Chemnitz, Martin – Predigt am Sonntage der heil. Dreifaltigkeit, genannt Trinitatis, über Joh. 3 (1—15).

Portrait Chemnitz

Auslegung des Evangelii.

Geliebte in Christo, dem Herrn! Das ist ein sonderlich hohes Fest, da gehandelt wird vom rechten Erkenntniss Gottes, so Viel uns Gott davon in seinem Worte geoffenbaret hat und uns zur Seligkeit zu wissen von Nöthen ist. Es wird aber grob also genannt Dreifaltigkeit, als wenn ein dreifältiger Gott oder Dreifaltigkeit in dem göttlichen Wesen wäre, da doch keine solche Dreifaltigkeit ist. Darum wäre es besser, man nennete es Dreieinigkeit oder Dreiheit), weil im göttlichen Wesen ein einiger Gott ist und doch drei unterschiedene Personen. Bei dieser Lehre ist’s nicht genug, dass wir Gott nennen, denn Das thun auch Juden und Heiden; sondern wir müssen unsern Glauben also gründen auf Gottes Wort und Gott recht also erkennen, wie er sich geoffenbaret hat, dass wir uns absondern von Juden, Türken und Heiden, die entweder viele Götter glauben, oder nur eine Person in der Gottheit bekennen; da doch wider Beides die Schrift uns anders berichtet, wie neben anderen Sprüchen auch aus diesem Text zu sehen, welcher einer ist von den fürnehmsten im neuen Testament. Denn Gott hatte im alten Testament zugesagt, dass, wenn der Messias werde in die Welt kommen, so wollte er ihm sein Wort in den Mund legen, und solches Wort sollte zu Jerusalem anfangen und von Sion ausgehen (Deut. 15. Esa. 2.). Derowegen hat auch der Evangelist Johannes mit sonderlichem Fleiss des Herrn Christi erste Predigt, die er bei der Nacht dem Nicodemo gethan, aufgeschrieben, darinnen mit schönen, lieblichen Worten zusammengezogen ist die Summa und der rechte Stern der Lehre im Evangelio von Vergebung der Sünden und von dem wahren, seligmachenden Glauben, dass also die Historie wohl werth ist, dass man sie fleissig höre und betrachte. Sie ist aber darum auf diesen Tag verordnet zu handeln, weil’s uns nicht frei steht, was und wie wir von Gott halten; denn es heisst Jer. am 10. Cap. Ps. 79, dass Gott seinen Zorn ausschüttet über die Heiden, die ihn nicht kennen; item Joh. 17: Das ist das ewige Leben, dass sie dich, Vater, dass du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen, und Joh. am 5. Cap.: Wer den Sohn nicht ehret, der ehret den Vater nicht, der ihn gesandt hat, 1. Joh. 5.: Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht; Esa. 53: Durch seine Erkenntniss wird er, mein Knecht, der Gerechte, viele Gerechte machen; Joh. 14: Die Welt kann den heiligen Geist nicht empfahen, denn sie siehet ihn nicht und kennt ihn nicht; und Röm. 8: Die den Geist Christi nicht haben, die sind nicht Christi und gehören ihm nicht an. Aus solchen und dergleichen Sprüchen erscheinet, wie Viel am rechten Erkenntniss Gottes gelegen sei. Wir sollen aber auch nicht scharf disputiren von dem göttlichen Wesen, sondern lernen Gott und die Personen der Gottheit erkennen, ehren und anrufen, aus und nach dem Artikel der Schöpfung, Erlösung und Heiligung, weil es sonst kein lebendig machendes Erkenntniss ist. Darum ist nun dieser Text verordnet, der uns recht und wohl dienen kann, nicht zum scharfen Disputiren, wie die Personen innerlich in ihrem Wesen unterschieden werden, sondern zu dem schlechten Erkenntniss Gottes aus den Artikeln des Glaubens.

