Cölius, Michael – Taufpredigt über das Evangelium Marci am zehnten Capitel.

(Vollständiger Titel: Von der Kindertaufe, und was man sich zu trösten habe der Kinder halben, so ohne die Taufe sterben. Ein
Sermon, gepredigt zu Arnstein in der Herrschaft Maasfeld, am 10. Augusti 1558, bei der Taufe des wohlgeborenen und edlen Herrn,
Herrn Otho, Grafen zu Mansfeld und edelen Herrn zu Heldrungen. Bei Spangenberg, Fol. 101.)

Und sie brachten Kindlein zu Jesu, dass er sie anrührte. Die Jünger aber fuhren Die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sahe, ward er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht empfähet als ein Kindlein, Der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legt die Hände auf sie und segnete sie.

Wir wollen aus diesem Evangelio drei Stücke vor uns nehmen und dieselbigen, so viel Gott Geistes und Gnade verleihen wird, handeln.

Zum Ersten will ich sagen von der Kindertaufe, ob es recht sei, die Kinder zu taufen, und worauf man sie taufen solle.

Zum Andern, was die Kinder der Taufe geniessen, und wie Christus mit ihnen umgehe und in ihnen wirke.

Zum Dritten will ich auch ausserhalb dieses Evangelii sagen, was man sich zu trösten habe der Kindlein halben, so von christlichen Ältern empfangen und geboren werden und doch durch unvermeidliche fürfallende Noth versterben ohne die heilige Taufe.

Vom ersten Stücke zu reden,

soll man wissen, dass viel und mancherlei Meinung gewesen ist der Kindtaufe halben. Etliche, als die Pelagianer, so vor und zu Zeiten des heiligen Augustini gewesen, haben die Kindertaufe als ein unnöthig Ding ganz und gar verworfen; denn sie gehalten, dass Kinder, von christlichen Ältern gezeuget, durch sie geheiliget und ohne Sünde empfangen und geboren würden, derhalben sie der Taufe nicht bedürften.

Bald hernach und fast um dieselbe Zeit sind die Donatisten entstanden, welche mit den Pelagianern auch hielten, dass die Kinder, von christlichen Ältern gezeuget, keine Sünde hätten, aber doch, auf dass die Kinder in die christliche Kirche aufgenommen, so wäre ihnen die Taufe von Nöthen, als ein äusserlich Zeichen, daran sie erkannt würden, dass sie Christen wären.

Die lieben Väter, als Augustinus und Andere, haben gelehrt, dass die Kinder nicht allein als zu einem Zeichen, sondern auch zur Vergebung der Sünden getauft werden, aber doch auf einen fremden, nämlich der Kirche, des Täufers oder der Gevattern und Gottes Glauben.

Jetziger Zeit sind die Wiedertäufer, welche, dieweil sie wissen, dass fremder Glaube nicht helfe, und darnach schliesse, die Kinder haben keinen Glauben, geben sie für, man soll Niemand taufen, bis er zu seinem verständigen Alter komme.

Wir aber lehren aus Gottes Wort, dass die Kinder sollen getauft werden zur Vergebung der Sünde, zu einem Zeichen, dass sie in die christliche Kirche aufgenommen und durch ihren eigenen Glauben die Taufe ihnen nützlich und dienstlich sei, derhalben wir der Anderen Meinung verlegen und die unsere mit göttlicher Schrift und genügsamen Ursachen und Exempeln erwiesen wollen.

So Viel nun die Pelagianer thut belangen, ist kund und offenbar, dass sie geirret, durch die lieben Väter mit Gottes Wort überwunden und als Ketzer sind verdammt worden. Denn obschon Kinder von christlichen Ältern gezeugt werden, so geschieht Solches doch nicht, nachdem sie Christen und gläubig sind, sondern nach Ordnung der Natur. Weil wir aber Alle von Natur Kinder des Zornes sind, wie St. Paulus zu den Ephesern am 2. sagt, wie dieselbige Natur sündig, so werden auch sündige Kinder durch sie gezeuget. Daher Genes. am 6. und 8. Capitel steht, dass alles Dichten, das ist, Alles, was der Mensch von Natur vermag und thut, von Jugend auf, Das sei böse. Jeremias am 17. Capitel spricht: Pravum et inscrutabile est cor hominis, das Menschen Herz ist tückisch und unerforschlich, das ist, voller Sünde. David am 51. Psalm sagt: Siehe, Herr, in Sünden bin ich empfangen, in Sünden hat mich meine Mutter geboren. Hiob am 21. spricht: dass auch ein Kind, eines Tages alt, nicht rein vor Gott sei, St. Paulus aber zu den Römern am 5. Cap. giebt Dess Ursach und spricht, dass es also von Adam, der gesündigt, auf uns erbe. Und das Buch der Weisheit am 1. Cap. zeigt die Hauptursach an und sagt: Aus Neid des Satan’s ist der Tod in die Welt kommen. Darum so hilft nicht, aus dem Geblüt, das ist, von heiligen, frommen Ältern, nicht nach dem Willen des Fleisches, was der Mensch durch seine eigene Andacht und Vermögen vornimmt, auch nicht, nach dem Willen eines Mannes, was das Gesetz befiehlt zu thun, sondern aus Gottes muss man geboren werden. Welches, wie St. Peter lehrt, 1. Petri 1., geschieht durch Kraft des Wortes Gottes und die Auferstehung Jesu Christi. Darum die Pelagianer sehr geirret haben, dass sie gemeinet, die Kinder seien zu fromm und heilig, sie bedürfen der Taufe nicht.

Denn dass nichts Gutes an der Natur ist, beweiset auch die Erfahrung an den jungen Kindern, welche gar keine Erkenntnisse Gottes auf Erden aus Mutterleibe mitbringen; so ist ihr Wille von Stund an Gottes Willen entgegen. Was demselbigen gefällt, dass missfällt ihnen; will aber Gott ihrem Willen wehren, so setzt sich ihr Herz halsstarrig entgegen. Dass Solches und Anderes, so Gott entgegen, ihnen nicht zugerechnet werde zur Verdammniss, ist von Nöthen, dass sie durch die heilige Taufe dem Herrn Christo eingeleibt, ihrer Sünden los und die Gerechtigkeit desselbigen unseres lieben Herrn und Heilands Jesu Christi erlangen, und Das sei gesagt wider der Pelagianer Irrthum, davor wir Christen uns sollen hüten.

So Viel die Donatisten anlangt, weil sie auch gehalten mit den Pelagianern, dass die Kinder die Erbsünde nicht mitbringen, irren sie und sind desshalb mit ihnen auch verdammt; dass sie aber, wie jetziger Zeit auch etliche Leute, die Kindertaufe noch zulassen, aber doch allein als ein äusseres Maalzeichen, daran, wie ein Hirt seine Schafe mit einem Röthelstein malet und kennet, die Christen dadurch erkannt werden, nehmen wir an, dass die Taufe ein äusserlich Zeichen sei der Christen. Solches aber ist noch das Allergeringste an der heiligen Taufe, und wobei man das Nöthigste und Beste davon nimmt, als die Vergebung der Sünde, und dass uns Gott für seine Kinder erkennt und das Erbe des ewigen Lebens schenkt. Und wie St. Paulus zu den Gal. 4. sagt: Wie Viele eurer getauft sind, die haben Jesum Christum angezogen: so ist das Maalzeichen darnach wenig nütze. Darum, da die Juden am heiligen Pfingsttage fragen, was sie thun sollen, dass ihnen Gott ihre Sünde vergebe? spricht St. Peter nicht: Gehet hin und lasset euch taufen im Namen Jesu Christi zu einem Zeichen, dass ihr Christen seid, sondern zur Vergebung der Sünde; darum diese Meinung auch unrecht ist, und sollen die Taufe nicht allein für ein äusserlich Merkzeichen halten, sondern dass dadurch die Kinder und Alle, so sich taufen lassen, Vergebung der Sünde, Gerechtigkeit und ewiges Leben erlangen.

Dass aber die lieben Väter und viele Andere in der christlichen Kirche gehalten, dass die Kinder auf fremden Glauben getauft werden, wollen wir ihnen Solches gern zu gute halten und sie nicht darum verwerfen, denn bei ihren Zeiten ist nicht disputiret worden, worauf die Kinder getauft, und wodurch sie den Nutzen der Taufe empfahen, sondern allein, ob die Kinder sollen getauft werden, und weil die Ketzer die Kindertaufe gar nichtig geachtet und verworfen, haben sie die Kindertaufe zu erhalten gestritten, und doch, weil sie aus Gottes Wort bericht verstanden haben, dass ohne den Glauben Nichts fruchtbar sei, haben sie die Kinder getauft auf fremden Glauben, welches nun Gott offenbaret, wie wir hernach hören werden, dass die Kinder durch eigenen Glauben den Nutzen der Taufe empfahen und selig werden.

Der Wiedertäufer Fürgehen, dass die Kinder nicht sollen getauft werden, bis sie zu ihrem verständigen Alter kommen, weil sie nicht glauben und ohne den Glauben die Taufe Nichts nütze sei, wissen wir Gottlob auch, dass sie irren und daran unrecht thun können, dass die Kinder keinen Glauben sollten haben; wir wissen’s und haben Dess öffentlichen Beweis aus Gottes Wort, dass die Kindlein Gott gefallen, und saget doch die Epistel zu den Hebräern am 11. Capitel, dass unmöglich sei, Gott ohne Glauben zu gefallen. Und St. Paulus zu den Röm. am 14. spricht: Was nicht aus dem Glauben geschieht, Das ist Sünde. Weil denn die Kinder Gott gefallen und die Kindertaufe nicht Sünde, sondern ein Werk, das Gott gefällig ist, wie wir hernach hören werden, so folget, dass die Kinder glauben und durch Glauben empfahen die Frucht und den Nutzen der Taufe, und also die Kindertaufe ein selig, nützliches und Gott gefälliges Werk sei.

