Molenaar, Isaak – Predigten – I. Matth. 10, 34

„Siehe, ich komme, im Buche ist von mir geschrieben.“ So ruft der Herr uns zu; immer ruft er, aber besonders in dieser Adventszeit; damit wir uns auf seine Ankunft vorbereiten, ihm begegnen, und ihn würdig empfangen sollen.

„Ich komme,“ so hat er von Anfang her seinem Volke zurufen lassen; im Buche, dem heiligen Gottesbuche, steht es geschrieben. Es ist nichts anders, als ein doppeltes Zeugniß von seinem Kommen – es zeugt erst von dem, der da kommen sollte – das ist das alte Testament – dann von dem, der gekommen ist und immerfort kommt – das ist das neue Testament. –

Und wie das Erste in Erfüllung gegangen, so wird auch das Zweite in Erfüllung gehen; wie er gekommen ist in das Fleisch, so wird er auch ferner kommen, und Alles vollenden.

Aber es wird so lange, es ist so viel, das damit zu streiten scheint; oft will es uns vorkommen, als ob er und sein Reich sich immer mehr von uns entfernte, statt zu nahen.

Und besonders jetzt. Sein Reich soll ein Friedensreich sein. Er spricht: „Friede sei mit euch!“ und die himmlischen Heerschaaren sangen bei seiner Geburt: „Frieden auf Erden!“ Und nun werft einen Blick auf die Erde, um euch her, Geliebte – in euch, wo ist der Friede? In der Welt, in den Völkern, in den Häusern, in den Herzen, ja in seinem Reich, in seiner Kirche selbst?

Geliebte, auch dieses gehört mit zu seinem Kommen, es zeugt nicht dagegen, sondern dafür, und soll unsern Glauben nicht beugen oder schwächen, sondern stärken und erheben.

Wohlan, das laßt uns erwägen mit Gott. Betet mit uns um seinen Geist.

O Gott, du bist ein Gott des Friedens, denn du bist die Liebe, und wohnest im Licht. Auch uns hast du berufen zum Frieden, zu deinem Frieden, denn wir sollen Kinder des Lichtes sein und in der Liebe wandeln. Du hast uns deinen Sohn gesandt, daß er Frieden mache, ja du selbst hast durch ihn Frieden gemacht. Und doch ist noch so viel Unfriede in uns, um uns her. O Herr, o Gott und Vater, laß ihn kommen zu uns, diesen deinen Sohn, daß er unser Friede, der Unsern, der Welt Friede und Freude werde, und des Friedens kein Ende sei in seinem Reich! Herr segne dein Wort, Vater erhöre uns, wenn wir im Namen deines Sohnes beten.

Text: Matth. 10, 34.
Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Friede zu senden auf Erden. Ich bin nicht gekommen, Friede zu senden, sondern das Schwerdt.

Das sind Worte aus der merkwürdigen Rede, womit der Herr Jesus seine eben erwählten Apostel zu ihrem künftigen großen, aber auch schweren Berufe einweihet, und sie schon im Voraus, ja von Anfang auf die Gefahren und Kämpfe, die sie zu bestehen haben würden, aber auch auf die starke Hülfe und den mächtigen Trost, die ihnen nicht fehlen würden, aufmerksam macht. Auch die Jünger, wie noch jetzt so Viele, standen in dem Wahn, als ob das Reich Gottes sich ohne Kampf ruhig wie ein Himmelsfriede auf die Erde herabsenken würde; aber das ist unmöglich, dann müßte die Welt nicht im Argen liegen, dann müßte es kein Reich der Finsterniß, keine Pforten der Hölle geben, die dagegen stritten, dann müßte in dem Herzen des Menschen keine Sünde, und also kein Widerstand sein, die es zu besiegen hat. Das ist das Schwerdt, das er zu senden, der Kampf, den er anzuregen, das Feuer, das er zu entzünden gekommen ist, und das nie ausgeblieben ist, noch ausbleiben kann, bis der endliche, letzte und große Sieg errungen ist. Dieser Unfriede selbst , dieser Kampf gehört zu seinem Kommen, ist davon unzertrennlich, und ein Zeichen seiner Ankunft, und darum ist es wohl ein Gegenstand, der für eine Adventsbetrachtung gehört. Wir wollen also in dieser Stunde reden von dem Kampf, den der Heiland erregt, wo er kommt, und zwar I. in den Herzen, II. in den Häusern und III. in den Völkern der Erde.