Es stehet aber dieselbige Lehre in folgenden fünf Stücken:

  1. Erstlich, dass wahrhaftig ein Gott sei über alle Creaturen, der dies Alles regiert.
  2. Zum Andern, dass nicht viele Götter, sondern ein einiger Gott sei.
  3. Zum Dritten, dass in demselbigen einigen göttlichen Wesen drei Personen sein: Vater, Sohn und heiliger Geist.
  4. Zum Vierten, wie solche Personen zu unterscheiden.
  5. Und dann zum Fünften und Letzten, wie uns das Erkenntniss Gottes fürgehalten wird an seinen Werken im Artikel der Schöpfung, Erlösung und Heiligung, daraus wir es uns können desto besser zu Nutz machen.

Vom ersten Stück.

So ist nun Dieses der Grund, dass wir wissen sollen, es sei wahrhaftig ein Gott über alle Creaturen, der Alles erschaffen hat, Alles erhält und regiert, welches hier der Herr nicht weitläufig handelt; denn es war nicht noth, weil es Nicodemus wohl wusste, wie er bald im Anfang sagt: Du bist ein Lehrer, von Gott kommen. Und da rechte Christen sind, ist’s auch nicht von Nöthen, Viel davon zu reden, und wäre wohl gut, dass keine Leute wären in der Welt oder in der Christenheit, die daran zweifelten oder keines Gottes achteten. Es klagt aber gleichwohl der zehnte Psalm, dass der Gottlose in allen seinen Tücken Gott für Nichts hält; und der vierzehnte und drei und fünfzigste Psalm gleichfalls, dass die Thoren in ihren Herzen sprechen, es sei kein Gott. Ja, sagt Paulus, Titus im ersten Capitel: Wenn sie es gleich mit dem Munde bekennen, so halten sie es doch im Herzen nicht. Und im Buch der Weisheit am dreizehnten Capitel heisst es: Es sind alle Menschen natürlich eitel, so von Gott Nichts wissen, die auch daher gottlos genannt werden. Und ist fein von unserm lieben Luthero also gestellet und verdeutschet, als dass sie sind ohne Gott und ohne Christus wie die Heiden und entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, Eph. 2 und 4, dass, ob sie schon viele Götter hatten, so waren sie doch ohne Gott, weil sie den rechten, wahren Gott nicht erkannten. Dagegen aber geht die Schrift ganz in allen Blättern darauf, dass ein Gott sei. Ja, sagt Paulus Röm. 1, dass wahrhaftig ein Gott sei, merken die Heiden auch ohne Schrift aus den Werken der Schöpfung, wie Gott die Wasser misst mit der Faust und fasst den Himmel mit der Spanne und begreift die Erde mit einem Dreiling, Esa 40. Ein Tag sagt’s dem andern und eine Nacht thut’s kund der andern, Ps. 19. Und wenn du je nicht willst den Himmel ansehen (da doch dem Menschen ein aufgerichtet hohes Angesicht gegeben ist, den Himmel anzusehen), so frage das unvernünftige Vieh, sagt Job. Cap. 12, wie sich dasselbe mehren und erhalten wird. Siehe an die Vögel unter dem Himmel, die Lilien auf dem Felde, Laub und Gras, welches Alles zu erkennen giebt, dass ein Gott sei, der es erschaffen hat und erhält, Act. 14. Auch in uns selbst können wir es spüren, dass ein Gott sei, der uns so nahe ist, dass wir in ihm leben, sind und weben, (in der Apostelgeschichte am siebenzehnten Capitel) und nicht von uns selbst sind hergekommen. Denn wenn wir unser Wesen nicht von Gott hätten, wo wollten wir bleiben? Über Das bezeuget und lehret Dieses auch des Menschen eigen Gewissen und seine Gedanken, die ihn anklagen, Rom. 2. Ein Bub, Dieb oder Mörder, wenn er gleich noch so frech ist, so zittert er doch. Woher kommt’s? Antwort: Sein Gewissen, wenn es aufwacht, überzeuget ihn, dass ein Gott sei, der da strafen werde, wenn er schon der Obrigkeit entlaufe. Nun herwiederum, wer recht thut und gethan hat, wenn Dem gleich die ganze Welt zuwider ist, so trauet er doch Gott, wo nicht weiter, jedoch so fern, dass Gott dem Rechten werde beitreten. Also sehen wir, dass wir von allen Enden überzeugt werden, dass wahrhaftig ein Gott sei; welches dienet zur Warnung Denen, die da sagen Ps. 10. 94: Gott siehet’s nicht. Solche werden durch diese Lehre gewarnt, dass sie wissen sollen, es sei freilich ein Gott, der es sehe, auf dass sie sich hüten. Und die Epistel zu den Hebräern Cap. 11. spricht: Wer zu Gott kommen will, Der muss glauben, dass ein Gott sei.