Ob aber nun Jemand weiter fragen und sich um der Kinder Glauben bekümmern wollte, wie und was sie glauben, woher ihr Glaube komme, weil sie selbst, noch andere Leute kein Wissen von ihrem Glauben haben, Dem sei kurz geantwortet, dass, wie oben angezeigt, die Kinder Gott gefallen und doch ohne Glauben ihm Niemand gefallen könne, dass sie gewiss glauben müssen, und ist derselbige Glaube wohl ein wahrer christlicher Glaube, dadurch sie gerechtfertiget, Vergebung ihrer Sünde und ewiges Leben erlangen. Es ist aber nicht ein solcher empfindlicher und offenbarer Glaube, wie in den alten oder vernünftigen Menschen, welcher durch Anhören göttlichen Worts und den heiligen Geist kommt und empfindet, und fühlet der Mensch solchen Glauben, wiewohl einer mehr und stärker, denn der andere; wie und was sie glauben, die Kinder, wodurch derselbige Glaube gewirket werde und seine Kraft habe, müssen wir Gott dem Allmächtigen befehlen, welcher Viel thut oder thun kann, dass wir, noch einige Creatur, auch die Engel im Himmel nicht verstehen, noch begreifen können, müssen uns Desselbigen verwundern und ihm die Ehre geben, dass er allein barmherzig, weise und gerecht sei.

Wir müssen bekennen, dass die Kinder das Leben haben, und wissen doch selbst von ihrem Leben Nichts. Sie werden Erben, gehören in ihrer Väter Güter, aber davon wissen sie Nichts, verstehen Nichts, sie fühlen Nichts, und muss doch ein Jeder sagen: Das Kind hat das Leben, das Kind ist ein Erbe seines Vaters Güter. Ja, sagst du, Das verstehe ich nicht. Antwort: Was man versteht und mit Vernunft begreifen kann, Das darf man nicht glauben.

Wir glauben, dass in einem einigen, unzertrennlichen göttlichen Wesen drei unterschiedliche Personen sind; wir glauben, dass Jesus Christus eine einige Person, wahrer Gott und Mensch sei; wir glauben, dass er geboren sei von einer reinen Jungfrau. Welche Vernunft kann Das aber begreifen? Wir glauben Vergebung der Sünde und fühlen doch täglich die Sünde in unserm Gewissen. Wer kann Das fassen und verstehen? Hier muss der Glaube Vernunft und alle Sinne zuthun und allein Meister sein, sonst fallen alle dieser Artikel dahin, und wenn man die Vernunft hie will regiren lassen und nach Fühlen und Empfinden urtheilen, so mögen wir wohl vernünftige Menschen sein, aber Christen sind wir nicht.

Ja, sprichst du weiter, es empfinden nicht allein die Kinder ihren Glauben nicht, ich oder sonst Jemand können Solches auch an ihnen nicht sehen, noch vermerken. Antwort: Sollten sie denn eben darum nicht glauben, dass du und ich ihren Glauben nicht spüren können? St. Paulus zu den Römern am 8. Capitel sagt, dass alle Creatur seufze und ängstige sich, wie ein gebärendes Weib, und warte auf die herrliche Offenbarung der Kinder Gottes. Wer sieht Das den Creaturen an? Ja, sie selbst empfinden ihr Jachzehen und Sehnen nicht, und ist solches allein Gott offenbar und bekannt; doch müssen wir bekennen, dass es wahr sei. Also glauben die Kinder und ist ihr Glaube Gott bekannt, ob sie selbst und andere Leute schon davon Nichts wissen.

Und wie, wenn Gott den Glauben in ihnen wirken kann, wann sie Gottes Wort hören in ihrer Mutter Leibe, und wann sie zur heiligen Taufe getragen werden, wie Johannes im Mutterleibe den Gruss Mariä höret und dadurch Christum erkennet und, im heiligen Geist erleuchtet, vor Freuden hüpfet und springt! Darum wir den Wiedertäufern nicht einräumen können, die Kindertaufe zu verwerfen, darum, dass sie keinen Glauben haben sollen, sondern, dieweil Christus allhie im Evangelio befiehlt, man soll die Kinder zu ihm kommen lassen, noch in Gottes Reich aufgenommen werden, er glaube denn, darum ihre Meinung falsch und unrecht ist.

Und nachdem wir nun Etlicher irrige Meinung abgelehnet und mit Gottes Wort, dass sie falsch sei, erweiset haben, wollen wir auch ferner hören, warum wir die Kindertaufe behalten, und worauf sie getauft werden. Und ist die erste Ursach der Kindertaufe die, dass, wie oben durch Gottes Wort klärlich angezeiget, sie derselben nothdürftig sind, darum, dass sie in Sünden empfangen und geboren werden und derhalb ewig müssten verloren sein. Dass ihnen nun aus solchem ihren Schaden und Verderben geholfen werde, darum taufen wir in unserer christlichen Kirche die armen und mit Sünden beladenen Kindlein mit der tröstlichen und gewissen Zuversicht, dass die eingeborene und aufererbte Sünde sie nicht habe zu verdammen. Denn also spricht Gott im Propheten Ezechiel am 41. Capitel: Ich will auf euch ausgiessen ein rein Wasser, und sollet gereinigt werden von allen euern Sünden. Und Zach. am 8.: Das Haus Jakob und die Bürger zu Jerusalem sollen einen freien, offenen Born haben und gewaschen werden von aller Sünde und Missethat. So spricht St. Paulus zu den Ephesern am 5., dass Christus uns reinige im Wasserbad am Wort. Und der Prophet Micha am 7. Cap. nennt die Taufe einen Abgrund des Meeres, darein Gott alle unsere Sünde werfe und sie vertilge. Darum nehmen wir uns billig aus christlicher Liebe der armen Kindlein Noth an und bringen sie zur heiligen Taufe, dass sie von Sünde, Tod, Hölle und Teufel erlöset werden.

Zum Andern halten wir die Kindertaufe darum, dass Gottes Befehl ist, die Kinder sowohl, als die Alten zu taufen. Denn Christus sagt Matth. 28.: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Heiden und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Hier befiehlt Christus, alle Heiden oder Völker zu taufen. Nun sind nicht allein die Alten, sondern auch die jungen Kinder in die Taufe zu rechnen, und ist darum ein feiner Gebrauch, dass, wenn man Gevattern bittet, dass man spricht: Gott hat mir einen Heiden bescheert, bitte, wollet ihm zu Christenheit helfen. Sind die Kinder Heiden und Christus befiehlt, die Heiden zu taufen, so will er auch, dass die Kinder getauft werden.

Und zwar allhie in diesem Evangelio haben wir einen ausdrücklichen Befehl, die Kinder zu Christo zu bringen. Wo ist aber Christus? Wodurch bringt man die Kinder zu Christo? Zwar in den Himmel dürfen wir sie nicht heben, denn Das wäre zu hoch, über Meer nicht fahren, es wäre sorglich und zu fern; sondern wer ein Kindlein zu Christo will bringen, Der bringe es zur Taufe. Er unterweise es im Katechismo, er halte es zu Gottes Gehorsam, da wohnet Christus, da lässt er sich finden, dahin bringt man zu ihm die lieben Kindlein.

Zum Dritten taufen wir die Kindlein auf Gottes Zusage und Verheissung. Denn also sagt Christus: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Creatur. Wer glaubt und getauft wird, Der wird selig. Und St. Paulus zu Tito am 3.: Es ist erschienen die Freundlichkeit und Holdseligkeit Gottes, unseres Heilandes, nicht nach den Werken der Gerechtigkeit, die wir gethan haben, sondern nach seiner Barmherzigkeit macht er uns selig, durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist. Und um der Verheissung willen nennt der heilige St. Peter die Taufe einen Bund eines guten Gewissens, welches Beide, Alt und Jung, wohl bedürfen, und darum die Kindlein billig sind zu taufen.

Zum Vierten auch darum, dass, wie Origenes im 6. Cap. zu den Römern und Augustinus schreiben, so ist es keine Neuerung, die Kinder zu taufen, sondern es haben auch die heiligen Apostel die Kindertaufe gehalten, wie erscheinet aus St. Paulo, da er sagt, dass er ganze Häuser getauft habe, welches nicht allein Alte, sondern auch Kinder sind.

Zum Fünften bringen wir die Kinder zur Taufe um Erfüllung willen der Verheissung der lieben Propheten. Denn also weissaget der heil. Prophet Esaias am 49. Capitel und tröstet die Kirche des neuen Testaments und spricht: Sie werden zu dir ihre Söhne auf ihren Armen bringen und die Töchter auf ihrem Rücken. Was könnte Klareres von der Taufe der Kinder, denn Dieses geredet werden, die man auf den Armen, und wie man kann, zur heiligen Taufe trägt? So saget David i 8. Psalm: Du richtest dir ein Lob zu aus dem Munde der unmündigen Kinder. Nun kann Niemand Gott loben, denn die Glieder sind der heiligen christlichen Kirche. Das geschieht durch die Taufe. Und also nach Verlegung etlicher Irrthümer, haben wir erweiset, warum und worauf wir die Kinder taufen, Und so Viel vom ersten Stück dieses Sermons.