Vielleicht gab es nie eine Zeit, wenigstens gewiß nicht für uns, wo dieses so auffallend, so sichtbar war, wie gerade jetzt, und so sehen wir, wie es ein Geist ist, der sich über das Ganze und über Einzelne verbreitet und ergießt; darum ist diese Adventsbetrachtung gerade jetzt eine besonders geeignete, ja nothwendige. Der Herr wolle sie an uns segnen!

I.

Obgleich der Herr Jesus in unserm Texte hauptsachlich und zunächst von dem Unfrieden spricht, den er unter den Menschen, und zwar den Hausgenossen erregen werde – so können wir doch nicht schweigen von dem Kampf und Aufruhr, der in den Herzen, in dem Innern der Menschen entsteht, wo er einkehren will, weil jener äußere aus diesem innern hervorgeht, und also ohne das in seinem Grunde nicht verstanden werden kann.

Aber wie, höre ich die Meisten sagen, Jesus Christus sollte Unfrieden in das Herz des Menschen bringen? Das wäre ja ein Widerspruch. Er ist es ja, und er allein, der den Frieden, den wahren Frieden in das Herz bringen muß, nämlich den Frieden Gottes. Sagt er nicht selbst: Kommt her zu mir rc. – lernet von mir – so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen? – Freilich, Geliebte, sagt er das, und was er sagt, ist Wahrheit, was er verspricht, das hält er gewiß; denn er ist die Wahrheit, die Gnade und Wahrheit. Er ist unser Friede. Aber eben darum können auch seine Worte nicht mit einander streiten, er kann sich selbst nicht widersprechen, und aus diesen Worten selbst will ich es euch beweisen. Er sagt: „Kommet her zu mir!“ Wißt ihr, was das heißt: zu ihm kommen? Es heißt seine Sünde erkennen und bekennen, es heißt Buße thun und an ihn glauben, bei ihm Hülfe, Gnade, Vergebung, Ruhe und Frieden suchen. Das sind die Mühseligen und Beladenen, die bußfertigen Zöllner, die verlornen Söhne, die Armen am Geist, die Leidtragenden, die Hungernden und Dürstenden nach Gerechtigkeit, die zerbrochenen und zerschlagenen Herzen, die nichts Gutes mehr in sich selbst finden können, die nichts in sich sehen, als Schuld, Sünde, Ohnmacht und Verdammniß, gar keine Gerechtigkeit, keine Entschuldigung; die und keine andern kommen zu ihm, und die finden auch gewiß, was sie suchen, Friede und Ruhe für ihre Seelen. Aber wie wenige sind das! Wie wenige wollen eingehen durch das enge Thor, wie wenige finden daher den schmalen Weg, der zum Leben führt, weil sie sich fürchten, ihn zu suchen, sich fürchten, den breiten, gemächlichen, auf dem Viele wandeln, zu verlassen. Das kostet Kampf, Verläugnung, das macht Unruhe, das verursacht innern Zwiespalt im Herzen; das ist das Schwert, das der Heiland bringt, wenn er kommt. Ja, wenn er kommt, nicht wenn er da ist. Dieses Schwert sendet er voraus, es ist ein zweischneidiges, das durch die ganze Seele geht, und sie gleichsam von einander scheidet, denn es will den alten Menschen in dir von dem neuen trennen. Es ist das Licht, das hineinfällt und einen hellen Schein gibt in die Herzen, und nun siehst du erst, was darin steckt und dir früher verborgen war. Siehe, so erst war es still und ruhig in dir, du lebtest mit dir selbst und der Welt zufrieden, denn du warst einig mit ihr, und fandest nichts an ihr, d. h. an ihrem Geist und Sinn, ihrem Wesen und Treiben auszusetzen, denn es war auch das Deine. Genuß des Lebens, Freude, Zerstreuung, Erholung, Gewinn, Ehre, Glanz, Ruhm, Herrschaft, Einfluß, das waren die Güter, worin du lebtest; und du fandest es auch so ganz natürlich, wie es auch ist, weil du keine andern kanntest, keine Ahnung von dem hattest, wornach du jetzt dich sehnest, von der Seelenruhe, dem Gottesfrieden, den dir Christus anbietet. Aber der Strahl ist in dein Herz gefallen und hat gezündet, und nun ist jene erste Ruhe dahin und du fühlest, sie kann nie wiederkehren – nie – bis du bei ihm bist, bis er in dir ist.