Vom andern Stück.

Wenn wir nun Dess gewiss sind, dass wahrhaftig ein Gott ist, so müssen wir weiter lernen, dass auch nur ein einiger Gott ist und nicht viele Götter; welches der Herr hier auch nicht weitlauftig handelt, weil es Nicodemus wohl wusste, da er spricht: Du bist ein Lehrer von Gott gesandt. Denn da redet er als nur von einem einigen Gott, welches auch der Herr bestätiget damit, dass er sagt: Es sei denn, dass Jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen, item, nicht in’s Reich Gottes kommen, da er auch redet als nur von einem einigen Gott. Bei diesem Stücke haben die Heiden weit gefehlet, welche den wahren Gott nicht haben recht erkannt, auch nicht einen einigen Gott geglaubt, sondern, da sie ihren Gedanken gefolgt sind, haben sie viele Götter gehalten, ein jedes Volk und Land einen eigenen Gott, Jon. 1: Die Chaldäer das Feuer, die Aegypter einen Ochsen, ja die Juden selbst in der Wüste das güldene Kalb, danach den Baal, Astaroth, Moloch u. s. w., dass auch Jeremias klagt am andern Capitel: So manche Stadt, so manchen Gott hast du, Juda. Die Manichäer dichteten zween widerwärtige Götter, einen guten und einen bösen. Es warnet aber die Schrift, dass es nicht allein keine Götter sind, sondern auch der leidige Teufel selber, wie Moses Deut. 32. und David sagt im hundert und sechsten Psalm und lehret dagegen, dass nicht viele Götter sind, sondern nur ein Gott, neben dem ist kein anderer Gott, Esaiä am vier und vierzigsten Capitel: Vor ihm ist kein Gott gemacht; so wird auch nach ihm keiner sein (Esaias 43). Höre Israel, sagt Moses Deut. 6, der Herr unser Gott ist ein einiger Gott. Wie wir auch sagen: Wir glauben All an einen Gott. Zu den Ephesern am vierten Capitel: Wir haben nur einen einigen Gott. Der ist das einige göttliche Wesen, nicht sichtlich, sondern geistlich, das A und das O, der Anfang und das Ende, Apocal. 1, nicht ein Gedanke, dass wir so von ihm speculiren, sondern ein recht, selbstständig Wesen, das frei völlige Gewalt hat im Himmel und auf Erden. Da nun die Heiden viele Götter haben, so wissen wir doch nur von einem Gott und sondern uns mit solchem Bekenntniss von aller Heiden Aberglauben und Abgötterei. Wir sollen aber nicht allein mit Worten einen einigen Gott bekennen, sondern auch die Ehre, die demselbigen einigen Gott gebühret, keiner Creatur geben, Niemand anbeten, anrufen, noch vertrauen, ohne allein Gott. Denn wer die Heiligen oder andere Creaturen anbetet, der macht mehr Götter, als einen.

Vom dritten Stück.

