Arnd, Johann – Passionspredigten – Zwölfte Predigt.

Richter am 15. Capitel lesen wir, daß der starke Held Simson sich von seinen Brüdern williglich habe binden lassen mit neuen Stricken, und sich in die Hände der Philister habe überantworten lassen, weil Simson’s Freundschaft es dafür hielt, sie könnten die Feinde aus dem Lande nicht los werden, sie übergäben ihn denn in ihre Hände, und baten ihn, er wollte sich doch übergeben lassen, damit die Feinde sie nicht also verderbeten.

Simson willigte ein, und ließ sich binden, und als die Philister sahen, daß man ihn gebunden daher führete, von dem Felsen, darin er wohnete, jauchzeten sie über ihn, und da er die Feinde jauchzen hörete, gerieth der Geist Gottes über ihn, und die Stricke zerrissen an seinen Händen, und als er keine Wehre hatte, damit er die Feinde schlagen könnte, ergriff er einen faulen Eselskinnbacken, und schlug damit tausend Mann und sprach: Da liegen sie bei Haufen; durch eines Esels Kinnbacken habe ich tausend Mann geschlagen; und verwunderte sich selbst darüber. Es kommt ihn aber in der Schlacht ein großer Durst an, daß ihn deuchte, er müßte Durstes sterben, und betete, und sprach: Herr, du hast solch großes Heil gegeben durch die Hand deines Knechts; nun aber muß ich Durstes sterben. Da spaltete der Herr einen Zahn in dem Eselskinnbacken, und sprang Wasser heraus, und ward ein Brunnen davon, und Simson trank, und nennet den Brunnen des Anrufers Brunnen.

Dies ist ein denkwürdiges Vorbild des himmlischen Simson, unsers Herrn Jesu Christi, welcher sich nicht allein von seinen Brüdern williglich binden, sondern mit Händen und Füßen annageln ließ. Dadurch hat er gestritten wider unsere Feinde, und sie mit Haufen erleget, ist aber darüber matt und durstig worden, daß er darüber klaget: Mich dürstet. Und ob er wohl mit Essig ist getränket worden, so hat ihn doch Gott, sein himmlischer Vater, darnach erquicket mit Freuden vor seinem Angesicht; uns aber ist sein Leiden und Sterben ein Brünnlein worden, das in’s ewige Leben quillet.

Wir wollen nun von den übrigen drei Worten reden, so er am Kreuz geredet:

  1. Von seinem heiligen Durst.
  2. Von seinem: Es ist vollbracht.
  3. Von seinem letzten Wort am Kreuz, und von seinem heiligen Tode.

l. Das fünfte Wort: Mich dürstet.

Es ist hoch zu betrachten, daß der Herr Christus über keine leibliche Marter und Pein klaget am Kreuz, als allein über den Durst. Ueber zwei Dinge klaget er am Kreuz: Eines war die höchste Seelennoth, daß er von Gott verlassen war, darum rief er so laut: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Das Andere, darüber er klaget, ist sein Durst. Es ist aber nicht allein ein leiblicher Durst gewesen, sondern ein geistlicher Seelendurst und ein Liebesdurst.

1. Vom leiblichen Durst weiß man, daß die Sterbenden sehr dürsten, denn die Geisterlein des Lebens im Herzen begehren Erquickung und Erfrischung, und ängsten demnach das Herz mit Durst. So war es dem Herrn Christo auch, denn er sollte jetzo sterben, und war überdies ausgemattet; er war ausgeschüttet wie Wasser, alle seine Kräfte waren vertrocknet, sein Herz war in seinem Leibe wie zerschmolzen Wachs. Diesen leiblichen Durst hat er auch leiden müssen an seinem heiligen Herzen, auf daß er den Apfelbiß unserer ersten Eltern büßete, und die Wollust und Unmäßigkeit, und das schändliche Saufen, damit sich Mancher versündiget.