Sonst warst du mit dir selbst so ziemlich zufrieden, du fandest wohl Sünde in dir, aber sie machte dir keine Unruhe, „wir sind ja alle Sünder und haben alle Gnade nöthig, aber wir haben ja auch einen gnädigen Gott,“ mit diesem Gemeinplatz konntest auch du auskommen, wenn du es vielleicht auch anders ausdrücktest. Nun ist es anders; der Gedanke: ich bin ein Sünder, stört dich in deiner Ruhe, in dem Genuß, in der Arbeit, in der Einsamkeit trat er dir dunkel und schwarz entgegen: ich bin ein Sünder vor Gott! Mögen es Andere auch sein, mögen es Alle sein, darum bin ich es nicht weniger; mögen Andere dabei ruhig sein können, ich kann es nicht mehr. Ich muß Gnade, ich muß Friede, ich muß einen Heiland haben, ich muß wissen, daß er mein ist.

Sonst fandest du ziemlich viel Gutes, Löbliches, sogar Ausgezeichnetes an dir, du meintest du seist doch treu, ehrlich, gerecht, billig, gutmüthig, wohlthätig, du habest sogar Liebe – ja selbst Glauben, und also auch Hoffnung. Wo ist das alles nun geblieben? Ach nun siehst du bei jenem Lichtstrahl, es war alles anders, alles Schein und Selbsttäuschung, jetzt hast du die unreine Quelle entdeckt, woraus es floß, die Eigenliebe, die Eitelkeit, die Menschenfurcht, die Selbstgefälligkeit, die Lohn- und Ruhmsucht, die in den Herzen steckt, die Ungeduld, den Zorn, die Bitterkeit, den Eigenwillen, den Ungehorsam, den Stolz, den Unglauben, ach! und es bleibt nichts mehr übrig von dem schönen Bild, in dem du dich spiegeltest; und au seine Stelle ist ein anderes, sehr häßliches getreten, das dir sonst verborgen war, nun hast du keine Ruhe, es ruft beständig in dir: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes! Aber kannst du auch hinzusetzen: „ich danke Gott durch Jesum Christum, unserm Herrn? – Seht, Geliebte, das ist das Schwert, das der Herr sendet ehe er kommt, aber es ist auch das Zeichen, daß er kommen will, wenn du ihm nur nicht länger widerstehen willst.

Ich könnte weiter gehen, Geliebte, und zeigen, wie dieses Schwert nicht nur einmal, sondern oft wiederkommt, und immer tiefer dringt, immer schärfer theilt und richtet, und die Sünde bis in ihre geheimsten Schlupfwinkel verfolgt, um den alten Menschen ganz vom neuen zu scheiden; denn das Reich Gottes ist ein Sauerteig, der die ganze Masse durchsäuert, wie der Geist immer neue Buße weckt, um immer neuen Glauben zu wirken; aber es ist Zeit, daß wir uns zu dem zweiten Theil

II.