Das ist aber noch nicht genug, ist auch noch keine vollkommene, selige Erkenntniss Gottes, wenn man weiss, dass nur ein einiger Gott sei. Denn auch nunmehr die Juden so Viel wissen, welche zwar vor dem babylonischen Gefängniss staken in gräulicher, heidnischer Abgötterei und hielten viele Götter, ehrten und beteten sie an. Aber durch dasselbige Gefängniss wurden sie gewitzigt als durch eine Strafe solcher Abgötterei, dass man danach von dergleichen Abgötterei nicht mehr lieset, wie sie auch jetzunder nur von einem einigen Gotte wollen wissen. Sie erkenneten aber den Sohn und heiligen Geist nicht als wahren Gott; denn die Decke Mosis hängt ihnen vor den Augen. Ist demnach Solches keine vollkommene Erkenntniss Gottes. Also auch die Türken kommen so weit, dass sie es nicht halten mit- den Heiden, die viele Götter glauben, sondern erkennen auch nur einen einigen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, und ist demnach eine unvollkommene Erkenntniss; denn sie nur eine Person in der Gottheit erkennen, daran es auch hier dem Nicodemus mangelt, welchen zwar der Herr dabei lässt, dass er glaubet, es sei nur ein Gott; weil er aber nicht wusste, dass in dem göttlichen Wesen mehr denn eine Person sei, so lehrt es ihn der Herr weitläufiger: Wir reden, das wir wissen. Da redet er von Vielen. Item, er nennet den heiligen Geist, item den Gott, der als ein Vater seinen Sohn in die Welt gesandt hat.

Dieselbe Lehre ist im alten Testamente nicht gar unbekannt gewesen, wie die Sprüche ausweisen, da deutlich und ausdrücklich mehr denn eine Person im göttlichen Wesen vermeldet werden, als Genes. 1. und 19., Hosea 1. und anderswo mehr. Aber im neuen Testament ist klärlicher offenbart, dass mehr denn eine und doch auch nicht mehr denn nur drei Personen sind in der Gottheit, und ist ihr Name Vater, Sohn und heiliger Geist, wie sonderlich in unserer Taufe Gott also genannt wird, nicht aber, wie die Ketzer fürgeben, die da sagen, es sei gleichwohl nur eine Person, die sich also nennet wegen mancherlei Ämter, die sie habe und führe, auch wegen mancherlei Wohlthat, die sie uns und allen Creaturen erzeiget, wie Einer ist ein Vater und zugleich auch ein Bürgermeister in der Stadt und seines Herrn und Fürsten Unterthan, und ist dennoch nicht mehr denn nur eine einige Person. Aber nicht also in der Gottheit; denn da ist unterschiedlich erklärt, wie man siehet bei der Taufe Christi am Jordan, da der Sohn Gottes im Wasser steht und lässt sich taufen, der Vater lässt sich hören vom Himmel mit einer Stimme: Dies ist mein lieber Sohn, zur Anzeigung, dass Vater und Sohn nicht eine Person sei, der heilige Geist erniederfähret in Taubenbild verkleidet, also dass der auch nicht ist die Person des Vaters, noch des Sohnes. Johannis am 14. Capitel spricht der Sohn: Ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben; item: Der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wird euch Alles lehren. Johannis am 15. Capitel: Wenn der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der wird zeugen von mir. Zu den Galatern am 4. Capitel: Gott hat gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen. Da werden ausdrücklich drei unterschiedliche Personen genannt: Vater, Sohn und heiliger Geist, auf welche Namen wir auch getauft sind. Und Deut. 6. wird unterschiedlich drei Mal gesagt: Der Herr, unser Gott, der Herr. Joh. 8: Wenn der Sohn und Vater zeugen, Das sind zweier Zeugnisse. 1. Joh. 5: Drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der heilige Geist. Und ist gleichwohl nur ein Gott, nicht, als wenn der Vater ein Stück wäre von der Gottheit, der Sohn auch eins, dessgleichen auch der heilige Geist, und brächten also die Drei eine völlige Gottheit zusammen; nein, sondern eine jede Person ist ein ganzer, völliger Gott, und doch nicht drei Götter, sondern nur ein Gott, Deut. 6: ein einiger Herr. Joh. am 10. Cap.: Ich und der Vater sind Eins. 1. Joh. 5: Die Drei sind Eins. So dürften wir nicht sagen, wenn die Schrift nicht also redete; Gott ist auch ein Licht, da Niemand kann hinkommen, 1. Tim. 6. Denn keine Vernunft kann Das begreifen, dass Ein soll Drei sein und Drei Ein, und der Text sagt hier, Nicodemus habe sich darüber alle Zeit verwundert, wie es zugehe.