Bedenk aber hier, der Herr hat Essig trinken müssen in seinem großen Durst, damit er ja in dieser Welt keine Labung und Erquickung haben möchte. Er ist nicht eines Trunkes Wassers werth geachtet, sondern man hat ihm Essig und zwar nicht schlechten Essig, sondern einen bittern Essig, mit Ysop verbittert, zu trinken gegeben, sein Herz damit zu quälen. Das ist Alles die Bitterkeit unsrer Sünde gewesen, die ihn also gequälet, und die er hat in sich trinken müssen, darum, daß der Mensch das Unrecht in sich säufet wie Wasser, wie Hiob saget. Dafür hat der Herr diesen Durst leiden, und den bittern Trank trinken müssen.

2. Es ist aber dieses nicht allein ein leiblicher Durst gewesen, sondern ein geistlicher Seelendurst, welcher herrühret aus der Höllenangst und Pein, die Christus auch innerlich empfinden mußte.

Denn wie die Verdammten im höllischen Feuer mit Angst, Hitze und Durst gequälet werden, bezeuget der reiche Mann Lucas am 16. Cap., da er mit einem Tröpflein Wassers begehret seine Zunge zu kühlen. Von solchem höllischen, ewigen Durst hat uns Christus erlöset durch seinen Durst, so er leiblich und geistlich ausgestanden.

Ach, wir hatten das höllische Gift der alten Schlange in uns getrunken! Das hat der Herr Christus an sich gezogen und vertreiben wollen aus unserm Leibe und unsrer Seele, daher kommt ihm ein solcher heftiger Durst an.

Man saget, daß etlich Gift sei, wenn man’s empfähet, so machet’s einen großen Durst. Darum ein Hirsch, wenn er mit der Schlange kämpfet, und sie frisset, so bekommt er einen großen Durst, daß er nach dem Wasser schreiet, wie der 42. Psalm spricht: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser. Also hatte dieser frühe gejagte Hirsch und Hindin, wie ihn der Titel des 22. Psalms nennet, unser Sünden- und Schlangengift an sich gezogen, und die alte Schlange hatte ihn in die Ferse gestochen, als er derselben in seiner heiligen Passion den Kopf zertreten, und mit ihr heftig gekämpfet hat. Da hat er des Teufels Macht und Gift empfunden, und darüber einen so großen innerlichen Seelendurst empfangen, das ist Seelenangst und Pein, daß er Erquickung begehrete. Und hat denselben Seelendurst vollkömmlich ausgestanden, denn er hat keine Erquickung und Labsal erlanget, auf daß wir nicht in Ewigkeit damit gequälet würden.

3. Er hat aber auch diesen Seelendurst gerne ausgestanden, auf daß er uns ein Baum des Lebens würde, und er unsere durstige Seele tränke mit den reichen Gütern seines Hauses, und mit geistlicher Wollust als mit einem Strome, wie der 36. Psalm saget: Bei dir ist die lebendige Quelle, und in deinem Licht sehen wir das Licht.

Warum setzet der Prophet eine lebendige Quelle und ein Licht zusammen? Darum weil beides die Seele erfreuet, und der Herr Christus beides ist, unser Licht und unser Brunnen des Lebens, wie Offenbarung 21 stehet: Das Lämmlein Gottes wird sie weiden und führen zu dem lebendigen Wasserbrunnen. Wohlan Alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser des Lebens, sagt Jesaias am 55. Diesen Spruch wiederholet der Herr Johannes am 7.: Wen da dürstet, der komme zu mir, und trinke. Und: Wer an mich glaubt, von deß Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Und Gottes Wort ist zugleich eine Erquickung und Erleuchtung unsrer Seelen.

Ach, wollte Gott, daß nun der heilige Durst Christi am Kreuz, da ihm nach unsrer Seligkeit gedürstet hat, auch in uns einen heiligen Durst nach ihm erweckte und wirkte!

Seine Liebe ist sein Durst gewesen. Wollte Gott, wir hätten auch nach ihm einen solchen Liebesdurst, daß wir sagen könnten mit David aus dem 42. Psalm: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser u. s. w. Und im 63. Psalm: Meine Seele dürstet nach dir in einem trocknen und dürren Lande, da kein Wasser ist. Das ist, alles irdische, vergängliche Ding ist trostlos, und kann meine Seele nicht trösten und erquicken. Die unsterbliche Seele kann nirgend mit gesättiget und getränket werden, denn mit dem unsterblichen Gott, und nicht mit äußerlichem Trost. Daher der Herr spricht Joh. am 6.: Ich bin das Brot des Lebens. Wer von mir isset, wird nicht hungern, und wer von mir trinket, wird nimmermehr dürsten. Und Offenbarung am 21.: Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Der Durst Christi wirke in uns einen Liebesdurst nach ihm!