Zum Andern

wollen wir nun auch hören, wie sich Christus halte gegen die Kindlein, die man durch die Taufe zu ihm bringt, und was er ihnen zu gut thue. Und dazu wird nun dieses Evangelium fürnehmlich dienen, denn wir keinen Zweifel dürfen haben, was Christus an diesen Kindlein gethan hat, Das thut er gewisslich bei allen, die durch die heilige Taufe ihm zugetragen werden. Nun ist Das das Erste, da sie die Kindlein zu ihm tragen und die Jünger aus einem Eifer, doch ohne Verstand, halb widertäuferisch sind, murren und wehren Denen, so die Kindlein brachten, meinen, ihr Herr sei viel zu gross und habe mit wichtigeren Sachen zu thun, denn mit Kindern umzugehen, wird der liebe Herr unwillig, straft sie und sagt, sie sollen Solches nicht hindern, sondern vielmehr fördern, dass die Kindlein zu ihm gebracht werden; denn solcher sei das Himmelreich.

Und hiemit zeigt er an seine väterliche Fürsorge für die armen Kindlein, die er alle will selig haben, und ist wider seinen Willen, so sie Jemand daran hindert, wird unwillig und will es ungestraft nicht lassen. Er sei kommen, die Kinder so wohl, als die Alten selig zu machen. Darum werden gar eine schwere Strafe und geschwindes Urtheil auf sich laden alle Diejenigen, so ihre Kindlein zu Christo nicht bringen, oder wehren, dass sie zu ihm durch die heilige Taufe nicht gebracht werden, als etwa gewesen die Pelagianer und Donatisten, jetziger Zeit die Wiedertäufer in der Kirche und ausserhalb derselbigen Juden, Heiden und Türken, welche Alle, nachdem das heilige Evangelium in alle Welt geschollen: Wer glaubt und getauft wird soll selig werden! und aber doch dasselbige weder hören, noch sehen wollen, nehmen’s nicht an, wehren auch, dass ihre Kinder dazu nicht kommen, werden an jenem Tage den Unwillen, Zorn und Strafe des Herrn Christi müssen erfahren; denn so Viel an ihm ist, hat er die Kindlein herzlich lieb, wollte sie gern alle selig haben; darum der Mangel an Denen ist, die sie ihm nicht zutragen.

Darnach, so wird er nicht allein unwillig und straft, die da wehren, dass die Kindlein zu ihm gebracht werden, sondern, wie aus dem Evangelisten Matthäo zu verstehen, er betet auch für sie. Warum betet er aber für die Kindlein, und wann bittet er für sie? Er hat schärfere Augen und bedenkt den Schaden der armen Kindlein mehr und besser, denn die Pelagianer und Wiedertäufer, die da meinen, sie haben keine Sünde, sondern er siehet, dass sie in Sünden empfangen und geboren und um der Sünde willen dem ewigen Tode und Verdammniss sollten unterworfen sein, Das macht ihm ein herzliches Mitleiden, und darum bittet er für sie und bittet ohne allen Zweifel Gott seinen himmlischen Vater, weil sie Kinder des Zorns geboren sind, er wollte seinen Gehorsam ansehen, der um der Kindlein willen empfangen und geboren ohne Sünde, dieselbige ihre sündliche Empfängniss und Geburt auf sich genommen, dafür bezahle und genugthue, dass er ihnen Solches schenke und vergebe. Und daran hat der himmlische Vater ein solch herzliches Wohlgefallen, der dem Sohne, wie die Epistel zu den Hebräern saget, um seiner Ehrwürdigkeit willen Nichts versagen kann, dass er nicht allein solche Sünde ihnen nicht zurechnen will, sondern er will selbst bei der heiligen Taufe auch erscheinen und die Kindlein in seinen Schutz aufnehmen. Darum wir denn auch Befehl haben, zu taufen im Namen des Vaters, als dass er, der Vater, bei der Taufe selbst gegenwärtig sei und den Kindlein aus ihrem Schaden will helfen.

Ferner sagen die heiligen Evangelisten, er habe die Kindlein geherzt, damit Christus anzeigen will, dass nicht allein der himmlische Vater bei der Taufe sei und die Kinder annehmen wolle, sondern er selbst, unser lieber Herr und Heiland Jesus Christus, will auch dabei sein und die Kindlein mit herzlicher Lust und Freude annehmen; darum man dann abermals Befehl hat, die Kindlein zu taufen im Namen des Sohnes. Und ist das die andere Person im göttlichen Wesen, die also Lust und Freude hat, dass man die Kindlein zu ihm durch die Taufe bringe, denen er auch mittheilt alle seine Gerechtigkeit und Heiligkeit, dadurch sie bekleidet herrlich und schön vor dem himmlischen Vater und allen lieben Engeln erscheinen. Und davon sagt St. Paulus zu den Galatern am 3.: Alle, die ihr in Jesu Christo getauft seid, Die habt ihr Christum angezogen. O wohl Denen, die in dies Kleid gezieret vor ihren lieben Gott kommen, und Das erlangen die Kindlein und wir Alle durch die heilige Taufe und gehen nun daher im Schmuck, davon im Propheten Jesaia geschrieben stehet und die christliche Kirche mit Freuden singet: Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Schmuck gezieret, und wie eine Braut in ihrem Geschmeide bärdet. Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst, und Samen im Garten aufgehet, also wird Gerechtigkeit und Lob vor allen Heiden aufgehen aus dem Herrn Herrn.

Überdas so leget er auch die Hände auf sie und giebt hiemit zu verstehen, dass auch der heilige Geist da bei der Taufe gegenwärtig sei und den Kindlein werde gegeben. Denn die Hände und Finger Christi bedeuten in der Schrift den heiligen Geist. Denn was Lucas den Finger Gottes nennet, Das heisst Matthäus den heiligen Geist. Und sind also bei der Taufe alle drei Personen der Gottheit, darum wir denn auch taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, welche auch offenbarlich und unterschiedlich gesehen und gehöret worden bei der Taufe Christi, anzuzeigen; dass Christus daselbst ist und tauft, wie Johannes sagt: Er ist’s, der euch tauft mit Feuer und dem heiligen Geist. Die Stimme des Vaters ruft zu einem Jeden, der sich taufen lässt: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich ein Wohlgefallen habe. Und kommt der heilige Geist jetzund nunmehr unsichtbar, wie er etwa bei der Taufe sichtiglich ist erschienen, dass also die Kindlein angenommen werden zu Gnaden und in allen Schutz von Gott dem Vater, Sohne und heiligen Geiste. Und was könnte ihnen auch nunmehr Tröstlicheres und Besseres widerfahren; darum sie denn zur heiligen Taufe billig und mit Freuden sollen getragen werden.

Noch lässt es der Herr Christus dabei auch nicht bleiben, dass er die Kinder wider Die, so ihnen wehren, dass sie zu ihm nicht sollen getragen werden, vertheidiget und die da wehren, strafet, für sie bittet, sie herzet und die Hände auf sie leget, sondern zum Fünften auch anfähet, sie zu segnen. Und das Segnen ist nicht zugegangen, dass er etwa ein Kreuz über sie gemacht, das dazumal in keinem Brauch gewesen, oder sonst, wie man’s nennt, andere Characteres oder Zeichen gebraucht habe, sondern der Segen ist gewesen, dass er angezogen, wie Abraham Gott verheissen und zugesagt, dass in seinem Samen alle Heiden sollen gesegnet werden, Das werde nun erfüllet. Er sei derselbige Same, oder dasselbige gebenedeite Kind, darum alle Kinder, und wer sie seien, die zu ihm getragen oder zu ihm kommen, Die sollen gesegnet und gebenedeiet werden, das ist, Vergebung der Sünde, Erlösung vom Tode, Hölle und Teufel erlangen und mit Gott, seinem himmlischen Vater, versöhnet sein, darum er auch darauf sagt: Solcher ist das Himmelreich. Und stellet sie Denen, so da wehren, dass sie zu ihm nicht sollen getragen werden, zu einem Exempel für und spricht: Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht empfähet als der Kindlein eins, kann darein nicht kommen.