Weil wir es denn nicht können ausdenken, wie Das sein könne, so sollen wir es einfältig gläuben, wie es die Schrift hat offenbaret, und wie die christliche Kirche davon redet, dass es sei ein einig göttlich Wesen und drei Personen, nicht drei Götter; sollen auch wissen, dass Juden und Türken, ob sie gleich fürgeben, sie beten den einigen, wahren Gott an, dennoch lügen und keinen wahren Gott haben; denn sie wollen weder den Sohn, noch den heiligen Geist haben. Und die Schrift sagt: Wer den Sohn nicht ehret, Der ehret auch den Vater nicht. Wer den Geist Christi nicht hat, Der gehöret ihm nicht an. Und Johannes sagt 1. Epist. Cap. 3: Daran erkennen wir, dass Gott in uns bleibt, an dem Geist, den er uns gegeben hat. Wer nun den Sohn und den heiligen Geist nicht für einen Gott hält, Der hat auch keinen Gott. Das ist das Dritte, dass in dem einigen, göttlichen Wesen drei Personen sein.

Vom vierten Stück.

Die vierte Lehre bei diesem Artikel ist davon, wie die drei Personen zu unterscheiden sein, wie die Schrift davon redet: Der Vater ist nicht der Sohn, der Sohn ist nicht der Vater, auch ist der Vater nicht geschaffen, noch geboren, ist auch nicht Mensch worden, er hat aber von Ewigkeit einen Sohn gezeugt, wie er im andern Psalm sagt: Heut hab‘ ich dich gezeuget. Der Sohn ist die andere Person in der Gottheit, nicht gemacht, noch geschaffen, sondern vom Vater von Ewigkeit her geboren, der hernach ist Mensch worden. Der heilige Geist ist die dritte Person in der Gottheit, nicht geschaffen, noch geboren, sondern der vom Vater und vom Sohne ausgeht; denn er ist der Geist des Sohnes Gottes, Johannis am 15. Capitel, zu den Galatern am Vierten. Wie ist der Sohn geboren? Wie ist der heilige Geist ausgegangen? Antwort: Es hat nicht die Meinung, wie etliche Schwärmer sagten, gleich als wenn ein Vater hat einen Sohn, und derselbige hat wieder einen Sohn, da also der Vater älter ist, und sind gleichwohl alle Drei eines menschlichen Wesens. Nein, hie nicht also. Wie geht’s denn zu? Was heisst geboren werden? Was heisst ausgehen? Antwort: Es heisst so Viel, dass der Sohn und heilige Geist, was anlangt das göttliche Wesen, Alles haben vom Vater und doch gleicher, allmächtiger, ewiger Gott sind mit dem Vater; wie es aber zugegangen sei, Das kann ich nicht ausdenken, auch nicht verstehen. Die Schrift redet mir so für: also rede ich ihr nach. Etliche haben’s wollen also erklären: Wie du deine Gedanken hast, oder wie dein Verstand worauf sinnet, und Worte bei dir tichtest und gleichsam gebierest, also habe Gott seinen Sohn durchs Wort geboren. Etliche haben zu solcher Erklärung genommen das Gleichniss von der Sonne, die hat ihr Wesen, Licht und Hitze, als drei unterschiedene Dinge, und ist doch nur eine Sonne. Item, von des Menschen Seele, die hat ihr Wesen, Leben und Bewegung, als auch drei unterschiedene Dinge, und ist doch nur eine Seele. Aber der alte Lehrer Irenäus sagt, dass daher seien viele Ketzereien entstanden. Der heilige Augustinus hat ein solch Gleichniss: Ein Mensch hat einen Verstand, Willen und Gedächtniss, als drei unterschiedene Dinge, die doch so hart und genau bei einander sind und mit einander verknüpft, als wenn’s nur eins wäre, wie es denn auch nur ein Mensch ist. Das können wir mit unserer Kraft nicht begreifen. Feuer hat Hitze und Licht, man kann’s aber nicht verstehen. Also heisst’s hie auch und viel mehr, dass wir es nicht können begreifen, sondern müssen’s gläuben und bleiben allein dabei, was uns Gott hat offenbaret. Gläuben wir Das nicht, so werden wir es auch nicht verstehen. Hie haben wir es in einem dunkeln Wort, in der himmlischen Schule werden wir mehr lernen und ersättigt werden, wie der 17. Psalm sagt, da werden wir es sehen von Angesicht zu Angesicht, 1. Cor. 13, wir werden ihn sehen wie er ist, 1. Joh. 3. Wenn mir andere Gedanken einfallen, so sage ich mit St. Paulo: O welch eine Tiefe! (Röm. Cap. 11). Der heilige Augustinus war in der Jugend gelehrt, hat 15 Bücher geschrieben von der heil. Dreifaltigkeit und scharf davon speculirt, wie er könnte fassen, hat’s aber endlich müssen bleiben lassen und gedenken: Gott kann das ganze Meer fassen, Den willst du in deine Vernunft einschliessen?