II. Das sechste Wort: Es ist vollbracht.

  1. Sein Leiden hat alles vollbracht.
  2. Die Schrift erfüllet und das Gesetz.
  3. Die vollkommene Bezahlung und Vollendung der Erlösung und Heiligung.

Erstlich hat der Herr Christus sein Leiden vollbracht. Er hat nichts mehr gewußt, das übrig wäre zu leiden, er hat an seinem Leibe Alles gelitten, an seiner Seele Alles, an seiner Ehre Alles, auf daß er uns mit Leib und Seele erlösete, und in die höchste Würde und Ehre wieder einsetzte. Hätte er noch etwas mehr gewußt zu leiden, er hätte es auch gerne gelitten. Darum ist sein Leiden vollkommen, ein vollkommenes Verdienst, welches St. Paulus zu den Röm. am 8. Cap. andeutet: Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschonet, das ist, mit keiner Strafe der Sünden verschonet, er hat alle Strafen der Sünden gelitten, für alle Strafen eines jeden Menschen. Darum saget der Apostel: Er hat sein Leben gegeben für uns Alle. Darum spricht er: Es ist nun vollbracht Alles, was ich leiden soll; ich weiß nichts mehr. Darum giebt er bald seinen Geist auf. Tröstet euch dieses vollkommenen Leidens des Herrn. Er hat für alle eure Sünden gelitten, groß und klein, wie sie immer sein können; es ist keine unbezahlet geblieben.

Gleichwie die Egypter alle im rothen Meere ersoffen, daß nicht einer davon kam, also sind alle unsere Sünden in dem rothen Meere des Blutes Christi ersoffen, und ist keine übrig geblieben, Micha 7: Er wird alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres werfen.

Zum Andern, so ist das Gesetz und die ganze Schrift erfüllet. Die Schrift mit ihren Weissagungen und Vorbildungen, die Wahrheit Gottes zu bestätigen, und unsern Glauben zu stärken; das Gesetz aber mit der Anforderung seines vollkommenen Gehorsams, mit seiner Vermaledeiung, mit vollkommener Geduld, Sanftmuth und Demuth, und Liebe Gottes und Menschen. Denn das ist das ganze Gesetz: Vollkommene Liebe Gottes und des Nächsten, und dieselbe sehen wir an Christo in seinem Leiden.

Wenn uns nun das Gesetz anklaget, verdammet und vermaledeiet, in unserm Gewissen uns ängstiget und bange macht, und gleichsam in uns lebendig wird mit seiner Vermaledeiung, so sollen wir uns deß trösten, daß Christus an unsrer Statt das Gesetz erfüllet hat, und sollen unsere Gewissen zu Christo weisen und zu seiner Genugthuung. Wie zu den Römern am 10. stehet: Christus ist des Gesetzes Ende, wer an den glaubt, der ist gerecht, oder, zur Seligkeit Allen, die an ihn glauben. Christus hat den Fluch des Gesetzes von uns auf sich genommen, daß wir davon erlöset und befreit sein sollen; und hat denselben in einen ewigen Segen verwandelt.

Zum Dritten, so ist’s Alles vollbracht, daß wir zu unsrer Erlösung und Seligkeit nichts mehr bedürfen, keines Menschen Werk oder Verdienst, sondern das Verdienst und der Tod Christi ist eine vollkommene Bezahlung und Vollendung der ganzen Erlösung und Heiligung, Hebr. 10: Er hat mit einem Opfer in Ewigkeit vollendet, die geheiliget werden, also, daß nun nimmermehr vonnöthen ist ein Opfer für die Sünde, oder eine andre Genugthuung für die Sünde. Denn wo Vergebung der Sünde ist, da ist hinführe nicht mehr noch ein Opfer für die Sünde. So wir denn nun haben, liebe Brüder, die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige, durch das Blut Jesu, welchen er uns zubereitet hat zum neuen und lebendigen Wege durch den Vorhang, das ist, durch sein Fleisch, und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes, so lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen, im völligen Glauben. Hebr. 10.