Und Das ist wahrlich nahe genug geredet den Aposteln und Allen, die da meinen, besser und näher zu sein dem Herrn Christo, denn die jungen Kinder, dass sie noch ferne, und die Kinder dem Reiche Gottes nahe sind. Wohlan, wie nehmen denn die Kinder das Reich ein, welches wir von ihnen sollen lernen? Erstlich ist’s um die Kinder also gethan, dass sie glauben, was ihre Ältern sagen, nicht allein wahr sei, sondern verheissen sie ihnen etwa einen neuen Rock oder sonst was Anderes, so setzen sie darauf all ihr Vertrauen, freuen und rühmen sich gegen ihre Mitgesellen und andere Kinder, als hätten sie den neuen Rock schon angezogen, so gewiss glauben sie der Zusage ihres Vaters, und ob andere Kinder ihrer spotten und lachen, sagen zu ihnen: Ja, wo sollte dein Vater nehmen, dich zu kleiden, oder, was er zugesagt, dir zu geben? du bist ein Narr, es wird wohl fehlen; – da lässt sich das liebe Kind nicht irre machen, sein Vater ist wahrhaftig, seine Zusage kann nicht fehlen; wo er es aber nehme, da lässt’s ihn für sorgen. Es weiss und vertrauet, was ihm zugesagt ist, muss ihm werden. Und also müssen wir lernen und die jungen Kindlein lassen unsere Schulmeister sein, wie uns Christus auch Matth. am 6. in die Schule zu den Vögeln weis’t, wie wir in’s Reich Gottes müssen kommen, nämlich, von aller unserer Vernunft, Thun und Leben absterben und zu jungen, unmündigen Kindern werden, und allein sehen, was uns Gott, unser lieber Vater, verheisst und zusagt, auf Das müssen wir unser Vertrauen setzen, des blossen Worts uns freuen und rühmen, und ob der Satan darüber unser spottet, die Welt verlacht und unser eigen Gewissen oft uns entgegensteht, müssen wir wie die Kinder unseres lieben Vaters Verheissung mehr und grösser achten, denn was die Alle sagen, uns fürwerfen und spotten, ob sich auch das Gegenspiel zuträgt, dass Nichts, denn Sünde, Tod, Verdammniss, Armuth und Elend gesehen und gefühlt wird, und gehet, wie mit einem Vater, der verheisst dem Kinde einen neuen Rock, er giebt ihm danach kaum das trockene Brodt. Eine Mutter tänzelt ihr Kindlein und spricht: Du bist mein Kaiser, König und Herr, und muss danach mit dem Kinde zu Feld und des Viehes hüten. Noch gehen die Kindlein dahin, singen und springen: Ja, ja, ich werde einen neuen Rock haben, ich soll ein Kaiser, König und Herr sein! wissen anders nicht, sie seien’s und haben’s schon Alles. Woher? Ihr Vater und Mutter hat es ihnen zugesagt, von Denen haben sie es gehört, Denen glauben sie, und haben’s ihrer Acht nach Alles.

Also müssen wir auch Kinder werden, hören, was uns Gott zusagt, wofür er uns halte, und ihm die Ehre geben, dass Solches wahr, dass wir Dasselbige sind und gewiss haben. Nun sagt uns Gott zu, dass er Macht gegeben habe Allen, die an ihn glauben, dass sie seine Kinder sein sollen. Joh. 1. Sind sie Kinder, so sind sie auch Erben und Miterben Christi. Röm. 8. Denn er hat alle Gläubigen mit ihm auferweckt und in’s himmlische Leben gesetzt. Ephes. 3. Was fühlet aber das Gewissen, wenn die Anfechtung angeht? Alles das Widerspiel. Doch müssen wir uns nicht hindern, noch irren lassen, sondern, wenn unser die Sünde spottet, wir seien unter ihr gefangen, der Tod, er wolle uns fressen, die Hölle, sie wolle uns verschlingen, so sollen wir fröhlich sein auf unseres lieben Vaters Zusage und wie die Kinder gehen und sagen: Ja, ja, ich habe keine Sünde, ich weiss von keinem Tode, ich fürchte keine Hölle; denn mein lieber Vater hat mir Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit zugesagt, Das wird er mir auch wohl halten. Und also nehmen wir das Reich Gottes ein wie die Kinder, und Das, sagt der Herr, sollen wir von ihnen lernen.

Aber die hochberühmte Meisterinn, menschliche Vernunft und Weisheit, will sich in die Kinderschule nie weisen lassen, meinet, sie wisse es wohl besser, denn dass sie ihr Vertrauen, Trost und Zuversicht allein im Glauben auf Gottes Wort und Verheissung stelle; darum so fähet sie ihre Seligkeit nicht an wie die armen Parouli, die armen Kindlein, sondern sagt: Wer selig werden und in’s Reich Gottes eingehen will, Der muss die Sachen auf seinen freien Willen, Vernunft, Andacht und gute Meinung stellen. Er muss so viel fasten, so viel beten, so viel Almosen geben, diesen und jenen Orden annehmen, dem und jenem Heiligen dienen, Messe, Vigilien halten, Ablass lösen und grosse Stiftung anrichten und also und mit dergleichen Werken in’s Himmelreich gehen. Aber Das thut’s wahrlich nicht; denn obschon die im Himmelreich sind, ihren Glauben üben, beweisen, Gott und ihrem Nächsten dienen müssen mit Werken, die ihnen Gott geboten, doch so gehen sie dadurch nicht in’s Himmelreich. Es ist zu Wenig und macht’s nicht aus, sondern wie die Kinder müssen wir hineingehen, die ihr Vertrauen auf Gottes Zusage setzen und von Christo aus Gnade und Barmherzigkeit angenommen werden.

Darnach so folget, dass die Kinder einfältig sind, bekennen und reden die Wahrheit, wie man im Sprüchwort sagt: Kinder und Narren reden die Wahrheit; – betrügen und verführen Niemand, sind züchtig und demüthig. Und da ihnen schon Jemand Leid thut, lassen sie sich bald und wohl mit einem Apfel versühnen. Und was dann ein solch Kindlein thut, wann es schon nackt daher läuft, so spricht man: Ach, du liebe Unschuld! Es steht ihm Alles wohl an, Jedermann, sonderlich die lieben Ältern, haben ihre Freude und Lust daran.

Also sollen wir nun abermals hie ferner in die Kinderschule gehen und sollen dem Glauben folgen, dass wir auch wahrhaftig, treu, züchtig und demüthig sind. Und wie St. Paulus zu den Philippern am 4. sagt: Ist etwa ein gut Gerüchte, ist etwa eine Tugend, der sollen wir nachtrachten und uns hierinnen erzeigen, dass wir im Himmelreich und wahrhaftige Kinder Gottes sind. Das heisst dann das Reich Gottes einnehmen wie ein Kind.

Und solches Alles, nämlich die Noth der armen Kinder, und dass sie Christus aufnehmen will durch die heilige Taufe und mit allerlei Gaben des heiligen Geistes begnaden, sollen betrachten und bedenken Diejenigen, so die Kinder zur Taufe tragen, mit gläubigem Gebet und Anrufung göttlichen Namens, dass er sie erhalte bis an ihr Ende. Dann so braucht man christlich und recht der Taufe.

Der dritte Theil: von den ungetauften Kindern.

Was wollen wir aber nun halten von den Kindern, die im Ehestande von christlichen Ältern gezeuget, durch fürfallende unvermeidliche Noth, dazu sie wissentlich keine Ursach geben, ohne die heilige Taufe versterben? Wohlan, ich weiss wohl, dass man gemeiniglich hält, dass solche Kinder verloren sind; aber doch, so sei ihnen weder wohl, noch wehe. Etliche halten, sie seien in der Vorburg der Höllen. Etliche machen auch Kobolde oder, wie man’s nennt, Wichtelchen aus ihnen. Dass nun die ungetauften Kinder verloren, und doch ihnen weder wohl, noch wehe sein solle, will sich gar nicht reimen; denn wer verloren ist, dem muss gewiss nicht wohl sein; ist ihm nicht wohl, so muss ihm wehe sein, anders wird Nichts daraus. So Viel die Vorburg der Hölle belangt, will ich solch Gedichte die Papisten verantworten lassen, die es erdacht, aber doch mit keinem Grunde der Schrift erweiset haben. Dass aber Kobolde oder Wichtelchen aus ihnen werden sollten, die in Häusern irre gehen und oft dem Gesinde ihre Arbeit fürthun, ist ein heidnisch Ding; denn die Heiden haben Solches geglaubt und ihre Lares familiares genannt, und ist ein Gespenst des bösen Geistes; darum alle frommen Christen vor solchem Betrug und Unglauben sich sollen hüten.

Welches wir auch nun wollen fahren lassen und den betrübten frommen Ältern und Eheleuten, denen ihre Kinder verstorben sind oder sterben ohne die Taufe, dazu sie wissentlich keine Ursach geben, zu Trost sagen, dass sie darum nicht verloren sind, und Gott sie wohl könne selig machen. Und ist das die erste meine Ursach: Gott sagt Genes. am 22. dem Abraham zu und spricht: Ich will dein und deines Samens Gott sein. Wem Das Gott zusagt, er will sein Gott sein, Der muss auch gewiss selig sein; denn Gott ist die Seligkeit. Nun will er nicht allein Abraham’s Gott sein, sondern auch seines Samens, das ist, der Kinder, die von Ältern, welche Abraham’s Glauben, das ist, den Glauben an Jesum Christum haben, gezeugt werden. Es sind aber nicht allein Kinder, die geboren werden, sondern auch die, so noch im Mutterleibe sind. Ist denn nun Gott auch derselbigen Gott nach seiner Verheissung, und wess Gott er ist, muss selig sein, so folgt, dass auch aus göttlicher Gnade und Barmherzigkeit der Gläubigen Kinder selig werden, ob sie auch ohne die Taufe und im Mutterleibe sterben.

Zum Andern so ist das unser heiliger, christlicher Glaube, dass unsere sündliche Geburt, Leben und Sterben gerecht, heilig und selig gemacht werde durch die selige und heilige Geburt, Leben und Sterben unseres lieben Herrn und Heilands Jesu Christi. Geniessen wir nun seiner in dem Allen, denn wir sonst keinen andern gewissen Trost haben können, und dahin weiset uns allein Gottes Wort, warum sollten denn die Kinder nicht auch im Mutterleibe geniessen seiner heiligen Empfängniss, und der eben so wohl, als sie neun Monate im Mutterleibe gelegen hat. Daraus dann abermals folgt, dass man nicht zweifeln darf an solcher ungetaufter Kinder Seligkeit.