unserer Betrachtungen wenden und zeigen, wie eben dieses Schwert des Herrn auch in die Verbindungen und Verhältnisse der Menschen dringt, so wohl in die Häuser und Familien, als in die gesellschaftlichen Kreise, wenn der Herr kommt. Und wenn die Erfahrung es nicht zeigte, so würdet ihr es schon im Voraus schließen, daß es nicht anders möglich ist, daß es so kommen muß, denn wie könnte es da ruhig bleiben, wo ein so verschiedener Geist herrscht, ein so entgegengesetzter Sinn waltet. Auch sagt der Herr es selbst, wenn er fortfährt: „Denn ich bin kommen den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider ihre Mutter, und die Schnur wider ihre Schwieger, und des Menschen Feinde werden seine eigne Hausgenossen sein.“ Es ist entsetzlich, nicht wahr, meine Freunde? es ist empörend. Kann das das Werk Gottes sein, der die Liebe ist und ein Gott des Friedens? Kann dessen Geist Haß und Zwietracht wirken? Ist Christus auf Erden gekommen, um die Menschen zu entzweien und nicht zu vereinigen? Freilich, Geliebte, gekommen ist er, um ein Reich der Liebe und des Friedens zu gründen, denn das ist das Reich Gottes; aber wir müssen unterscheiden, was seine Absicht und sein letzter Zweck, und was der Erfolg und die Wirkung ist, wo jener nicht erreicht wird oder noch nicht erreicht ist; und davon redet hier der Herr, nämlich von denen, die sich ihm widersetzen. Wie es mit dem einzelnen Menschen geht, so geht es auch mit mehreren. Es ist immer die Sünde, die dem Herrn widersteht, so wohl in uns, als außer uns; und sein Licht, seine Wahrheit und Gnade nicht anerkennen, nicht einlassen will. „Ich bin zu einem Gericht in die Welt gekommen,“ sagt er, „das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist; und die Menschen liebten die Finsterniß mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der hasset das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden.“ Seht, Geliebte, da haben wir ja den ganz natürlichen Grund. Ist es so nicht dem Herrn selbst, ist es nicht eben so seinen Aposteln gegangen, als sie gegen die Welt zeugten? Es kann nicht anders sein; die wärmste göttliche Liebe erzeugt den grimmigsten Aufruhr im Reich des Bösen, jedoch zu seinem Gericht. Aber sollte der Herr darum nicht gekommen sein? sollten die Apostel darum schweigen? „Er kam zu den Seinen und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ – Sein Volk, seine eignen Brüder glaubten nicht an ihn, seine Stadtgenossen wollten ihn vom Felsen herabstürzen, sein Volk verwarf, Jerusalem verdammte und kreuzigte ihn; aber so viele ihn aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, nämlich die an seinen Namen glauben. So war es, so ist es noch. Wie sie ihn verfolgt haben, so verfolgen sie ihn auch noch in seinen Gliedern. Wo sich in einem Hause, in einer Stadt, in einem Kreise irgend Jemand zu ihm bekennt, und sei es auch ohne Worte, von ihm und seiner Gnade gegen die Sünder zeugt; wo einer rühmt, was der Herr an seiner Seele gethan: da steht gleich alles gegen ihn auf, was kein Sünder sein, sich nicht bekehren, nicht Buße thun und glauben will. Wie? heißt es sogleich, du willst besser sein als wir, du nennst dich einen Gläubigen; bist du nicht auch ein Sünder, vielleicht noch ein größerer? Und o da ist die Welt so scharfsichtig, so streng und genau, da findet sie tausend größere Flecken, tausend schlimmere Fehler, und mag auch oft Recht haben; denn das menschliche Herz ist ein trotziges und verzagtes Ding, wer kann es ergründen? „Willst du ein Gläubiger, ein Frommer sein, so mußt du auch ein Heiliger sein; und ist das und das und das denn heilig, christlich, fromm gehandelt?“ Sie haben Recht, das läugnet der Gläubige auch nicht; aber sie achten es nicht, daß er es von Herzen bekennt, daß es ihn täglich beugt und schmerzt, und nichts ihm Kummer macht, als die Sünde, die er noch wider seinen Willen in sich findet; sie achten und sehen es nicht, wie er mit sich selber kämpft und ringt, wie er so gerne mit dem Apostel gesteht: „Nicht, daß ich es schon ergriffen hätte.“ So ist es ja klar, daß sie ihn seines Glaubens wegen hassen, denn sonst liebten sie ihn, und würden ihn auch noch lieben, wenn er nur diesen Glauben nicht hätte und nicht bekennte. So ist es klar, daß sie eigentlich nicht ihn, sondern seinen Glauben, seine Lehre d. h. das Evangelium hassen. Eine Lehre, die nichts Gutes an dem Menschen läßt, die alle Menschen zu Sündern macht, alle ohne Unterschied, und also auch uns verdammt, ist das eine Lehre der Bibel? sprechen sie; kann die von Gott, dem Gott der Liebe sein? Nein, von der Hölle und nicht vom Himmel kommt sie, darum richtet sie auch überall Streit und Unruhe, Haß und Feindschaft an. So wüthen sie, und sehen nicht, daß sie gegen sich selbst wüthen, denn sie thun ja nichts anderes, als die Bosheit, den Grimm, der sich in ihnen gegen die Lehre der Gnade, der Buße und Bekehrung reget, auf die Lehre selbst und auf die übertragen, die sie bekennen und sich selbst von ihr richten lassen. Nichts Anderes wollen ja die Gläubigen, die sie schelten, als daß auch sie sich selbst richten, sich selbst mit ihnen Sünder nennen und vor Gott verdammen möchten, damit sie mit ihnen zum Heiland gehen und Gnade und Friede finden; nichts Anderes wollen sie als ihr ewiges Heil, ihre Seligkeit. Seht, meine Freunde, so geht das Wort des Herrn in Erfüllung. Ich bin gekommen die Menschen wider einander zu erregen; ich bin nicht gekommen Frieden zu senden, sondern das Schwert.