Im alten Testament war es also, daß täglich Opfer geschehen mußten für die Sünde. Aber das waren nur Vorbilder unsers Hohenpriesters, welches Opfer seines heiligen Leibes und Blutes das rechte Versöhnungsopfer war für unsere Sünde, das da ewiglich gilt. Daher er zu den Hebräern am 12. ein Anfänger und Vollender unsers Glaubens und unsrer Seligkeit genannt wird.

Darum sollen wir diesen Trost wohl fassen, sonderlich in Todesnoth, daß wir wissen, es ist nichts mehr noth zur Bezahlung für unsre Sünden. Sie sind alle hinweggenommen neben der ewigen Strafe und Pein, und wir bedürfen nichts mehr zu unsrer Seligkeit, denn daß wir uns in Christi vollkommenes Verdienst einwickeln durch den Glauben, und darin entschlafen. Das giebt ein fröhlich, ruhig Gewissen, einen sanften, stillen Tod und Schlaf, und rechte Seelenruhe. Da haben wir in Christo und in seinem Verdienst Ruhe gefunden für unsere Seele, und dürfen uns vor keiner Strafe mehr fürchten, denn wir gehen durch den Tod in’s Lehen, Johannes 5. Capitel,

III. Das siebente Wort: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und neigete das Haupt und verschied.

Dies ist das letzte Wort des Herrn am Kreuz, mit welchem er sein zeitlich und natürlich Leben beschlossen hat. Und ist ein seliger, heiliger und köstlicher Tod. Ein heiliger Tod ist: im Glauben und Gebet eingeschlafen. Ein seliger Tod: Gott dem himmlischen Vater seine Seele befehlen. Ein köstlicher Tod: um der Wahrheit, um des Bekenntnisses des wahren Gottes willen sterben. Also stirbt Christus um der ewigen Wahrheit willen, daß er Gottes Sohn und der wahre Messias sei.

Zum Ersten lehret uns nun hier der Herr Christus, wie wir selig sterben und abscheiden sollen, daß wir erstlich Gott unsern Vater im Herzen behalten; und wenn wir den Vater haben, so haben wir den Sohn auch, denn um des Sohnes willen und in dem Sohne ist er unser Vater. Und wenn wir von Herzen Vater sagen, so wirket dies Gebet in uns der heilige Geist, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater. So haben wir die heilige Dreifaltigkeit in unserm Herzen.

2. So gehöret zum seligen Stündlein, daß wir Gott unserm Vater und unserm Erlöser und unserm Heiligmacker unsere Seele befehlen, als unsern besten Schatz. Denn wenn die Seele wohl verwahret ist, so ist der Leib unverloren, und wenn der Seele wohl ist, so kann dem Leibe nicht übel sein. Ach, wie ist das ein großer Trost, daß unsre Seelen zu Gott kommen, zu unserm Herrn Jesu Christo. Wie St. Stephanus saget: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf. Und St. Paulus: Ich begehre aufgelöset und bei Christo zu sein. Das machet sanft und fröhlich und freudig sterben, darum soll ein Christ fröhlich, freudig und mit großer Begierde und Verlangen sterben, weil er zu Gott und Christo kommt. Denn obwohl Gott und Christus in uns und bei uns sind allezeit, so geschieht’s doch hier in einem dunkeln Spiegel, dort aber, saget St. Paulus, von Angesicht zu Angesicht. Darum soll ein Christ geduldig leben, und fröhlich sterben.