Vom fünften Stück.

Nun ist noch übrig das fünfte und letzte Lehrstück, davon, wie wir Gott sollen lernen erkennen aus seinen Werken der Schöpfung, Erlösung und Heiligung, da wir ihn auch am leichtesten und nützlichsten erkennen können, wie auch dies Evangelium darum auf dies Fest zu dieser Lehre verordnet ist, weil Jedermann will scharf vor Gott disputiren und speculiren, dass wir hiemit darin zurückgehalten werden und Gott einfältig erkennen aus seinen Werken. Denn wie Das sei: Drei Personen und doch nur ein Gott; item, wie die drei Personen innerlich zu unterscheiden seien, Das werden wir hier im Leben nimmermehr ausgründen, sondern müssten’s lassen bleiben bis in’s ewige Leben.

Da der heilige Hilarius hatte die Lehre erkläret von dem einigen Gott und dreien Personen, ward er gefragt: Lieber, sage uns Etwas mehr, Das wissen wir. Da antwortete er: Wann die Sonne scheint, so kannst du auf Erden der Hitze und Wärme gemessen ohne Schaden, siehest auch die Strahlen und das Licht, das von der Sonne ausgeht und die Erde erleuchtet; wenn du aber willst hineinsehen, so wirst du blind. Also ist auch hier ein solches Licht, da Niemand zukommen kann, 1. Tim. 6. So sollen wir desswegen nicht begehren hineinzusehen in ein solch Licht der göttlichen Majestät, sondern, wenn’s soll ein selig machend Erkenntniss Gottes sein, so müssen wir nur Acht geben auf die Strahlen desselbigen Lichts, die zu uns herunterkommen auf Erden, dass wir Gott ansehen nach seinen Werken in den drei Artikeln des Glaubens, davon auch hier der Herr am meisten handelt mit Nicodemo.

Wenn du nun sagst: Du frommer Gott, du lieber Gott! sollst du alle Zeit gedenken: Wer ist denn derselbige fromme Gott? Wie kann ich ihn erkennen an seinen Werken? Gehe in den Artikel der Schöpfung. Wer hat Himmel und Erde geschaffen? Antwort: Der rechte, wahre Gott durch sein Wort und durch den Geist seines Mundes, Ps. 33., Col. 1., nicht wie wir ein Wort sprechen, sondern das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, Joh. 1. Der Geist Gottes schwebte über den Wassern, Genes. 1. Von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge.