Zum Dritten wissen wir, dass im alten Testamente, auch Genesis am 22., geboten ist, dass ein jegliches Kind am achten Tage solle beschnitten werden, und welches nicht beschnitten, dess Same soll ausgerottet werden, das ist, es soll verloren sein. Nun ist kein Zweifel, dass, wie auch jetzund oft geschieht, Kinder sterben, ehe sie acht Tage alt werden, dazumal ihrer viele auch gestorben und nicht sind beschnitten worden. Wer wollte aber Gott die Tyrannei zumessen, dass solche unbeschnittene Kinder darum sollten verloren sein? Sind denn jene, die ohne Beschneidung gestorben, nicht verloren, so werden unsere Kinder des neuen Testaments auch nicht verdammt sein, die aus unvermeidlicher Noth nicht können getauft werden.

Zum Vierten, Gott hat uns durch Christum befohlen, dass wir sollen beten und zugesagt, was wir in seinem Namen bitten, soll uns gegeben werden, sonderlich aber die Dinge, so das ewige Leben belangen, sollen wir unbezweifelter Hoffnung ohne alle Bedingung glauben, Gott werde sie geben. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, soll euch gegeben werden, spricht Christus. Nun aber sind gewisslich keine christlichen Ältern, die nicht oft und viel bitten um die Wohlfahrt und Seligkeit der Kinder, wenn sie noch im Mutterleibe sind. Wer wollte aber zweifeln, das solch christlich, ernstlich und gläubig Gebet der Ältern sollte unerhört bleiben! Wird aber ihr Gebet erhöret, so müssen auch freilich die Kinder selig werden, ob sie schon der Noth halben ohne die Taufe sterben.

Zum Fünften so lies’t man in Historien und ist gewiss wahr, dass zur Zeit der Verfolgung Etliche zum christlichen Glauben kommen und dass sie denselbigen bekannt, sind aber getödtet worden, ehe denn man sie hat können taufen, und Die verdammt die heilige christliche Kirche nicht, ja, sie hält sie für heilig und selig, schliesst, dass sie in ihrem Blut getauft sind. Darum so halten wir auch billig, dass die Kindlein, so aus fürfallender unvermeidlicher Noth ohne die Taufe sterben, nicht verloren sind, sondern werden auch in ihrem Blut getauft zum ewigen Leben.

Zum Sechsten. Der Prophet Malachias am ersten Capitel sagt und St. Paulus zu den Römern am 9. Cap. zeucht solchen Spruch an, dass Gott Jakob geliebet und Esau gehasset habe, ehe denn sie geboren und ihrer einer habe können Gutes oder Böses thun. So setze ich nun den Fall, dass Jakob im Mutterleibe ohne die Beschneidung wäre gestorben, Esau aber geboren und beschnitten worden. Sollte darum der Geliebte und Erwählte um der Nichtbeschneidung willen verdammt und der Verhasste um Dess willen, dass er beschnitten, sein selig worden? Das wird freilich Niemand sagen. Warum wollte man denn die armen Kindlein, so aus unvermeidlicher und oftmals unverursachter Noth halben nicht mögen getauft werden, verdammen?

Widerlegung etlicher Einrede.

Aber allhie will vielleicht eine Einrede geschehen, und wollen Etliche sagen, die heilige christliche Kirche habe je und allewege die ungetauften Kinder für verdammt gehalten; ob ich denn dieselbige strafen oder verwerfen wollte?

Darauf gebe ich Das zur Antwort, dass ich nicht glauben kann, dass je und allewege die ganze gemeine christliche Kirche Solches gehalten. Denn St. Ambrosius, ob er schon an vielen Orten hart darauf dringet, dass die Taufe nothwendig sei zur Seligkeit, so schleusst er doch, wo aus unvermeidlicher Noth man die Taufe nicht haben könne, dass sie darum nicht verloren werden. Denn da der Kaiser Valentinianus stirbt ohne die Taufe, die er zuvor begehret hatte, verdammt er ihn darum nicht, ja er sagt, dass solcher Wille genug sei gewesen und zählt ihn unter die Seligen. Weil denn die Ältern auch Willens sind und herzlich begehren, dass die Kindlein möchten getauft werden, so wird Gott solch christlich Begehren auch annehmen und die Kindlein, so aus Noth nicht können getauft werden, nicht verdammen. Und wird also zu dieser Zeit der Kirche Meinung nicht gewesen sein, dass die Kindlein, so aus Noth ohne die Taufe gestorben, müssen verdammt sein. Und im Fall, dass es die christliche Kirche je und allewege dafür gehalten, dass die ungetauften Kinder nicht könnten selig werden, so wäre es doch ein Gebrechen gewesen, dass man ihr, wie auch andere, müsste zu gute halten. Man lies’t aber nicht, dass es die Kirche geschlossen oder einigen Artikel des Glaubens daraus gemacht habe; darum, so muss sie hierinnen göttlicher Wahrheit und Offenbarung weichen, ja, welche rechte Christen sind, so oft Gott durch sein Wort und Geist die Wahrheit offenbaret, verlassen sie ihre Gebrechen und nehmen die Wahrheit willig und gern an.

Eine andere Einrede.

Christus sagt zu Nicodemo, Johannis am Dritten: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, dass Jemand durch’s Wasser und den heiligen Geist geboren werden, kann er nicht eingehen in’s Himmelreich. Allhie macht ja Christus die Taufe nöthig und betheuert es mit seinem Eide, wer durch’s Wasser, das ist, die Taufe, nicht wiederum geboren werde, könne nicht selig sein.

Was ist aber darauf zu antworten? Es ist ewig wahr, was Christus redet oder sagt, geschweige, was er mit seinem Eide bekräftiget; aber doch soll man wissen, dass eben der liebe Herr und Heiland Jesus Christus die Beschneidung auch dermaassen geboten hat: Wer nicht beschnitten, soll unter Gottes Volk nicht gezählt, noch gerechnet werden, das ist, er soll nicht selig werden. Und ist doch droben erweiset, dass die Kinder, so vor dem achten Tage aus Todesnoth nicht haben können beschnitten werden, darum nicht sind verdammt worden. Darum dieser Spruch auch nicht inclusive, sondern exclusive muss verstanden werden, dass, wo die Noth die Taufe verhindere, darum die Kinder nicht verdammt sind.

Und Solches will freilich unser lieber Herr und Heiland Jesus Christus auch angezeigt haben, da er Marci am 16. spricht: Wer glaubt und getauft wird, Der wird selig, wer aber nicht glaubt, Der wird verdammt. Erstlich bindet er Glauben und Taufe zu Hauf, wo man dieselbige haben kann. Aber danach gedenkt er des Glaubens allein und lässt die Taufe aussen, freilich darum, wo aus Noth die Taufe ja nicht kann gebraucht werden, dass Solches Gott will zu gute halten und darum nicht verdammen, wie auch droben beweiset ist an Denen, die geglaubt und ihren Glauben bekannt, ehe getödtet, denn sie die liebe Taufe haben können erlangen.

Die dritte Einrede.

Ja, es ist wohl droben angezeigt, dass die Kinder ihren eigenen Glauben haben, wann sie getauft werden, und kann der heilige Geist solchen Glauben wirken durch das Wort und äusserlich Sacrament, wenn man die Kinder zur Taufe bringt. Wie kann aber Solches im Mutterleibe geschehen, oder ehe die Kinder zur Taufe getragen werden?

Darauf sage ich, dass wohl wahr, wenn man die Mittel haben kann, die Gott verordnet, dadurch er sein Werk ausrichten will, soll man dieselbigen nicht verachten, sondern mit allem Fleiss gebrauchen; aber doch, ob wir an die Mittel verknüpft und gebunden sind, so ist aber Gott nicht daran gebunden und kann als ein freier Herr, nach seiner Gewalt, Weisheit und Barmherzigkeit, thun und machen, wie und was er will. Also heiligt er im Mutterleibe den Propheten Jeremiam, erleuchtet in seiner Mutter Leibe und heiligt Johannem, macht selig ohne die Beschneidung, an welcher Statt die Taufe kommen ist, Hiob, Naeman, Cyrum, Nebukadnezar und Andere, welche, ob sie wohl alt gewesen und freilich durch das äusserliche Wort zum Glauben kommen, werden doch ihre Kinder Solches genossen haben, auch, ob sie im Mutterleibe oder bald gestorben sind, sein selig worden.

Die vierte Einrede.

St. Augustinus wider die Pelagianer und Donatisten schleusst klar, dass die Kinder, so ohne die Taufe sterben, nicht können in Gottes Reich kommen und selig werden.

