebenedeites Haupt verwundet, zerrissen und zerstochen wird, damit ja vom Haupt bis auf die Fußsohle nichts Gesundes am heiligen Leibe des Herrn bliebe. Adam hatte unserm lieben Gotte nach seiner Krone gegriffen, und Gott sein wollen, das muß der andre Adam mit seiner Dornenkrone büßen.

Adam hatte sich und uns die Ehrenkrone verloren, und das ewige Reich, das muß der andre Adam mit einer Dornenkrone wieder erwerben.

Gott hatte uns zu einem schönen Gewächs gepflanzet, zu einem Lustgarten seiner göttlichen Gnade und Liebe gemacht, und siehe, wir sind durch die Sünde zu Dornen und Disteln worden. Wie der Prophet Micha die Menschenkinder am 7. Cap. beschreibet: Der Beste unter ihnen ist wie ein Dorn, und der Redlichste wie eine Hecke, und gehörten demnach als Unkraut und Dornen in’s ewige Feuer. Da muß Christus kommen, und die Dornenkrone tragen zur Strafe, auf daß er uns vom ewigen Feuer erlöse, und uns wieder zu fruchtbaren Bäumen und Pflanzen des Paradieses mache.

Die Sünde war unsre Schandkrone worden, ja der Teufel selbst, ja wir wären mit ewigen höllischen Feuerflammen gekrönet worden, die Teufel hätten uns mit höllischen Schlangen und Scorpionen gekrönet. Da muß Christus kommen und uns mit der Marter der Dornenkrone erlösen und uns wieder zu einer schönen Krone Gottes machen, wie der Prophet Jesaias am 62. Cap. sagt: Du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des Herrn, und ein königlicher Hut in der Hand deines Gottes.

Durch Christi Dornenkrone ist uns auch erworben die Gnadenkrone, wie der 103. Psalm sagt: Der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Dadurch ist die Krone der Gerechtigkeit und des Lebens erworben, wie St. Paulus sagt: Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit. Und: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.

Diese Dornenkrone des Erlösers soll dich auch bewegen zur Demuth und Geduld. Zur Demuth also: Siehe, wie die Menschenkinder prangen mit ihren Häuptern, beide, Manns- und Weibspersonen wollen güldene und perlene Kronen auf ihren Häuptern tragen, und ist der Hoffart kein Ende. Ach, siehe doch die Dornenkrone deines Erlösers an, und schäme dich doch solche Pracht auf deinem Haupt zu tragen, weil dein Herr Christus um deinetwillen eine Dornenkrone getragen. Siehe, wie hat dein Herr Christus deinen Uebermuth mit so großen Schmerzen und Schmach seiner Dornenkrone zahlen müssen.

Zur Geduld sollst du durch die Dornenkrone deines Erlösers bewogen werden, wenn du auch mit Dornen und Disteln der falschen Zungen, der Lügner und Verleumder gekrönet wirst, wie denn falsche Zungen viel mehr stechen denn Dornen und Disteln. So tröste dich, daß dein Herr Christus auch hat müssen um deinetwillen mit Dornen gekrönet werden, aber hernach ist er mit Ehren und Schmuck gekrönet worden, wie der 8. Psalm spricht; also mußt du seinem Ebenbilde auch gleich werden, mit einer Dornenkrone, auf daß du demselben zu seiner Zeit auch gleich werdest mit einer Ehrenkrone.

IV. Von der Darstellung des Herrn.

Also ging Jesus hinaus und trug ein Purpurkleid und eine Dornenkrone, und Pilatus spricht: Sehet, welch ein Mensch! Aus welchen Worten des Pilatus abzunehmen, welch eine erbärmliche, jämmerliche und klägliche Gestalt der Herr an sich gehabt haben muß. Wie davon der Prophet Jesaias am 53. Cap. geweissaget hat: Es werden sich viel an ihm ärgern, weil seine Gestalt häßlicher ist denn anderer Leute, und sein Ansehen denn der Menschenkinder. Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg, darum haben wir ihn nichts geachtet.

Ach Adam, du hast wollen Gott gleich sein! Wie Gott der Herr spricht: Siehe, Adam ist worden als unser einer. Siehe, Adam, diesen Mann an, der deine Sünde büßet!

Ach, wir hatten das schöne Bild Gottes verloren, die schöne Gestalt, da unsere Angesichter schön gewesen wie der Engel Angesichter, wie die Cherubim, darum hat sich Christus müssen so jämmerlich zurichten lassen. Ach, du Schönster unter den Menschenkindern, von holdseligen Lippen, wie hast du nun eine so jämmerliche Gestalt! Ach Gott, wenn du einen züchtigest um der Sünde willen, so wird seine Schöne verzehret wie von Motten, Psalm 39.

Der Herr Christus sagt zu seiner Braut im Hohenlied Salomonis: Zeige mir deine schöne Gestalt, denn deine Stimme ist lieblich und deine Gestalt ist schön. Ach, auf daß wir gar schöne werden vor deinen Augen, bist du so kläglich worden; auf daß du uns die ewige Schönheit vor Gott erwürbest, ist deine Gestalt so häßlich worden, Psalm 16: Das Loos ist mir gefallen auf’s Liebliche, mir ist ein schön Erbtheil worden. Psalm 45: Des Königs Tochter ist ganz herrlich inwendig. Ach, drücke diese klägliche Gestalt in dein Herz als ein Siegel, so wird deine Seele davon schön werden.