Sehen wir es nicht in unsern Tagen mehr wie je? Ich wenigstens muß es bekennen, ich kann und darf es nicht verschweigen, wie es sich mir gerade in dieser Zeit, in diesem Jahr in so vielen Beispielen so auffallend gezeigt hat: „Des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“

Aber sollen wir uns darüber betrüben? Nein, Geliebte, weder wundern noch betrüben, sondern vielmehr freuen, denn es ist ja auch ein Zeichen, woran wir den Herrn und das Kommen seines Reichs erkennen sollen. O möchte es nur kommen, auch unter uns, und wenn es nicht anders sein kann, durch Kampf und Gewalt, denn wo Kampf ist, da ist auch Leben, und das ist ja besser als die Ruhe des Todes, wo man ruft: „Friede! Friede! es ist doch kein Friede.“

Nur sorge du, mein Bruder, daß von dir kein anderer Kampf ausgehe, als der Kampf der Liebe in Demuth und Geduld; denn der Herr sagt: „Es muß ja Aergerniß kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniß kommt.“ Er sagt: „Wehe euch, wenn alle Menschen wohl von euch reden. – Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerlei Uebles wider euch, so sie daran lügen.“

„Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt, also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen, und euern Vater im Himmel preisen. Wandelt als Kinder des Lichts.“

III.

Nun müssen wir drittens noch zeigen, wie dieser nämliche Kampf nicht nur in den Herzen und Häusern, in den einzelnen Kreisen und Verbindungen Statt findet, sondern sogar sich über ganze Völker, über die ganze Menschheit sich verbreitet; denn das meint der Herr auch, wenn er spricht: „Ich bin nicht gekommen Frieden zu senden, sondern das Schwert.“

Aber bedarf das noch wohl eines Beweises? ist nicht die Erde in Aufruhr, die Welt in Flammen der Empörung? Hören wir nicht von Kriegen und Kriegesgeschrei? Haben die Völker nicht die Hand an das Schwert gelegt, ja zum Theil schon ausgezogen? Doch wie, werdet ihr sagen, was haben diese Kriege, diese Empörungen mit Christo und seinem Reiche zu thun? Wie? Sind es denn nicht christliche Völker, die so dastehen? Ist es nicht gerade die christliche Welt, die sich empört? Ja, antwortet ihr, aber eben diese Empörer beweisen das Gegentheil, nämlich daß sie keine Christen sind. Das ist es eben, Geliebte, was auch wir behaupten; nämlich daß sie Christen heißen wollen und nicht sind, und eben darum dagegen kämpfen. Sie wollen nicht: „daß dieser über sie herrsche,“ sie wollen sich seinem Wort nicht unterwerfen, das da lehret: „Jedermann sei Unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebt Gottes Ordnung.“ Ja, es ist im Großen wie im Kleinen, es ist immer der Widerstand gegen Gott, woher der Kampf, der Aufruhr, die Empörung entsteht. Und eben darum ist dieser Kampf jetzt allgemeiner denn je, weil der Herr sich sichtbar aufmacht, die Völker heimzusuchen, weil sein Reich mit Macht hereinbricht, und der Feind es wohl merket, daß seine Stunde naht, und es nun gilt kämpfen oder erliegen.

Ja, Geliebte, es ist derselbe Geist, der auch in die Herzen und in die Häuser dringt, er will sich auch über die Völker ergießen. Es ist nicht der Geist des Herrn, sondern der Geist des Feindes, des Widerchrists, der diese Kämpfe, diese Empörungen erregt. Es sind diese beiden Geister, die wider einander streiten, aber der Geist des Herrn kommt nicht mit äußerer Gewalt, sondern wie ein sanfter Wind. Der Herr ist nicht im Sturm, aber der Sturm geht vor ihm her und er wird siegen – auch im Erliegen – denn er hat es gesagt: „Die Pforten der Hölle sollen meine Gemeine nicht überwältigen!“ – „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet!“ Amen.

September 1, 2019

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