Der heilige, treue Lehrer Augustinus ist wohl werth, dass er geliebt, gelobt und geehrt werde um der grossen Gaben und treuen Fleisses willen, so er bei Gottes Wort und der Kirche wider die Ketzer gethan hat; aber doch so unterwirft er seine und aller Väter Meinung der heiligen Schrift, dass sie nach derselbigen sollen gerichtet werden. Und dieweil er mit Denen zu thun gehabt, die die Kindertaufe ganz und gar nichtig gehalten und verworfen haben, beuget er den krummen Baum, wie die Gärtner pflegen, zu fern auf die andere Seite und schleusst, dass ohne die Taufe die Kinder nicht können selig werden. Es ist aber gar kein Zweifel, wenn der christliche, treue, fromme Mann und Lehrer ausserhalb dieses Zanks wäre erinnert worden, ob denn die Kinder gar nicht selig werden könnten, würde er mit St. Ambrosio, seinem Meister, die Noth ausgenommen und gesagt haben: Wenn man die Kinder aus falscher und unrechter Meinung, wie die Pelagianer und Donatisten, oder aus Verachtung Gottes Worts, wie Juden, Heiden, Türken und Wiedertäufer, nicht will zur Taufe bringen, müssen sie verloren sein. Aber wenn es der unvermeidlichen Noth halben geschieht, da doch die Ältern Christen sind und Gott für sie bitten, wollten auch gern die Einsetzung und Ordnung Christi mit der Taufe halten, sind sie wohl zu entschuldigen.

Die fünfte Einrede.

Mit der Weise so würden auch der Heiden, Juden und Türken Kinder müssen selig werden; denn was können die dazu, dass sie die Taufe nicht erlangen, und kann sie Gott als ein freier Herr im Mutterleibe oder nach der Geburt, ohne die Taufe, wohl erleuchten und heiligen.

Wir wollen Gott einen Herrn sein lassen und ihm seine Freiheit nicht nehmen. Aber wir bleiben bei dem gemeinen Spruch: Extra ecclesiam non est salus; ausserhalb der Kirche ist keine Seligkeit. Diese Alle begehren nicht, dass ihre Kinder sollen getauft werden; sie rufen Gott in keinem rechten Ernst an, sie glauben nicht an Christum, ja, sie verfolgen, lästern und schmähen ihn sammt seinem Evangelio und Allen, die daran glauben. Darum müssen sie sammt ihren ungetauften Kindern verdammt und vermaledeiet bleiben. Widerum, die gläubigen Ältern in der christlichen Kirche ehren und loben ihren Herrn und Heiland Jesum Christum. Sie hören sein heiliges Evangelium, sie tragen Sorge und Bitte für ihre Kinder, auch noch im Mutterleibe, und wenn es ihnen so gut werden kann, so wollen sie dieselbigen mit allem Fleiss befördern zur heiligen Taufe, auch unterweisen im Catechismo und halten zu allem göttlichen Gehorsam. Die will ohne Zweifel der barmherzige Gott und Vater unseres Herrn und Heilands Jesu Christi nicht verwerfen, ob sie schon aus unvermeidlicher Noth zur heiligen Taufe nicht kommen können.

Die sechste Einrede.

Mit der Weise wird man machen, dass man die Taufe nicht hoch wird achten und Ursach geben bösen Leuten, dass die die armen Kinder umbringen, gedenken, so sie ohne die Taufe selig werden können, so sei es um das zeitliche Leben zu thun, hiemit bleiben sie bei Ehren.

Das hat man leider wohl erfahren und erfährt’s täglich mehr, denn es gut ist, dass um zeitlicher Schande willen weder Leib, noch Seele bedacht, und viele arme Kinder wider Ordnung der Natur, des Rechts und Ehrbarkeit umgebracht werden. Denen aber soll durch diese Lehre keine Ursach zu solchem Übel gegeben sein, und sollen wissen, dass sie sammt den Kindern, wo nicht rechtschaffenen Busse geschieht, ewig verdammt und verloren sein müssen. Denn erstlich sind sie keine Christen, ja sündigen wider Gott, die Natur, Recht und alle Ehrbarkeit und sind ärger, denn die Heiden, tyrannischer, denn Pharao und Herodes, grausamer und unvernünftiger, denn die wilden Thiere; denn der keines thut an seinen Kinder, was solche böse, verruchte Leute thun, es geschehe nun waserlei Weise und durch welche Praktiken es wolle. Darum so werden sie auch ein geschwindes Urtheil hören und grössere Verdammniss leiden müssen, denn Heiden und Ungläubige.

Darnach so können sie weder für sich, noch die Frucht des Leibes Gott anrufen und bitten; denn Niemand kann beten mit bösem Gewissen und die öffentlich wider Gottes Gebot sündigen. Wo man aber nicht beten und Gott die Kinder durch ein gläubiges Gebet befehlen kann, Die mögen auch nicht seiner Verheissung theilhaftig werden. Darum so gehen sie hin in Nobiskrug, wie man pfleget zu sagen, Beide, Ältern und Kinder, in das ewige höllische Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist. Darum ich denn treulich alle Hurer und Ehebrecher, oder wer sie sind, will gewarnt haben.

Cölius, Michael – Der Spruch St. Pauli zu den Ephesern am 2. Capitel ausgelegt

Aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben, und Dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, dass sich nicht Jemand rühme; denn wir sind seine Werke, geschaffen in Christo Jesu zu guten werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen. (bei Spangenberg a.a.O. Fol. 184 ff.)

Meine Geliebten im Herrn, wir haben einen kurzen Text des heiligen Apostels St. Pauli gehöret; aber doch werden darin drei hochwichtige Sachen, einem Christen von Nöthen zu wissen, verfasset.

Zum Ersten lehret St. Paulus, welches die Hauptursach sei unserer Seligkeit, nämlich Gottes Gnade.

Zum Andern, welches das Mittel ist, dadurch der Mensch Gottes Gnade ihm zueigne, dass er derselben theilhaftig werde und selig, als nämlich ein wahrer, christlicher Glaube, woher derselbige komme, und was seine Art und Natur sei.

Zum Dritten, wann man nun aus Gottes Gnade durch den Glauben selig worden, wie und wodurch derselbige Glaube geübet und beweiset werden soll, dadurch er wachse und zunehme, als dass man nach Gottes Befehl in seinen Geboten wandele.

Zum Ersten.

Wann menschliche Vernunft in die Gedanken kommt, dass nach diesem Leben ein ander Leben sei, und in demselbigen Etliche selig, Etliche verdammt werden, und sie die Ursach der Seligkeit oder Verdammniss ergründen will, weil sie erkannt, dass ein Gott sei, der heilig, gerecht und fromm sei, wie alle Philosophi, kluge und weise Leute gehalten und gelehrt haben: hält sie es dafür, wer gerecht, heilig und fromm sei, Der werde selig, denn Gleich und Gleich gehört zusammen, widerum, wer das nicht sei, Der werde verdammt. Und das ist nach menschlicher Vernunft Etwas geredet, ferner kann sie auch nicht kommen; aber doch so fehlt’s menschlicher Vernunft daran, dass sie den rechten Gott, was er sei, und was sein Wille sei, nicht erkennt.

Darum, wenn sie irgend in Anfechtung und Noth kommt, so verzweifelt sie an Gott, lässt ihn fahren und sucht Hilfe, wo sie die finden kann, in ordentlichen und unordentlichen Mitteln; wenn sie die nicht findet, fällt sie in Verzweiflung, und müssen also alle Heiden und Ungläubigen in solcher Verzweiflung ewig verderben.

Kommt aber auch das Gesetz dazu, so weiset dasselbige und lehret wohl, wer der rechte Gott sei, aber es weis’t auch nicht mehr, denn wie die Vernunft, dass ein gerechter Richter sei und wolle Niemand selig haben, denn die auch gerecht, heilig und fromm sind, und nicht allein äusserlich, sondern auch innerlich. Denn es sagt: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und allen deinen Kräften, und deinen Nächsten als dich selbst, Das thu’, sagt das Gesetz, so wirst du leben. Und das ist wohl eine feine Lehre, und wer durch Gottes Geist nicht erleuchtet ist, meinet, es sein kein gewisserer Weg zum ewigen Leben, denn dieser. Und ist wahr, wenn man Gott über alle Dinge und den Nächsten als sich selbst könnte lieben und dem Gesetz einen vollkommenen Gehorsam leisten, so wäre es der Weg zum ewigen Leben, und dadurch würde man selig. Wenn aber der heilige Geist kommt und straft die Welt um der Sünde willen, um die Gerechtigkeit und das Gericht, und werden dem Menschen seine Augen aufgethan, dass er voller Sünde des Unglaubens, und weder Gerechtigkeit, so vor Gott gilt und bestehet, noch Gericht in ihm ist, so muss er anheben mit St. Paulo zu den Röm. am 7. zu schreien: Ich armer, dürftiger Mensch, wer will mich nun erlösen von dem Leibe des Todes, das ist, der mir den Tod und ewige Verdammniss anthut? Das Gesetz ist geistlich, ich bin fleischlich, das Gesetz ist heilig und gut, ich bin aber ein Sünder, und ist nichts Gutes an mir.

Und also findet sich’s, dass das Gesetz, so uns zur Gerechtigkeit dienen sollte, Nichts aus uns machet, denn arme Sünder. Es sollte das Leben geben, so bringet’s den Tod; wir sollten dadurch einen gnädigen Gott haben, so richtet es Zorn an; in den Himmel heben, so stösst’s uns in die Hölle, wie das Alles aus St. Paulo zu den Römern am 4. und 7., item 2. Cor. 3. zu sehen ist. Das aber Alles ist nicht des Gesetzes Schuld, welches gerecht, heilig und gut ist, sondern unserer armen, verderbten Natur durch die Erbsünde. Es kann aber der Gerechtigkeit Gottes Nichts vorgehen, die ist uns aber unmöglich zu erfüllen; darum fällt’s die Sentenz über uns: Maledictus omnis qui non permanserit in omnibus quae scripta sunt in hoc libro legis (verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllet. Deuteron 27,26). Und derhalben so ist das Gesetz auch nicht die Ursach zum ewigen Leben.