Zum Andern sollen wir wohl lernen die Frucht des Todes Christi. Erstlich, weil Christus unser Herr seine Seele in einem starken gewaltigen Glauben seinem Vater befohlen hat, so hat er alle gläubigen Seelen, die Gott für ihren Vater erkennen, und in Christo anrufen, in seinem Abschied, durch sein Gebet und starken Glauben, seinem himmlischen Vater befohlen. Denn Alles, was Christus gethan hat, ist uns zu gut geschehen, und alle gläubigen Seelen sind ihm geschenket. Wir sind sein und er ist unser, sein Gebet ist unser, sein Abschied ist unser. Darum hat er unsre Seele, wenn wir sterben, längst zuvor seinem himmlischen Vater befohlen. Und das zum Zeugniß nahm er die gläubige Seele des einen Schachers, so mit ihm gekreuziget ward, mit in’s Paradies; und wir lesen Joh. am 17. Cap., wie theuer Christus unser Herr in seinem herrlichen Gebete alle gläubigen Seelen Gott seinem himmlischen Vater befohlen hat. Darum sei getrost und fürchte dich nicht im Tode. Dein Herr Christus, dein Hoherpriester, hat deine Seele vorlangst, Gott dem himmlischen Vater kräftiglich befohlen.

2. Ist durch Christi Tod dein Tod in einen sanften Schlaf verwandelt, Jesaia 56: Sie kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern.

3. Die höchste, edelste und mächtigste Frucht aber des Todes Christi ist, daß er dadurch den ewigen Tod verschlungen, Hosea am 12.: Tod, ich will dir ein Gift sein. Jesaia 25: Der Herr wird den Tod verschlingen ewiglich, und alle unsere Thränen abwischen von unseren Augen. Hebr. 2: Er hat die Macht genommen dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist, dem Teufel und erlösete die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten.

Daher kommt’s nun, daß uns der Tod ein Schlaf wird, weil die Furcht und Schrecken des Todes und die Angst hinweg genommen. Denn der Stachel des Todes ist die Sünde, und die Kraft der Sünde ist das Gesetz.

Das ist die Macht des Todes, die weggenommen ist, darauf der sanfte Schlaf folget. Christus hat dem Tode die Macht genommen, und ein ewig unvergänglich Leben an’s Licht gebracht.

4. Die vierte Frucht des Todes Christi ist, daß das Testament Gottes, so in Vergebung der Sünden besteht, Jerem. am 31., bestätiget ist. Denn wie die Epistel an die Hebräer am 9. spricht: Wo ein Testament ist, da muß der Tod geschehen deß, der das Testament machet. Denn ein Testament wird fest durch den Tod, sonst hat es keine Kraft. Nun war das neue Testament also gemacht, daß uns Gott um Christi willen unsere Sünde vergeben, uns durch ihn gerecht machen und das ewige Leben geben wollte. Das hat Christus mit seinem Tode bestätigen müssen, darum ist’s nun ein ewiges Testament, Psalm 111: Er gedenket ewiglich an seinen Bund.

Und hat auch das Vorbild müssen erfüllet werden, daß das alte Testament mit Blut bestätiget worden ist, 2. Mose am 24. Cap. Denn Moses besprengete das Volk mit Blut des Opfers und sprach: Dies ist das Blut des Bundes oder Testaments, das euch Gott gegeben hat. Also hat das neue Testament mit Christi Blute bestätiget werden müssen, daher Christus im Abendmahl sein Blut nennet, das Blut des neuen Testaments, so für uns vergossen ist. Wie auch das Osterlämmlein gegen Abend geschlachtet werden mußte, also ist Christus gegen Abend am Kreuz gestorben, die Schrift zu erfüllen.

5. Die fünfte Frucht des Todes Christi ist, daß er in uns wirke die Tödtung unsers alten Adams, und Kreuzigung unsers Fleisches. Denn du mußt mit Christo sterben, der Sünde absterben, und von Herzen Buße thun, sonst kannst du der Frucht seines Todes nicht theilhaftig werden. Denn wer nicht will Buße thun, dem ist der Tod Christi nichts nütze. Thust du aber Buße, lebest in Reu und Leid über deine Sünde, tröstest dich in wahrem Glauben des Todes Christi, so ist dir alle deine Sünde vergeben, sie sei so groß wie sie wolle. Allein thue Buße und glaube an Christum.

Der heilige unschuldige Tod Christi tödte in uns alle bösen Lüste und Begierden, und heilige uns durch und durch an Leib, Geist und Seele, und schaffe in uns ein neues geistliches Leben, daß Christus in uns, und wir ewig in ihm leben mögen. Amen. –

August 31, 2019

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