Also, da die Juden sollten weggeführt werden in das babylonische Gefängniss, da lehrte sie Jeremias, dass, wenn die Heiden Etwas würden aufwerfen für einen Gott, so sollten sie antworten und zu ihnen sagen also: Die Götter, die den Himmel und die Erde nicht gemacht haben, müssen vertilget werden von der Erden (Jerem. Cap. 10). Gott lässt den Wind kommen aus heimlichen Orten, Ps. 135. Dass der Himmel in 24 Stunden einmal herumläuft, das Wasser Fische trägt, die Erde ihre Frucht, des Menschen Leben, wer macht Das? Wer erhält’s? Unser Herr Gott. Wer ist Der? Gott Vater, Sohn und heiliger Geist.

Daraus kannst du nun eine schöne Uebung des Glaubens nehmen, also: Dass die Jahreszeiten bleiben, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, dass wir leben und die Erde uns trägt und allerlei Gutes darreicht, sind wir Dessen wohl werth? Traun nein. Denn wir sind Sünder, und um der Sünde willen hat Gott die Erde verflucht, Genes. 3. Die Schlange, der Teufel, hat unsere Natur vergiftet und verderbet, dass wir sind ein Gräuel worden vor Gott und des Todes schuldig, dass Eva und alle Weibspersonen nimmermehr hätten sollen lebendiger Kinder Mutter werden. Und gleichwohl giebt die Erde ihre Frucht, Gott lässt aus seinen Athem, so werden sie geschaffen, und er verneuert die Gestalt der Erde, Ps. 104. Gottes Fusstapfen triefen von Fett, Ps. 65. Auch arbeitet Gott an uns und giebt seine Gnade zur Geburt und ist doch nicht eine Ursach der Sünde, obgleich der Same sündlich ist; welches Lutherus erklärt mit einem Gleichniss vom faulen Holz, daran der Meister seine Kunst beweis’t und ein Bild daraus schnitzt, aber es taugt nicht, und ist die Schuld nicht des Meisters, sondern des faulen Holzes.