Wer aber nun wissen will, was die rechte Ursach sei zum ewigen Leben, Der höre hie St. Paulum, der sagt: Aus Gnaden seid ihr selig worden. Und ist auch sonst kein ander Mittel, noch Weg zum ewigen Leben, denn Gottes Gnade. Aber die weiset uns weder Vernunft, noch Gottes Gesetz, sondern allein das heilige Evangelion. Nach der Vernunft und dem Gebot hätte Paulus sollen sagen: Durch’s Gesetz und euer Werk seid ihr selig worden und dies durch euch, auf dass ihr euch zu rühmen habt. Nun aber kehret er’s um, geschweigt des Alles, ja verwirft’s als zur Seligkeit untüchtig und spricht schlechts dahin:

Aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist’s, auf dass sich Niemand rühme.

Und aus diesem Allem siehet man, was für ein Unterschied ist unter dem Gesetz und Evangelio.

Das Gesetz verheisset wohl das ewige Leben, aber mit dem Beding, wann wir’s halten und einen vollkommenen Gehorsam leisten. Das Evangelion aber macht keine andere Bedingung, denn dass wir glauben, Gott wolle uns aus Gnaden schenken die Übertretung um seines lieben Sohnes willen. Das Gesetz fordert unsere Werke, das Evangelion schenkt uns Christi Verdienst. Das Gesetz ist menschlicher Vernunft bekannt, das Evangelion aber ist über alle menschliche Vernunft, ein verborgener Schatz, Dem bekannt, wem es Gott durch sein Wort offenbart.

Hie möchte vielleicht Einer fragen, weil denn Paulus hie sagt. Aus Gnaden seid ihr selig worden; was heisst denn Gnade?

Antwort. Es ist auch ein grosser Missverstand des Wörtleins Gnade im Papstthum entstanden, denn die Scholastici haben gesagt, Gnade sei eine Qualität oder Geschicklichkeit in uns, da der Glaube durch die Liebe formiret, gemalet oder zubereitet sei, und durch solche Liebe werde der Mensch selig. Aber das ist ein grosser Fehl und Irrthum, denn es menget das Gesetz und Evangelion in einander, dessgleichen auch unser Werk und Christi Werk, und muss der Mensch endlich in Verzweiflung fallen, und hat sein Glaube keinen gewissen Grund, darauf er haften und bestehen kann.

Darum so sollet ihr das Wörtlein Gnade anders nicht verstehen, denn dass es Gottes gewisser Wille gegen uns sei, uns unsere Sünde um Christi willen zu vergeben, in Gnaden anzunehmen, gerecht und selig zu machen. Summa, es ist die Liebe, damit uns Gott geliebt hat in seinem geliebten Sohne, ehe der Welt Grund ist gelegt worden. Ephes. am 1. Und Das meint Christus, da er sagt Joh. am 3.: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einigen Sohn gegeben hat, auf dass Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Und St. Paulus zum Tito am 3.: Es ist erschienen die Freundlichkeit und Leutseligkeit unseres Heilandes, nicht um der Werke willen, sondern nach seiner Barmherzigkeit hat er uns selig gemacht. Und also sagt auch hie St. Paulus: Aus Gnaden seid ihr selig gemacht.

Und diese Gnade wird durch nichts Anderes uns offenbaret und fürgetragen, denn durch das heilige Evangelium und Gottes Geist, der durch das Wort wirket, daher denn St. Paulus abermals sagt: Das Evangelium ist eine Kraft Gottes zur Seligkeit Allen, die daran glauben. Wo aber nun die Gnade erkannt und in Glauben angenommen wird, so ist’s unmöglich, dass sie den Menschen nicht verneuere und wiederum gebäre. Denn sobald die Klarheit Gottes, dass er uns um seines Sohnes willen wolle gnädig sein und unsere Sünden nicht zurechnen, sondern dieselben vergeben und aus Gnaden selig machen, sich in uns spiegelt, so werden wir in dieselbige Klarheit durch Gottes Geist verwandelt, dass wir wiederum alles Gute von Gott halten, auf ihn unser Vertrauen setzen, lieben und fröhlich sein, trotzen wider Sünde, Tod, Hölle und Teufel und sind versichert und gewiss gemacht unserer Seligkeit. Da ist’s denn unmöglich, dass nicht folgen Danksagung, und dass man Gott lobe, ehre und preise. Und so Viel von dem ersten Stück der Hauptursache unserer Seligkeit.

Zum Andern.

Nun sagt St. Paulus nicht allein: Aus Gnaden seid ihr selig worden; sondern setzt hinzu und sagt: Durch den Glauben. Und Das ist das Andere, so uns St. Paulus zu bekennen erinnert, und lehrt, dass die Gnade, uns angeboten, nicht durch unser Werk oder sonst Etwas könne angenommen und derselbigen könne theilhaftig gemacht werden, denn allein durch den Glauben, wie Dasselbige St. Paulus auch kräftig erweiset im 4. Cap. zu den Römern und zu den Galatern am 3. und sonst an vielen Orten mehr. Und wären kräftige und genugsame Argumente oder Ursachen anzuzeigen, will aber um Kürze willen dieselben unterlassen, und wollen nun hören, was St. Paulus Glauben heisst. Denn auch über diesem Worte so wohl, als über dem Worte Gnade Irrungen eingerissen, die der Kirche nicht wenig Schaden zugefügt haben.

Denn es sind, die das Wörtlein Glaube nicht anders verstehen, denn dass es sei ein Bekenntniss im Gemüth einer Historie, wie die geschehen ist, und Glauben, dass es wahr sei, und das ist wohl ein Glaube, aber es ist nur ein historischer Glaube, da man glaubt, dass eine Geschichte wahr sei. Und da man wohl in der Kirche diesen Glauben auch haben muss, dass man glaube, dass Alles, was in der Schrift von Christo und sonst geschrieben ist, wahr sei, so ist es aber noch der Glaube nicht, davon hie Paulus redet:

Aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben.

Sondern es ist Das, wann uns Gott seine Gnade durch die Verheissung anbeut und predigen lässt, dass wir auf solche Anbieten fröhlich und getrost werden, in unserm Herzen all unser Vertrauen auf solche angebotene Gnade setzen und wider aller Höllen Pforten darauf pochen, dass wir nun Gottes Kinder sind und Erben des ewigen Lebens.

Den ersten Glauben, als nämlich Erkenntniss der Historia, haben wir gemein mit allen Heuchlern und falschen Christen, ja solchen Glauben haben auch die Teufel, wie Jacobus sagt am 2. Cap. Sie glauben und erzittern, sie sind auch des Glaubens in grösserer Erfahrung, denn wir. Denn sie fühlen ja, wie Christus ihr Reich zerstöret, werden aber darum weder gerecht, noch selig. Denn dieser Glaube ändert die Herzen nicht, macht sie in Gott weder fröhlich, noch muthig, ja sie fallen dadurch in mehr Trauern und Zagen, oder, wie St. Jacob sagt, in Zittern, und dieweil die Papisten von keinem andern Glauben wissen, denn dem historischen, so ist’s kein Wunder, dass sie auch vom Glauben so Wenig halten, ja, schimpflich und spöttisch davon reden und lehren.

Darum so lehren wir nach Vermöge göttlichen Worts, dass der Glaube nicht allein Erkenntniss der Historia sei, im Gemüth oder Sinn des Menschen, sondern ist auch ein herzlich Vertrauen und Wohlgefallen im Willen und Herzen des Menschen auf seine angebotene Gnade, Güte und Barmherzigkeit, und macht aber ein solcher Glaube neue Gedanken und andere Gemüther gegen Gott, denn sonst der Mensch hat von Natur; ja er giebt Macht, Gottes Kinder und Erben des ewigen Lebens zu werden. Joh. 1.

Wo kommt aber solcher Glaube her? St. Augustinus, ob er schon erkannt, dass wir aus Gottes Gnade durch den Glauben selig werden, hat er’s eine lange Zeit dafür gehalten, der Glaube komme aus menschlichem Vermögen. Aber durch diesen Ort St. Pauli hat er den Missverständniss erkannt, in seinen Büchern retractiret. Denn hie sagt St. Paulus:

Und Das nicht aus euch, Gottes Gabe ist’s, auf dass sich nicht Jemand rühme.

Hie lehret St. Paulus klar, dass der Glaube nicht ein menschlich Werk sei, nicht von unserm Vermögen herkomme. Denn er spricht: Und Das nicht aus euch, Gottes Gabe ist’s. Allhie gäbe dieser Text wohl Ursache zu reden von des Menschen freiem Willen, was derselbige thue und vermöge in Sachen die Seligkeit belangend; wir wollen aber die Sache den Gelehrten befehlen, die jetzund darüber disputiren und in grossen Zank darüber wachsen. Es ist aber nicht für gemeine Leute, darum wollen wir bei den einfältigen Worten bleiben. St. Paulus sagt, der Glaube sei nicht aus uns, sondern eine Gabe Gottes; denn er wirket durch’s Wort und heiligen Geist, wie Das klar bewiesen wird zu den Römern am 10. und Galat. 3.