Auswendig stehet mein lieber Bräutigam so häßlich nach fleischlichen Augen, aber, wie ist er so schön, wenn ich ihn mit geistlichen Augen ansehe! Da sehe ich eitel Liebe, eitel Demuth, eitel Gnade, eitel Unschuld, eitel Gerechtigkeit. Also ist die liebe Braut des Herrn auswendig auch gar schwarz, da hat sie die Sonne verbrannt, aber schön ist sie inwendig im Glauben mit Christi Gerechtigkeit geschmücket.

Ach, mein himmlischer Vater, siehe doch diesen elenden Menschen an, und vergieb mir um seinetwillen alle meine Sünde! Ach, Vater, siehe doch diesen elenden Menschen an, und zürne nicht mit mir! Ach, mein himmlischer Vater, siehe diesen deinen Sohn an, und verschone meiner, daß du mich nicht zu hart schlägst und angreifest!

Wenn dich aber deine Sünden anklagen und peinigen, so sprich zu denselbigen: sehet, welch ein Mensch; und zeige ihnen deinen Herrn Christum, welchen deine Sünde also zugerichtet hat. Kommt Tod, Teufel, Hölle und Verdammniß, führe sie her zu deinem Herrn Christo und sprich: sehet, welch ein Mensch! dieser wird dir Tod, Teufel und Hölle antworten, den habt ihr also zugerichtet, deßwegen gestehe ich euch nichts.

Komm her, du böse Welt mit deiner argen List, fleischlichen Lust und hoffärtigem Leben, siehe, welch ein Mensch! Kommt her, alle Hoffärtigen und Wollüstigen, besehet euch in diesem Spiegel, und lernet euch schämen. Wollet ihr aber euch nicht bessern, so wird der Teufel einmal alle Hoffärtigen und Wollüstigen mit ewigem Herzeleid, Jammer und Qual erfüllen, und wird euch sagen: sehet, welch ein Mensch! Siehe, was aus deiner Pracht und Wollust geworden ist!

Endlich bedenke die Person, so dastehet in solcher kläglichen Gestalt. Ist er nicht Gottes Sohn? Der Allerheiligste, der Allerschönste, der Glanz der Herrlichkeit Gottes? Siehe, ist das nicht eine tiefe Erniedrigung und Gehorsam? Das ist ein Spiegel der Demuth, Liebe und des Gehorsams. Da möchte man wohl zu allen Menschen und Engeln sagen: sehet, welch ein Mensch, darüber sich alle Engel im Himmel verwundern.

V. Von der Verdammung des Herrn.

Das ist Gottes Gericht, so über diesen unschuldigen Menschen gehet. Nämlich das schreckliche Urtheil Gottes und die Vollziehung, da Gott zu Adam sprach: Du sollst des Todes sterben. Das Urtheil vollzieht Pilatus in diesem öffentlichen, peinlichen Halsgericht. Gott lässet’s über ihn halten durch die höchste Gewalt auf Erden, und Christus lässet’s willig und geduldig über sich sprechen und vollziehen, dieweil er an unser Statt getreten war vor das höchste Gericht auf Erden, auf daß er uns erlöse von dem gestrengen Urtheil des ewigen Todes. Ach, wie‘ dringen auf dies Urtheil des Todes, daß es an uns vollbracht werden sollte, Sünde, Tod und Teufel, in hohen Anfechtungen unsers Gewissens; und in Todesnoth wird dies Urtheil Gottes, so er über alle Menschen gesprochen, in unsern Gewissen heftig und sehr geschärft, dawider wir keinen andern Trost haben, denn daß Christus vor einem öffentlichen, peinlichen Halsgericht, als vor Gottes Gericht, dies Urtheil des Todes über sich hat ergehen und sprechen lassen an unsrer Statt, auf daß wir davon befreit sein, und nicht in’s schreckliche Gericht Gottes kommen sollten, sondern des Herrn Christi Verdammung soll unsere Absolution und Lossprechung sein. Ihm ist das Verdammungs- und Todesurtheil gesprochen durch’s Gesetz, denn Gottes Gesetz hat ihn verdammet, dem Gesetz mußte Genüge geschehen durch den Tod und durch nichts Anderes, Weil nun dasselbe durch Christum geschehen ist, so kommt das Evangelium und bringet uns die Freisprechung, das Urtheil der Lossprechung durch Vergebung und Bezahlung unsrer Sünde. Und nun muß das Gesetz in unserm Gewissen aufhören und abstehen von seiner peinlichen Anklage und dem Urtheil des Todes.

Wir bitten demnach den gerechten Richter, die höchste Obrigkeit im Himmel, er wolle unsere Ankläger mit ihrer Klage abweisen, als unser Gewissen, und das Gesetz, und den Teufel; denn unser Herr Christus hat sie ja klaglos gemacht er hat ja das Urtheil des Todes über sich gehen lassen, als selbstschuldig, und wenn sie uns gleich noch anklagen, so gestehen wir ihrer Klage nichts, sie haben kein Recht mehr klagen, und wissen, daß Gott ein gerechter Richter ist, der nicht zweimal die Strafe und die Zahlung fordern wird. –

August 31, 2019

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