Also, was vom Fleisch geboren ist, Das ist Fleisch, sündlich und verdammt. Und wenn es Gott nach seinem Gesetze richten wollte, so würde er es Angesichts in die Hölle hinunterstossen, und gleichwohl schafft er es und erhält’s. Warum thut er’s? Um seines Sohnes Jesu Christi willen, der trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort, Hebr. 1., sonst würde bald Alles zerfallen. Denselbigen hat uns Gott geschenkt zur Erlösung, Joh. am 17. Cap. Daher ist Eva eine Mutter alles Lebendigen und bringt sammt ihren Töchtern lebendige Kinder zur Welt, weil der Sohn Gottes eine Fürbitte für sie gethan hat. Gott wölbet den Himmel mit Wasser, Ps. 104. Denn die Wolken sind eitel Wassertropfen; wie stehen die zusammen? Wie hangen sie an einander? Der Sohn Gottes trägt’s Alles mit seinem kräftigen Wort. Wenn dasselbige Wort ein Wenig gehen lässt, so wird eine Wolkenbrunst und überschwemmt Alles. Also siehest du, dass Gott wohl Alles in einen Haufen stiesse, wo nicht der Sohn Gottes uns verträte gegen den Vater. So kannst du von Gott schöne Gedanken haben. Und zwar Gott ist uns so nahe, dass wir ihn fassen und fühlen könnten, Act. 17. In ihm leben, sind und weben wir. Dass du Etwas gedenken und reden kannst, Das hast du von Gott. Wie oft gebrauchst du deiner Zunge Gott zu Verdriess? Dass er dich dann nicht bald in die Hölle wirft, wie er wohl Recht und Macht hätte, Das geschieht um des Sohnes willen und nicht daher, als hätte Gott Gefallen an der Sünde, wenn er die sündliche Natur schafft oder erhält und nicht bald straft, wenn Einer sündigt. Dagegen hören wir hier, dass es Alles geschieht wegen der Fürbitte des Sohnes Gottes. So sollen wir von Gott denken, und also sollen wir ihn erkennen lernen im Artikel der Schöpfung. Also im Artikel der Rechtfertigung, wie der in der Kirche Gottes erklärt wird, können wir es ein wenig besser verstehen, man muss aber in diesem Leben anfangen. Wenn du denkst an Gott den Vater, was sollst du da für Gedanken haben? Wie sollst du ihn erkennen und anrufen bei dem Artikel der Erlösung? Antwort. Also: Was vom Fleisch geboren wird, Das ist Fleisch, sagt hier der Herr. St. Paulus aber spricht 1. Cor. 15, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben, sondern gehören in die Hölle. Gott der Vater aber, der Macht hat uns zu verdammen nach seiner gestrengen Gerechtigkeit, hat also die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, dass er uns sollte erlösen. Das lässt er uns anbieten und vortragen durch sein Wort, dass er wolle unser Vater sein und uns das ewige Leben schenken und in sein Reich aufnehmen um Christi willen. Also sollst du gedenken vom Vater. Was denn vom Sohne? Niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel herniederkommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Wir hatten den Himmel verloren, waren daraus verstossen wegen der Sünde, und konnte kein Mensch gen Himmel fahren. Auf dass wir aber wieder zum Himmelreich möchten gebracht werden, ist der Sohn Gottes vom Himmel herniederkommen, Fleisch und Blut worden ohne Sünde und hat solch sein Fleisch gen Himmel geführt, dass er uns auch nachhole. Also ist er unser Mittler und will bei uns sein und bleiben, und wenn wir Den bei uns haben, so sind wir auch Gottes liebe Kinder um des Geliebten willen, Eph. 1. So sollst du von Christo, gläuben.

Wie kennest du denn den heiligen Geist? Es sei denn, dass Jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Geist geboren wird, Das ist Geist. Wir sind von Natur Kinder des Zornes, Eph. 2, im Reich des Teufels gefangen. Wollen wir aber in’s Reich Gottes und Gott recht erkennen, so müssen wir von neuem geboren werden, nicht aus vergänglichem Samen, sondern Gott macht selig durch’s Wasserbad im Wort, Eph. 5., oder durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, Tit. 3, dadurch wirket er den Glauben, durch welchen wir Christum anziehen. Und wenn uns der Vater in Christo findet, so nimmt er uns an für Wahlkinder, dass wir um des eingeborenen Sohnes willen aus Kindern des Zorns Kinder Gottes werden und zum Reich Gottes kommen. Also sollen wir Gott erkennen im Artikel der Erlösung.

Und dann endlich im Artikel der Heiligung oder Erneuerung können wir Gott also erkennen, dass der Vater uns zu Kindern annimmt um Christi, seines Sohnes, willen und schenkt uns den heil. Geist, der in uns wirke die Erneuerung, dass wir auch leben als gehorsame Kinder Gottes und das Sausen hören lassen, dabei man erkennen möge, dass wir aus dem Geist geboren sind. Der wirkete auch in uns die Andacht, dass wir rufen: Abba, lieber Vater, Röm. 8. Und weil solches Alles in diesem Leben unvollkommen ist, so müssen wir uns stets desto fleissiger und ernster halten an das Erkenntniss Gottes aus dem Artikel der Rechtfertigung, dass uns Gott der Vater um Christi, seines Sohnes, willen im heil. Geist täglich und gnädiglich alle Sünde vergebe, auf dass wir als seine lieben Kinder und Erben endlich einmal das Ende unseres Glaubens, nämlich der Seelen Heil und Seligkeit, erlangen mögen und davon bringen (1. Petri 1). Amen.

August 31, 2019

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