Warum aber zeigt St. Paulus die Ursach an und spricht: Auf dass sich nicht Jemand rühme? Diese Drei kann Gott nicht leiden: Rühmen, Rächen und Richten. Darum sagt St. Paulus zu den Römern am 3. Cap., dass unser Ruhm ausgeschlossen sei, nicht durch’s Gesetz der Werke, sondern durch’s Gesetz des Glaubens. Und Jeremias am 9. Cap. sagt: Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, sondern, wer sich rühmen will, Der rühme sich des Herrn. Und Das sei gesagt vom andern Stück, nämlich dem Glauben, der Gottes Gnade ergreift, was derselbige sei, was er wirke und woher er komme.

Zum Dritten.

Weil wir nun gehöret haben die Hauptursach unserer Seligkeit, dass es sei Gottes Gnade, darnach, dass nur solche Gnade durch’s Wort fürgetragen, allein durch Wirkung des heiligen Geistes mit Glauben empfangen und angenommen werde, und welche ihnen dieselbige Gnade zueignen, die sind Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens, und das sind die ersten zwei Stücke gewesen, welche sind ein gewisser Grund unserer Seligkeit; denn wo die sind, da ist der Mensch schon begriffen mit dem ewigen Leben, und fehlet nun an Nichts, denn dass der Mensch Gnade und Glauben, so in ihm sind, übe und beweise, und also in derselbigen Gnade und Glauben wachse und zunehme. Zu Dem aber vermahnet nun ferner der heilige Apostel im dritten Punkte und spricht:

Denn wir sind seine Werke, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen uns Gott zuvor bereitet hat, dass wir darinnen wandeln sollen.

In diesen Worten hören wir, dass es nicht die Meinung habe, wie etliche Leute meinen, wenn man Gottes Gnade und den Glauben, dadurch wir ihrer theilhaftig werden, predigt, dass man nun keine guten Werke thun solle, oder wie die Hypokriten schliessen, durch solche Lehre verbiete man gute Werke und gebe Ursach zu sündigen. Nein, die Meinung hat’s gar nicht, sondern wie hie St. Paulus sagt:

Denn wir sind seine Werke, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken

Hiemit lehret St. Paulus, dass es die Meinung gar nicht habe, wenn wir aus Gnaden durch den Glauben sind selig worden, dass wir nun müssig gehen oder danach übel thun mögen, sondern nun sollen wir erst recht anfahen, fromme Leute und, wie er zu Tito am 3. Cap. schreibt, eifrig, das ist, ganz willig und brünstig zu werden zu guten Werken, und giebt Dess zwei Ursachen.

Erstlich spricht er: Wir sind seine Werke, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken. Wir sind zwar durch die erste Geburt auch Gottes Werk und geschaffen, dass wir nicht sollen ledig gehen. Denn die Schrift sagt: Gott habe vor dem Fall Adam in’s Paradies gesetzt, dass er daselbst pflanzen soll und bauen. Darum, ob der Fall nicht geschehen wäre, so hätte doch der Mensch nicht sollen müssig gehen, sondern hätte gearbeitet und sein Tagewerk ausgerichtet. Dessgleichen nach dem Fall spricht Gott: Im Schweiss deines Angesichts sollst du dein Brodt essen; an welchem wir sehen, dass wir immer Etwas fürhaben und thun sollen, und soll die Creatur ihrem Schöpfer gehorsam sein. Aber Solches nun nach dem Fall geht gar schwerlich zu in der verderbten Natur, und geschieht Arbeit und andere Dinge mehr aus einem Zwang der Noth und dass man darin Geniess und Lohn sucht, denn aus einem freien, willigen Herzen und Gott zu ehren, und bleiben allhie Knechte und Arbeiter um den Groschen zum Tagelohn und werden zuletzt mit Ungnaden mit demselbigen zeitlichen Lohn aus dem Weinberge geweiset. Matth. 20.

Aber St. Paulus will, dass wir durch eine andere Meinung gute Werke thun sollen und spricht: Wir sind seine Werke, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken. Das ist, wir sind nun nicht mehr Knechte, sondern Kinder; darum dürfen und sollen wir nicht um Lohnes willen gute Werke thun, mit verdriesslichem Herzen. Sondern weil wir in Christo Jesu, das ist durch den Glauben an Jesum Christum, Gottes Kinder worden sind, so haben wir durch die Wiedergeburt schon die Erbschaft überkommen, und dadurch sollen wir mit freiwilligem Geiste gute Werke thun, Gott damit zu ehren, die Kindschaft zu beweisen und, dass das Erbe gemehret, wir in solcher Kindschaft wachsen und zunehmen. Und allhie wäre ferner zu sagen vom Unterschied der Werke, so die Gläubigen und Ungläubigen thun, wie und warum dieselbigen Gott gefallen, wie und warum er dieselbigen belohnet; aber es würde auf dies Mal zu lang werden. Darum wollen wir die andere Ursach hören; denn also sagt der Text weiter:

Zu welchen uns Gott zuvor bereitet hat, dass wir darinnen sollen wandeln.

Droben hat er gesagt, wir sind Gottes Werk in Christo Jesu, geschaffen zu guten Werken, will uns damit Ursach geben, mit fröhlichem und gutem Herzen gute Werke zu thun.

Aber dabei lässt er’s nicht bleiben, setzt hinzu und spricht: Zu welchen uns Gott zuvor bereitet hat. Hiemit giebt er zu verstehen, dass Gott nicht allein gute Werke gebiete, sondern die durch den Glauben an Jesum Christum aus Gnaden sind selig worden, Denen helfe auch Christus und wirke in ihnen, dass er ihre Herzen erwecket, dass sie zu guten Werken fröhlich und willig mögen werden und desto eher hinangehen, wie man denn auch in leiblicher Arbeit desto williger und fröhlicher ist, wer einen starken und willigen Mitarbeiter hat.

Wie bereitet uns aber Gott in Jesu Christo zu guten Werken, dass wir darinnen mögen wandeln? Das geschieht auf viererlei Weise.

Erstlich lässt er durch’s Wort des heiligen Evangelii verkündigen, er habe uns mit Gott, seinem himmlischen Vater, versöhnet, der sei nun unser gnädiger Vater auch und habe ein herzlich Wohlgefallen an uns, als an seinen lieben Kindern, und hiemit bereitet er uns zu guten Werken; denn welches Herz Das glaubet, das frohlocket über solche grosse Gnade und Barmherzigkeit Gottes, und ist ihm unmöglich, sich zu enthalten. Es muss demselbigen, seinem lieben Gott wiederum dankbar sein und thun, was ihm wohlgefällt, und Das ist die erste Bereitung.

Zum Andern, wenn nun dadurch das Herz zu guten Werken willig und bereit worden ist, zu thun, was Gott lieblich und dienstlich wäre, wenn es allein wüsste, was es thun sollte, so bereitet uns Gott zuvor zu guten Werken, dass wir darinnen wandeln, und lässt uns durch’s Gesetz anzeigen, was er für gute Werke von uns haben will, und das sind denn nicht Lumpenwerke des Papstes, was man essen, trinken und für Kleider wir tragen sollen, wie wir Wallfahrten laufen und Ablass lösen und heilige Dienste anrichten sollen, sondern die Summa seines Gebotes stehet hierin: Liebe Gott über alle Dinge und deinen Nächsten als dich selbst; was ihr wollet, dass euch die Leute thun sollen, Das thut ihr ihnen auch; und in Summa, wer wissen will, was ihm Gott zu thun und zu lassen befohlen hat, Der lerne die heiligen zehn Gebote verstehen mit allen ihren Umständen, das sind, die ihm gefallen und die er haben will, dass sie im Glauben und seinem Gehorsam geschehen sollen.

Dieweil aber unser lieber Gott weiss die Schwachheit unseres Fleisches, und der alte Adam Nichts gern umsonst thut, so bereitet er uns für’s Dritte zu guten Werken also, dass er auch seine Verheissung daran hänget, und kein Werk so gering sein kann, das er nicht belohnen will. Denn Christus sagt Matthäi am 10., dass auch ein Trunk kalten Wassers, in seinem Namen gegeben, nicht soll unbelohnt bleiben. Darum, ob wir wohl Vergebung der Sünde, Gerechtigkeit und ewiges Leben mit guten Werken nicht können verdienen, – dazu gehört allein Christus und der Glaube – so werden aber Denen, die durch Christum im Glauben selig sind, alle ihre guten Werke belohnt werden mit anderen Gaben, und, wie St. Paulus 1. Corinth. 15. sagt, wird unsere Arbeit im Herrn nicht vergeblich sein. Wer nun Dem nachdenkt und es mit Glauben fasset, dadurch bereitet ihn Gott zu guten Werken.

Noch zum Vierten, dass Gott ja an Nichts mangeln lasse, uns zu guten Werken zu bereiten, so giebt er auch und schüttet über uns seinen heiligen Geist, der uns erleuchte, regire, schütze und handhabe, dass wir von allen Höllenpforten unverhindert in guten Werken mögen wandeln. Und also haben wir aus diesen Worten St. Pauli gehört erstlich die Hauptursach unserer Seligkeit, nämlich Gottes Gnade; wodurch wir derselbigen theilhaftig werden, als durch den Glauben an Jesum Christum, und zum Dritten, dass wir dann durch gute Werke üben und beweisen sollen, denn uns Gott dazu in Christo Jesu geschaffen und bereitet. Wir wollen Gott danken und bitten, dass er uns dazu seinen heiligen Geist verleihe durch Christum, unsern Heiland. Amen.

August 31, 2019

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